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[closed] Dragonslayer & Dragonexplorer - Drazan - 23.10.2021

Es ist nur einige Stunden her, seit die Truppen aus dem Süden über Vergen geflutet sind wie eine Welle aus Tod und Niedergang. Es war relativ hoffnungslos für die Truppen welche ohne die große goldene Sonne Nilfgaards auf der Brust kämpfen mussten. Drazan nahm an der Schlacht nur sehr passiv teil, schmiss das nötigste an Zerstörung mit gebürtigem Abstand in die feindlichen Reihen während er auf eine Gelegenheit lauerte, die ihm einige Tage zuvor per Mitteilung angekündigt wurde. Einen echten Drachen zu sehen, vielleicht sogar zu fangen. Es dauerte nicht lange, bis ein unmenschliches Brüllen über dem Schlachtfeld erhob und kurzerhand die Soldaten von einem gigantischen feuerspeienden Ungetüm überschattet sagen. Etwas, dass im Gegensatz zu diesem tölpelhaften Mord und Totschlag wirklich einmal das Interesse von Drazan wecken konnte. Er hatte sich mit einem magischen Schildzauber vor dem gröbsten gerettet, auch wenn er schwören könnte seine Robe wurde dennoch etwas angesengt, hatte sich die bereits vorher darüber informierten erfahrensten Magier aus seiner Gruppe geschnappt und sich durch die Menge gekämpft. Immer dem Feuer hinterher. Die Schlacht gewannen sie logischerweise trotzdem, war es doch fast unmöglich für die wankenden Königreiche die Kriegsmaschinerie des Kaisers aufzuhalten. Nachdem Drazan und seine Magier einige Zauber auf den Drachen geworfen hatten, schien er tatsächlich Probleme mit dem fliegen zu bekommen und die Gruppe machte sich auf den Weg, das Wesen in den Bergen zu ergreifen.

Der Kampf war mittlerweile geschlagen, die letzten Überlebenden aufgeschlitzt und die wichtigsten Wertgegenstände geplündert, die schönste Frauen missbraucht. Er hatte sich das elend kurz angesehen, als er auf dem Weg zurück dem Kommandanten dieses Angriffes kurz darüber informierte, dass er die Jungfrau von Aedirn in seiner Gewalt hatte. Das sie ein Drache war verschwieg er dabei und informierte ihn gleichzeitig, sie für den Moment in seiner Obhut zu bewahren. Schließlich hatte sie eine ganz besondere Position und der Kaiser würde sicherlich nicht wollen, sie dem gemeinen Pöbel zu überlassen. Er wusste sehr genau, wie weit er mit seiner Rolle als vermutlich erfolgreichster Militärzauberer gehen konnte ohne den Kommandanten zu sehr auf die Füße zu treten. Für den Moment würden sie in Vergen verbleiben, es würde dauern bis sich die Soldaten ausgeruht hatten und das nächste Ziel in Aedirn überrollen konnten. Wäre dies wenigstens eine vernünftige Stadt hätte er damit ja kein Problem doch langeweilte ihn das Ambiente und allzu sehr interessantes gab es nichts, außer die Minen, welche unbedingt verschlossen werden müssen bevor sich eine Katastrophe aus Untoten anbahnt. Er hatte also mehr als genug Zeit sich um seinen neuen Gast zu kümmern. Es war früher Vormittag, als er nach den üblichen Besprechungen in sein Zelt gestapft kam. Er hatte bis jetzt noch nicht wirklich Zeit gehabt, endlich seine Kleidung zu reinigen – oder die angesengten Stellen ausbessern zu lassen. Er sah aus wie der reinste Tyrann! Gekleidet in schwarzen Stoff verstärkt mit schwarzen Ledern, die silberne Sonne des Reiches auf dem Umhang und auf der Brust. Alles nicht gerade die besten Voraussetzungen, aber er vermutete Saskia war gewiss schlimmere Anblicke gewohnt. Er hatte an sein – bis dahin sowieso viel zu aufgeblähtes Zelt – schlicht und ergreifend noch eine weitere Stoffbehausung anbauen lassen, in welcher die Zelle versteckt war. Es war keineswegs die triste, unbequeme Version einer Gefangenschaft mit der man sicherlich fest rechnete, sollte man jemals in die Hände der Schwarzen gelangen. Stattdessen waren, wenn auch etwas karg, die nötigsten Dinge dort die man zum Leben brauchte und die man sich so wünschte. Bett, Waschgelegenheit – nicht die Notwendigkeit in ein Erdloch….nun, jedenfalls war es recht schick. Trotz der eher dünnen Gitterstäbe war es abgesichert, wenn auch nicht auf die Weise die man herkömmlich für so etwas benutzte. Er hatte bereits vor der Gefangenschaft angeordnet, nach dem besten Wissen Schutzzauber, magische Fallen und was man sich sonst noch ausdenken konnte einzubauen um nichts herein oder heraus zu lassen, dass nicht offiziell so gewollt war. Auch gegen Verwandlung hat er höchstpersönlich Vorkehrungen getroffen, auch wenn er wirklich hoffte das Dimeritium würde das für ihn erledigen. Er hatte wirklich keine Ahnung, wie man einen Drachen davon abhielt sich zu verwandeln – es gab die Standartzauber, aber im Großen und Ganzen…ein völlig neues Gebiet!

Er betrat schließlich ohne Umhang und in zumindest mit einem feuchten Tuch gereinigtem Zustand das Zelt, in welchem er das Monster der gestrigen Nacht und die Jungfrau von Aedirn festhielt. Er stellte eine kleine Kiste in den Raum ab, welche er mit sich mitgeschleppt hatte. „Endlich…“, ächzte er leicht genervt als er das Ding abstellte. Es war nicht ganz offensichtlich, ob der Weg bis ins Zelt einfach viel zu anstrengend war mit dem eigentlich nicht schwer aussehenden Holzkasten, oder ob er irgendetwas anderes meinte. Seiner Gefangen würdigte er dabei keines Blickes, jedenfalls noch nicht. Stattdessen öffnete er den Holzkasten, in dem einiges an unsagbaren Gerümpel zu finden war – allen voran sein Notizbuch in welchem er bereits auf einer frischen Seite eine dicke Überschrift gesetzt hatte: Drache. „Ich hoffe, man hat euch mittlerweile etwas zum anziehen gebracht. Ich hatte es jedenfalls angeordnet…“, sprach er sie nun endlich direkt an. Charmant. Kein Hallo, keine Vorstellung. Gar nichts. Mit dem Kopf in der Truhe verschwunden, sprach er weiter. „Ihr könnt euch glücklich schätzen, dass wir euch in den Bergen gefunden haben. Auch wenn es nicht…nun unbedingt so aussieht. Wir haben gemeinsame Freunde, denen ich eure Unversehrtheit zugesagt habe. Allerdings habe ich keinesfalls eingewilligt, an euch keine Forschungen anzustellen. Es…nun, ihr müsst verstehen, dass ihr einfach furchtbar besonders seid.“ Erst jetzt hebt er den Kopf aus der Kiste, stellt sich gerade auf und kommt einen Schritt näher. „Und bei all dem Chaos den ihr gestern angestellt habt, würde ich euch empfehlen, den Umstand das ihr besonders seid strengstens geheim zu halten.“ Auch etwas, wofür er gesorgt hat. Sollte doch niemand hören, was sie hier besprechen würden. „Also…die Jungfrau von Aedirn, Saskia, die Drachentöterin…das sind alles furchtbar untypische Namen für ein fliegendes Monster, findet ihr nicht? Ihr habt sicherlich einen passenderen, da bin ich mir sicher.“ Taktlos wie er nun mal war, konnte man doch eine gewisse Neugier aus seinen Worten hören. Auch wenn eine gewisse Süffisanz mitklang, von der man sich nicht sicher sein konnte ob sie nun aus dem Umstand überleben zu sein resultierte, aus Arroganz oder aus Freude an einem neuen Forschungsobjekt. Jedenfalls war noch kein Foltermeister in Sicht!


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Saskia - 23.10.2021

Sie konnte immer noch nicht entscheiden, was schwerer auf ihrer Seele wog – der Anblick ihrer Stadt, die in Schutt und Trümmern lag oder die Blicke von Genugtuung und Hohn triefenden Blicke der nilfgaardischen Soldaten, an denen man sie vorbei geschoben hatte, wie ein Stück Vieh, das man zur Schlachtbank trieb. Die Rückkehr in die noch warme, schwelende Asche ihrer Heimatstadt, auf deren Mauern sie noch am vorigen Tag Seite an Seite mit Zwergen, Elfen und Menschen gegen die Übermacht gekämpft hatte, war wohl das größte Übel, das man ihr an diesem Tag antun konnte. Von ihrem Vergen war nichts mehr übriggeblieben, das an so etwas wie einen lebenswerten Ort erinnerte. Die Gewissheit, dass sie an der Zerstörung alles andere als unschuldig war, hatte den Anblick noch unerträglicher gemacht. Nur wenigen Leichen, die sie erspähen konnte, hatte sie einen Namen zuordnen können. Zu viele waren ihrem eigenen Feuer oder den nilfgaardischen Zaubern zum Opfer gefallen und somit dermaßen entstellt, als das man auch nur Rückschlüsse auf die Rasse ziehen konnte. Dass unter ihren auch Soldaten der goldenen Sonne waren, machte keinen Unterschied mehr.

Nach dem puren Entsetzen war die Wut gefolgt. Der Schock über den Zustand Vergens hatte den zwei jungen Zauberern genug Zeit verschafft, um sie ohne Widerstand ihrerseits in das Zelt zu führen, in dem entsprechende Vorkehrungen getroffen worden waren, um sie sicher zu verwahren. Während der Zauberer zur ihrer Rechten vor der Tür der Zelle seinen Posten an ihrer Seite verließ, um diese zu öffnen, nutzte Saskia den kurzen Moment der Unachtsamkeit jedoch, um dem Mann zu ihrer Linken ungebremst, nach einem weiten Ausholen mit den zusammengeketteten Armen, eben jene Dimeritriumfesseln unter den Kiefer zu schlagen, den eigenen Schmerzen in den Handgelenken zum Trotz. „Deshalb fesselt man die Hände auf dem Rücken!“, brach es dabei ungehalten aus ihr heraus. Der Ausdruck in ihren Augen sprach deutlich, dass sie keine Nachhilfestunde in der sicheren Feststellung von Gefangenen geben wollte – sondern durchaus nach einem Leben trachtete. Sie setzte seinem taumelnden Ausweichen hinterher und holte gerade zu einem weiteren Hieb aus, als sie ein Zauber des anderen Handlagers jäh in den Rücken traf und sie abrupt in die Knie zwang.

Es hatte eine Weile gebraucht, bis der Schwindel, den der Zauber mit sich gebracht hatte, nachließ und sie wieder klar sehen konnte, nachdem man sie grob unter wüsten Beschimpfungen und Flüchen in die Zelle geschliffen hatte. Mit dem Rücken an das Bett gelehnt, das man ihr gegönnt hatte, hatte sie reglos verharrt, um ihre Sinne wieder zusammen zu sammeln, bis sie sich nun endlich soweit bewegen konnte, um umständlich die Decke von der Matratze zu ziehen und sich darin unbeholfen einzuwickeln. Mit den klaren Gedanken kam die Erkenntnis wieder, dass sie immer noch nackt war und nun auch noch eingesperrt wie ein wildes Tier auf dem buchstäblichen Präsentierteller hockte – schützendes Zelt um sich hin oder her. Die Tatsache, dass sie dem Zauberer den Kiefer gebrochen hatte, befriedigte sie kein Stück. Sie sank ein Stück zusammen, zog die Beine an den Körper und hob ihre schmerzenden Handgelenke unter der Decke hervor in ihr Blickfeld. Ein Paar harmlos aussehende Schellen und ein paar schwere Kettenglieder, mehr hielt sie nicht davon ab, das Lager in Brand zu setzen. Sie schüttelte mit malmendem Kiefer den Kopf. Ein paar verdammte Dimeritiumfesseln…

Erst als der Zauberer in das Zelt trat, wandte sie ihren Blick von ihren Handgelenken ab. Nur langsam drehte sie ihren Kopf in seine Richtung, verengte misstrauisch die blauen Augen, als ihr Augenmerk auf die Holzkiste in seinem Griff fiel. Begleitet von einem leisen Klirren der Kettenglieder ließ bettete sie ihre Hände auf den von der Decke bedeckten Knien, abwartend und doch aufmerksam lauernd. Hatte sie es auf dem Weg nach Vergen tunlichst vermieden, ihren persönlich abkommandierten Wachhund anzusehen, holte sie dies nun nach, ließ ihren Blick unverhohlen offen und direkt über ihn schweifen. Nicht, dass er etwas von ihrem Maßnehmen bemerkte, während er in seiner Kiste kramte und dabei anfing zu reden. Seine Worte veranlassten sie tatsächlich dazu, einen suchenden Blick nach Kleidung durch die Zelle schweifen zu lassen. Ihre Brauen zogen sich skeptisch zusammen – da schien jemand seine Schäfchen nicht gut im Griff zu haben. Sie hätte ihn gern offen darauf hingewiesen, dass er sich auf die Umsetzung seiner Befehle offenbar nicht verlassen konnte, doch er kam ihr mit einem weiteren Redeschwall zuvor, der sie jedoch hellhörig werden ließ. Gemeinsame Freunde und Unversehrtheit? Saskia schwante Böses, während sich ihre Nackenhaare aufstellten und sie sich aus ihrer zusammengekauerten Position ein wenig aufrichtete und nun endlich einen direkten Blick von ihm erwidern konnte. Obwohl seine Worte ohne Frage ihre Neugier und ihr Interesse weckten, traute sie ihm jedoch gleichzeitig keinen Schritt über den Weg – was seine unterschwellige Androhung, sie als Forschungsobjekt zu nutzen, nicht gerade besser machte. Sie schüttelte mit einer stummen Warnung im Blick den Kopf. Wenn ihm sein Leben lieb wäre, würde er daran nicht einmal einen Gedanken verschwenden, auch wenn sie seinem gut gemeinten Rat, ihre eigene Besonderheit geheim zu halten, nun mit einem schwachen, spöttischen Lächeln zustimmte. Schwachkopf. Als ob sie in den letzten Jahren damit hausieren gegangen wäre. Mit jedem Wort, das er aussprach, spürte sie mehr und mehr den Drang, zwischen die Gitterstäbe zu langen und zu testen, wie lange ein Zauberer einer zugedrückten Kehle standhielt. Ihre Fäuste ballten sich, während sie ihren Nacken räkelte, während er ihre Namen aussprach, in einer Art und Weise, die ihren Puls schlagartig in die Höhe schnellen ließ. Sie spürte, wie sich eine kribbelnde Hitze vom Herzen ausgehend unter der Haut ausbreitete, die jedoch jäh in schmerzende Kälte umschlug, als sie den Fesseln nahekam. Ein leises Knurren entfuhr ihr, das eindeutig nicht mehr menschlich klang. Und auch der drohende Blick, den sie nun zu ihm hinauf war von uralter, ursprünglicher Natur. Mit einer fließenden Bewegung richtete sich Saskia nun auf, die Decke unbeachtet auf dem Boden liegen lassend, sogleich die wenigen Schritte bis zu den Gitterstäben in seine Richtung überwindend. „In Eurer Sprache würde mein Name wohl „Die, die keine Kleider trägt“ lauten.“ Sie legte eine bedeutungsschwere Pause ein und hob dann demonstrativ die Handgelenke. „Oder auch: „Die, die keine Ankleidezauber beherrscht“. Unsere Freunde übersetzen Euch dies sicher gern, wenn Ihr sie um Aufklärung ersucht.“ Ihm dürfte nicht entgangen sein, dass sie seinen Tonfall dabei nahezu perfekt imitierte. „Das fliegende Monster macht sich sowieso nichts aus Namen, im Gegensatz zur furchtbar besonderen Saskia.“ Ihre eigenen Worte schmeckten bitter. Sie schnaubte spöttisch, ehe sie mit einem resignierenden Kopfneigen den Blick abwandte.


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Drazan - 23.10.2021

Es war nicht gerade so, als hätte er erwartet jemanden zu finden der sich freiwillig seinen Fragen ausstellte. Auch wenn er einmal mehr Hoffnung in die Menschheit – naja in dem Fall, in die Lebewesen der Welt – hatte, dass sie ihren Kopf einsetzten. Dem war ganz offensichtlich nicht der Fall. Nachdem sie gestern bereits eines seiner Kollegen bewiesen hatte, dass die Jungfrau von Aedirn unbedingt eine Leine brauchte war das ja nicht sonderlich verwunderlich. Nach wie vor war er mit Blut und angesengten Stellen verziert, mit Blut das gleichsam von Nilfgaardern neben denen er stand kam als auch von Truppen der Stadt, die er kaltblütig und ohne wirklichen Grund ermordert hatte. Eine Tätigkeit die er zutiefst verabscheute, jedenfalls aus einem ideologischen Gesichtspunkt heraus. Es war nicht so, als würde ihm das Töten grundsätzlich stören. Er war pragmatisch genug, einzusehen dass es manchmal einfach notwendig war eine Existenz aus dieser Sphäre zu entfernen. Aber für niedere Motive wie dem simplen Gewinn von Territorien? Nein, das war keine Einstellung für ihn. Ein Grund, wieso er Philippa diesen Gefallen tat sich mit Saskia abzufinden. Die Neugier einen Drachen in den Finger zu haben war sicherlich ein Faktor, aber hauptsächlich versprach er sich davon die Verbindungen zu Philippa und ihrer Loge zu festigen. Dafür zu sorgen, dass er gleichgesinnte kannte welche die Dinge genauso sahen wie er. Den großen Plan, irgendwann einmal ohne diese idiotischen Kaiser eine friedvolle Zeit in allem Königreichen auszurufen. Aber bis dahin ist es ein langer Weg in welchem er viele Karten sammeln muss, eine davon ist der Gefallen bei Philippa. Saskia könnte vielleicht auch eine solche Karte werden, jedoch gewiss nicht mit dieser Einstellung.

Er lauschte den Antworten der Jungfrau von Aedirn wenig bewegt. Lediglich als sie aufstand und damit verdeutlichte, dass seinen Anweisungen nicht Folge geleistet wurde umspielte ein kurzer Hauch von Unsicherheit den Zauberer. Wo jeder Mann sie vermutlich angestarrt hätte, vergewisserte er sich nur mit einem flüchtigen Blick einer Sache: Nämlich das ihre menschliche Form offenbar völlig zu funktionieren schien, mit allen Ausprägungen ehe er ihr steif in die Augen starrte. Er stellte sich leicht auf die Zehenspitzen und ließ sich dann auf die Sohlen geräuschvoll herunterklappen. „Schade.“, sagte er dann trocken, „ Ich hatte gehofft, wenigstens ein Drache wäre etwas weiser als der Durchschnitt.“ Ein etwas betrübter Gesichtsausdruck legte sich auf seine Mine. „Ich glaube ich benötige keine Übersetzung für diese…Zustandsbeschreibungen. Nicht das ich jemals eine Übersetzung gebraucht hätte, es ist ja wirklich Faulheit sich auf andere in dieser Beziehung zu lassen. So viel wie dort gerne falsch gemacht wird. 1. Knurrt so viel ihr möchtet, so lange ihr diese schicken Dinge um eure Arme habt wird daraus nichts. 2. Ihr habt insofern einen Vorteil, als das ich zugesichert habe euch nicht über notwendige Maßnahmen hinaus zu verletzen. Diese Notwendigkeit hängt ganz von euch ab, es widerstrebt mir grundsätzlich zu rabiaten Mitteln zu greifen. Aber wenn ihr euch lieber eurem Schicksal erwehren wollt, bitte. Ich werde mich auch ohne euer Zutun mit euch einig. 3. Die Jungfrau von Aedirn sollte nicht nackt in ihrer Zelle stehen. Falls einer der gröberen Persönlichkeiten auftaucht, könntet ihr ungewollte Aufmerksamkeit auf euch ziehen.“ Er lächelte geradezu graziös. „Also überlegt euch, wie ihr die Sache spielen wollt.“ Mit diesen Worten drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand einige Momente.

Er kam nicht zu Fuß wieder, sondern tauchte mit einem lauten Knall aus dem Nichts in ihrer Zelle auf. Eine schlichte Ansammlung von Stoff um den Arm gelegt, der wie ein einfacher Überwurf aussah. Sogar nicht einmal in Nilfgaard Schwarz, war das nicht toll? Er hielt ihr den einfachen Überwurf hin, hatte offenbar absolut keine Angst mit ihr in einer Zelle zu sein. Selbst vor Knurren oder Handgreiflichkeiten schien er sich nicht zu fürchten, war sie doch nur eine Kriegerin und er immer noch ein Magier. Sie sollte ruhig versuchen, ihm zu nahe zu treten. Er hatte zwar Philippa versprochen nett zu sein, doch die Situation rechtfertigte dann gewiss einen rabiateren Schritt. Er war nicht umsonst so lange im Militär, weil er nur einige schöne Leuchteffekte herbeizaubern konnte. „Haben wir uns entschieden, Saskia?“, fragte er dann mit einem banal gelangweilten Tonfall nach als wäre sie irgendeine Form von viel zu jungem Kind, „Es ist schließlich nicht so, als würdet ihr diese Gitterstäbe verlassen können wenn ihr nur trotzig genug seid, nicht wahr?“


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Saskia - 23.10.2021

Saskia rollte jetzt schon mit den Augen und schüttelte leicht den Kopf. Offenbar brachte die magische Begabung von Menschen einen unglaublichen Mitteilungsdrang mit sich – und die Neigung zur Arroganz und Überheblichkeit. Für einen Moment schien sie sich sicher zu sein, den tatsächlichen Grund für die Abneigung des normalen Volks den Zauberern gegenüber gefunden zu haben, während sie der langen Abhandlung ihres Gefängniswärters halbherzig lauschte und sich auf das Bett setzte. In einer anderen, neutraleren Situation hätte sie für seine Abhandlung sicher ein amüsiertes Lächeln übriggehabt. Menschen waren schnell mit ihren Urteilen über die Weisheit oder Dummheit Anderer, vor allem, wenn sie sich dadurch selbst in ein gutes Licht rücken und ihre vermeintliche Überlegenheit verdeutlichen konnten. Sie selbst erkannte bereits jetzt an, dass ihr Gefängniswärter sich alles andere als dumm anstellte und durchaus Fähigkeiten besaß, die den Durchschnitt übertrafen. Er hatte die Schlacht überlebt, sie gefangen genommen – und sie in eine Lage gebracht, in der Saskia unterlegen war, Drache hin oder her. Sein Gehabe jedoch weckte in ihr einen gewissen Trotz, dass sie ihm genau das nicht laut eingestehen würde, ganz unabhängig davon, dass es ihr absolut bewusst war.

Auch wenn sie ihn nicht anblickte, registrierte sie jede seiner Regeln, die er aufstellte. Sie vermutete, dass ihm der spontane Gefühlsausbruch vor der Zelle nicht zu Ohren gekommen war, da die untere Riege seiner Befehlskette ihre eigenen Fehler sicher lieber unter den Teppich kehrte, als mit ausgestrecktem Finger auf die schlecht verwahrte Gefangene petzen zu gehen. Insofern konnte sie seine unterschwelligen Drohungen nicht nachvollziehen – bisher hatte sie sich doch ganz friedlich und kooperativ gezeigt, auch wenn die Fesseln daran einen großen Anteil trugen. Spätestens seit sie in diesen Gittern verweilte, denen sie die auferlegten Zauber zwar nicht ansah, aber zu spüren meinte, hatte sich in ihrem Verstand die Einsicht ausgebreitet, dass jeglicher Aufstand umsonst sein würde. Sie selbst hatte genug Gefangene in die Kerker Vergens gesperrt, um zu wissen, dass es in bestimmten Situationen besser war, sich gut mit dem Feind zu stellen – und da machte es auch keinen Unterschied, dass in ihr eine andere Gestalt ruhte, denn auf diese war man hier vorbreitet. Auch die Tatsache, dass man ihr nicht mit einem Prozess drohte, der über kurz oder lang am Galgen enden würde, beschwichtigte in ihr den Drang, sich vorerst aussichtslos gegen das erteilte Schicksal wehren zu wollen. In dieser Hinsicht fehlte ihr die Weisheit also sicher nicht, insofern hätte sich der Zauberer einen Großteil seiner Ansprache einfach sparen können. Für das erste würde sie abwarten und sie war sich, auch wenn ihre Weisheit nicht unendlich war, auch nach den wenigen Jahren unter Menschen sicher, dass selbst Zauberer irgendwann Fehler begingen und sie daraus ihren Vorteil schlagen würde. Das war der Lauf der Dinge, sie musste nur abwarten. Und wenn jemand Zeit hatte, dann sie. Und dafür, dass sie auch nichts mehr zu verlieren hatte, hatte Nilfgaard selbst gesorgt.

Sie wandte ihren Blick erst wieder zu ihm, als er verstummt war und nun auf dem Absatz kehrt machte. Sie seufzte fast erleichtert, sein Redeschwall hatte das dumpfe Pochen in ihren Schläfen wieder schlimmer gemacht. Da er offenbar kein Interesse an irgendeiner Antwort oder Reaktion auf seine Forderungen erwartete - warum auch, eine Wahl hatte sie ja nicht – wollte sie den einkehrenden Moment der Ruhe nutzen, um sich ins Bett und ihre eigenen Gedanken vergraben, als ein lauter Knall sie jäh aus dieser Absicht riss. Sofort war sie wieder auf den Beinen, hatte sich jeder Muskel in ihrem Körper angespannt – und sofort war da wieder der kalte Schmerz in den Handgelenken, der glücklicherweise nicht auf das Adrenalin, dass ihr Herz durch den Körper pumpte, aber zu ihrem Leidwesen auf die Bestie in ihr ansprang, das sich anmaß, ganz nah unter der Haut zu sitzen. Sie unterdrückte mit einem gequälten Grollen ein schmerzvolles Aufkeuchen und erkannte erst jetzt, aus zusammengekniffenen Augen, dass der Zauberer in ihrer Zelle aufgetaucht war. „Eure Zaubertricks…“, presste sie aus schmalen Lippen hervor, „…beeindrucken mich nicht.“ Dafür war Philippa Eilhart zu lange an ihrer Seite gewesen – und dennoch war diese Aussage zumindest zur Hälfte gelogen, denn auch wenn ihr Verstand sich unbeeindruckt zeigte, sprach ihr Körper doch mehr als eindeutig auf solche effektvollen Auftritte an. Die Gewöhnung an solche Spielchen durch die wohl bekannteste und fähigste Zauberin der Nordlande zeigte jedoch ihre Wirkung: anders, als ihr Instinkt es ihr eigentlich befohlen hätte, stürzte sich Saskia nicht kopflos in eine Konfrontation mit dem Zauberer sondern hielt sich, wenn auch mühsam, zurück. Sie hatte kein Interesse daran, Ziel seiner Zauber zu werden. Zu genau erinnerte sie sich an den Schmerz, den ihr sein Handlanger erst vor Kurzem vor der Zelle verpasst hatte und zu präsent war die Erinnerung an das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein, weil eine Zauberin sich Zugang zu ihrem Kopf verschafft hatte. Es gab nicht viel, dass Saskia wirklich in Furcht versetzte – doch diese Fähigkeit von magisch Begabten, in das Unfassbare einer Person einzudringen, stand auf ihrer kurzen Liste ganz weit oben. Zwischen zwei Lidschlägen erkannte man diese Angst sogar in ihren blauen Augen.

Diese Erinnerung fachte nicht nur den klaren Verstand weiter an, alles zu tun, um keinen Anlass für solche Mittel zu geben, er weckte gleichwohl den gefühlgesteuerten Widerstand, lieber tot als manipuliert zu sein. Während ihr Kopf das Bild einer folgsamen Saskia malte, schrie ihr Herz danach, dem Zauberer den Kopf abzureißen, ganz unabhängig davon, ob er solche Absichten hatte, oder nicht. „Haben wir uns entschieden, Saskia?“ Nein, in ihr tobte spontan ein Krieg. Seine folgenden Worte hörte sie nur noch dumpf, überlagert vom Rauschen des Blutes in ihren Ohren, während ihr Sichtfeld für einen Moment verschwamm, ihr Herz für einen Schlag aussetzte um dann heftig gegen den Brustkorb zu schlagen, als würde es sich seinen Weg aus den Rippen bahnen wollen. Sie hielt die Luft an. Doch je mehr der Zauber, der ihr innewohnte, gegen die Fesseln kämpfe, desto größer wurden die Nebenwirkungen des Dimeritiums. Diesmal war es nicht nur der Schmerz, der sie wieder auf die Boden der Tatsachen zurückholte, sondern auch eine heftige Übelkeit, die sie überkam. Mit fest zusammengepressten Kiefern entwich nun endlich die Luft aus ihren Lungen, krümmte sich ihr Rückgrat zusammen, als Reaktion gegen das Gefühl, gevierteilt zu werden. Dann war der kurze, stumme Kampf, den sie mit sich führte, vorbei, hatte der Verstand für’s Erste gesiegt – oder eher der Schmerz. Bevor ihre weich gewordenen Knie gänzlich nachgaben, ließ sie sich zurück auf das Bett fallen, hob nach einem kurzen innehalten und durchatmen jedoch die gefesselten und nun deutlich zitternden Hände in Richtung des Stoffes, den man ihr immer noch entgegenhielt. „Euer Spiel, Eure Regeln.“, stimmte sie dann nüchtern zu und schwor sich, ihn bei der erstbesten Gelegenheit selbst in Dimeritium zu schlagen. Noch bevor der Stoff ihre Finger berühren konnte, sackten ihre Hände zurück in den Schoß, konnten ihre Arme das eigene Gewicht nicht mehr halten, forderten die letzten Ereignisse nun endgültig ihren Tribut. Sie senkte den Kopf, während sich in jeder Faser ihres Körpers Erschöpfung ausbreitete.


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Drazan - 23.10.2021

Trotz dessen das er ganz klar absteckte, was genau die Abfolge war wie diese Gefangenschaft laufen würde hoffte er insgeheim immer noch darauf, dass ‚Saskia‘ ein wenig ihr Hirn zu benutzen wusste. Es war natürlich alles etwas schwierig, gewiss, allerdings hatte sie keine Ahnung wie es in richtigen Kriegsgefangenenlagern in Nilfgaard ablief. Dort war foltern das Abendbrot, das Frühstück und die Mittagbeschäftigung wenn man einigermaßen verdächtigt wurde, etwas wertvolles zu wissen. Ansonsten hieß es mit diversen Leuten zusammengepfercht hinter Gittern zu sitzen und froh sein zu können, wenn man die Beine auch nur ein wenig ausstrecken konnte. Wobei fraglich wäre, ob sie selbst in ein solches Lager gekommen wäre. Es gibt da immer noch die Gefängnisse für höher gestellte Geiseln, jenseits der Front. Dort bekam man immerhin eine Einzelzelle, meist aber auch eine ganz besondere Behandlung und wenn man dann immer noch etwas wert war, kam man eben in die Hauptstadt. In die Fänge des Geheimdienstes und des Kaisers, die überlegten wie man die neugewonnene Ressource am besten einzusetzen hatte. Dagegen war das hier ein Urlaub in Toussaint. Er war sich allerdings nicht sicher, ob ihr das so bewusst war. Drazan hatte auch recht wenig Interesse, unbedingt Kapital aus ihrer Notlage zu schlagen. Jedenfalls nicht auf die direkte Art. Er würde etwas wissen für seine Enzyklopädie abgreifen, vielleicht herausfinden warum Philippa so interessiert in sie war – wobei das ja eigentlich offensichtlich ist – und dann, tja, dann wäre das Schlimmste auch schon erledigt. Es ist ja gerade so, als wäre das sonderlich dramatisch. Vielleicht haben Drachen ja auch nur grundsätzlich in Dramatik studiert.

Er lächelte sachte, bei ihrer Bemerkung dass sie Zauberei nicht beeindrucken würde. „Ich kann euch versichern, ich habe noch nie gezaubert um jemanden zu beeindrucken. Das werde ich mir hier nicht anfangen, wobei die Leute die zunächst anmerken müssen, etwas würde keinen Eindruck bei ihnen hinterlassen ja doch meistens etwas davon berührt wurden.“ Er hatte absolut keine Ahnung, was Philippa mit ihr gemacht oder nicht gemacht hätte, weswegen er ihre Reaktion nicht ganz zuzuordnen wusste. Kriegstrauma? Aggressionen? Der verzweifelte Versuch sich zu wehren? Er würde es sicherlich bald herausfinden. Jedenfalls beobachtete er gespannt, wie die Jungfrau von Aedirn offenbar mit sich zu ringen hatte. Dabei war ihm plötzlich völlig egal, wo genau er dazu hinschauen musste. Auf den pochenden Brustkorb, die krampfenden Muskeln. Es war einfach furchtbar faszinierend, dass er darüber sogar die Gefahr vergaß die Dimeritium Fesseln würden nicht ausreichen. Er hatte noch nie einen Drachen gezähmt und das Metall hatte er gewählt weil es gegen Magie so etwas wie die Allzweckwunderwaffe war, allerdings ist es fraglich inwieweit Saskia nun magisch oder natürlich ihre Gestalt ändern kann. Selbst hatte er noch nicht das Vergnügen, damit in Kontakt zu kommen. Nach den Beschreibungen aus diversen Büchern und dem was er vor sich sah, war das wohl durchaus auch eine Sache auf die er in Zukunft verzichten konnte. Es soll ja für Magier besonders unangenehm sein – vermutlich hatte der Autor dabei keine Ahnung, dass auch Drachen davon beeinflusst werden konnte.

Sie stimmte seinen Worten zu, immerhin. Ein Hauch eines Lächelns umspielte seine Lippen, allerdings wurde der Umstand doch sehr davon beeinflusst dass sie offenbar nicht ganz bei Sinnen war. Der Versuch ihr endlich irgendetwas über die Haut zu legen, war einmal mehr gescheitert. Was die Menschen manchmal gegen Kleidung hatten, er hatte keine Ahnung. Saskia sackte unter seiner kritischen Beobachtung etwas zusammen, er seufzte leicht. „Dimeritium in Kombination mit schweren Verletzungen ist grundsätzlich eine üble Kombination.“, stellte er dann trocken fest, „Könnte ich ausschließen, dass ihr euch in ein feuerspeiendes Ungetüm verwandelt würde ich äußerst gerne darauf verzichten. Für den Moment ist es jedoch unerlässlich, es ist einfach eine zu ungewisse Konstante. Nicht nur hätte ich mich zu rechtfertigen, wie mir so ein Umstand nicht geläufig sein konnte sondern gleichsam wäret ihr spontan zum Opfer einer nilfgaardischen Großjagd. Nein, das müssen wir vermeiden.“ Er nickte grübelnd und leckte den Überwurf schließlich resignierend auf einen Tisch in der Zelle ab. „Ich hatte glücklicherweise nie das Vergnügen.“, sagte er dann etwas versöhnliche Töne anschlagend, „Allerdings beschreiben es verschiedene Magier als furchtbare Erfahrung. Ich kann mir daher durchaus denken, es ist nicht gerade leicht zu ertragen. Ich wundere mich tatsächlich, dass es überhaupt funktioniert. Offenbar mehr schlecht als recht, aber immerhin.“ Er ließ sich äußerst gelassen auf einen Stuhl in ihrer Zelle nieder, als wäre es völlig normal mit seiner Gefangenen in einer Zelle herumzulungern. „Unser gemeinsames Ziel ist es, wie gesagt, dass wir beide möglichst ohne Schäden jeglicher Art aus dieser Sache herauskommen. Es liegt nicht unbedingt an einer Vereinbarung, die ich mit unserem gemeinsamen Freund getroffen habe, sondern auch an der Tatsache dass ich zwar durchaus gerne die Toten studiere, allerdings…gilt das eher für Wesen, deren natürlicher Zustand das Unleben ist. Ich glaube Drachen zählen nicht zu den Untoten. Wobei, man weiß ja so wenig über sie, da wäre das durchaus nicht auszuschließen, nicht wahr? Es ist generell eine Offenbarung, dass sie in menschlicher Form herumlaufen. Bisher wurde das in Enzyklopädien eher gerüchteweise festgehalten, von den Hexern hört man dazu sowieso nichts. Oftmals liegt ja ein Moralkompass schwerer als der Forschungsdrang.“ Er seufzte leicht, überschlug die Beine und schaute zu Saskia herab. „Aber offensichtlich seid ihr in keinem Zustand für solche Gespräche…bei Menschen würde ich euch irgendetwas geben, das euch wieder auf die Beine bringt. Aber ihr würdet es vermutlich ohnehin nicht annehmen und die Wirkung…es ist wie gesagt ein unerforschtes Gebiet, Drachen.“


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Saskia - 23.10.2021

Saskia hätte ihm gern irgendwie deutlich gemacht, dass sie keinerlei Interesse hatte, sich weiter mit ihm auseinanderzusetzen. Sie wollte ihn nicht hören, nicht sehen und einfach nur einen Moment Ruhe – doch nicht einmal für einen Handwink, der ihm Schweigen bedeuten sollte, reichte ihre Kraft. Ein kurzes Zucken der Armmuskeln, mehr konnte sie nicht aufbringen. So stieß sie ein flaches Seufzen aus, blickte ihn aus halbgeschlossenen Lidern an, den Kopf leicht in den Nacken gelegt. Ihr nicht zu trauen und ihr die Fesseln nicht abzunehmen war eine für ihn lebenswichtige und folgerichtige Entscheidung, sie deutete ein schwaches Kopfnicken an. Auch wenn der wehrhafte Teil ihres Ichs gerade zusammengerollt in einer Ecke lag und sich die Wunden leckte – einen Drachen machte man mit ein paar Pfeilen im Körper und mit Belagerung von Angriffszaubern nicht schwächer, sondern wütender. Doch ihr menschlicher Körper war eindeutig an ihre Grenzen gekommen, aller überdurchschnittlichen Leidensfähigkeit zum Trotz. Umso mehr sehnte sich Saskia nach einer Stunde Schlaf, doch nicht einmal das schien man ihr zu gönnen. Sie benetzte langsam die trockenen Lippen mit der Zungenspitze. Seine halbgaren Mitleidsbekundungen über ihren Zustand entlockten ihr ein kurzes, spöttisches Lächeln, das jedoch kaum mehr als ein Zucken der Mundwinkel wurde. In Gedanken versprach sie ihm, dafür zu sorgen, irgendwann in den Genuss des Dimeritiums zu kommen und dann würde sie sich sehr gern mit ihm über diese grenzwertige Erfahrung unterhalten.

Seiner folgenden Abhandlung über die Lebendigkeit von Drachen konnte Saskia nur noch schwer folgen und der kurze Verdacht, einem Geisteskranken gegenüber zu sitzen machte sich in ihr breit. Sie wollte gerade Luftholen, um ihm ins Wort zu fallen und ihn darüber aufzuklären, dass seine Enzyklopädien offenbar nicht mehr wert waren als besseres Brennholz und offenbar einen ähnlich aufschlussreichen Inhalt hatten wie ein Span Birkenholz, brach dann jedoch ab und hob mühevoll die Hände, um sich die Augen zu reiben, die Ellenbogen dabei auf den Oberschenkeln abstützend. Eine wunderbar menschliche, erlernte Übersprungshandlung, ein stummes Bekenntnis, nicht so recht weiter zu wissen und der ausgelieferten Situation ziemlich überdrüssig zu sein. Sie verharrte mit dem Gesicht in den Händen einen Moment, ehe sie, den Kopf nun auf den Handflächen ruhend, wieder die Augen aufschlug, zweimal blinzelte und die Stille, die sich zwischen ihnen nun endlich ausgebreitet hatte, einen Moment wirken zu lassen. So war seine Anwesenheit tatsächlich irgendwie erträglich.

„Ich werde auch ohne Tränke und Tinkturen lebendig bleiben, keine Sorge. Gebt mir etwas Zeit und Ruhe und morgen bin ich schon wieder ganz die Alte. Lebendig, wie ein Drache nur sein kann.“ Schwang in ihrem letzten Satz so etwas wie eine Drohung mit? Sie kratzte sich beiläufig etwas getrocknetes Blut von der Wange. „Ich bin erstaunt über euren Mut. Und über die Leichtfertigkeit, mit denen ihr Verträge mit Euren „Freunden“ zu schließen scheint.“ Ein müdes Lächeln zuckte über ihre Lippen, für einen Moment dachte sie an all die Verträge, die sie in ihrem Leben schon geschlossen hatte, deren Vorbereitung oftmals länger angedauert hatten, als sie eingehalten wurden. „Es gibt gute Gründe dafür, warum eure Bücher offenbar große Lücken in den Kapiteln zu meiner Rasse aufweisen.“ Ihre Stimme blieb erstaunlich ruhig, fast schon gelangweilt blickte sie ihrem Gegenüber unverhohlen dabei in die Augen. „Versteht mich nicht falsch.“ Sie richtete sich etwas auf. „Vielleicht sollte ich mich dankbar dafür zeigen, dass jemandem etwas an meiner Unversehrtheit liegt.“ Sie blickte sich demonstrativ abschätzend in ihrer Zelle um. „Ich nehme dennoch an, dass diese Vereinbarung, die Ihr getroffen habt, nur für Einen von uns Beiden gut ausgehen wird.“ Sie legte eine kurze Pause ein, ehe sie leicht die Schultern anhob. „Und ich verliere nur ungern direkt zwei Mal hintereinander. Und daran ändert auch kein vermeintlicher gemeinsamer Freund etwas und auch keine gute Absicht, kein gemeinsames Ziel.“ So vermessen und arrogant, sich einzubilden, sie würde einfach Kleinbeigeben und sich wie ein dressierter Hund zur Verfügung stellen, nur um später irgendwo anders in Nilfgaard eingesperrt zu werden, konnte der Zauberer gar nicht sein. Momentan gab es kein alternatives und gutes Ende: früher oder später würde einer der Beiden einen Fehler begehen. Sie hatte dem Spiel, das gerade zwischen Ihnen begann, gerade die erste Regel verpasst: wer zuerst starb, hatte verloren. Und so ideen- und trickreich seine Zaubersprüche sein mochten – einen Drachen musste man erst einmal überleben. Dimeritiumketten hin oder her, Saskia war sich ziemlich sicher, dass auch diese irgendwann nachgeben würden. Einen Drachen im Todeskampf hielt wahrscheinlich kein Zauber der Welt auf, egal, in welchem Metall er gebunden war. „Eine Frage.“ Sie faltete die Hände ineinander. „Wie viele Gefangene außer mir habt ihr gemacht?“ Sie ahnte den groben Inhalt seiner Antwort, hatte die Frage vielleicht gerade gestellt, um ihm noch einmal vor Augen zu führen, unter welchen Umständen er da gerade Kooperation ihrerseits verlangte.


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Drazan - 23.10.2021

Es war schon immer schwer gewesen für die Welt der Normalen, wie es so schön hieß, Zauberer zu verstehen. Je näher man in die Kreise der Zauberei rückt, desto klarer wurden einem die Dinge irgendwann. Hexer hatten, je nachdem wie sehr sie sich dafür interessierten, teilweise eine recht ausgeprägte Vorstellung darüber was Zauberer tun können und was sie lassen, und warum sie jeweils so agieren. Vermutlich einer der Gründe wieso sie meistens die Finger von ihnen lassen. Saskia hingegen hatte absolut keine Ahnung, wie Zauberer agierten wie es ihm schien. Oder nur eine sehr beschränkte Sicht darauf. Er würde mit einem Drachen keinen Wettbewerb anfangen, wer am weitesten Spucken kann. Es ging hier um Nutzen, um Wissen und für ihn um Neugier. Er hatte Philippa zugesagt, Saskia gefangen zu nehmen und unversehrt zu belassen, ganz einfach weil er auf einen Gefallen angewiesen war und Drachen ihn grundsätzlich interessierten. Es interessierte ihn nicht, was Saskia meint aus dieser Situation zu interpretieren. Letztendlich, das muss man mal so trocken sagen, hatte sie die Karten aus der Hand gegeben als sie sich als gigantisches Monstrum über dem Schlachtfeld gezeigt hatte. Er zuckte daher bei ihren Worten nur legere mit den Schultern.

Danach lachte er leicht. „Es mag euch vielleicht überraschen…“, sagte er dann trocken, „allerdings bezieht sich euer Wissen über Vereinbarungen darauf, dass ihr Teil einer Vereinbarung seid. Am gleichen Tisch sitzt und irgendwelche Karten in der Hand habt, die ihr spielen könnt. Damit ihr euch einigermaßen in meine Situation hineinversetzen könnt – und vielleicht eure besser versteht – das Spiel das wir spielen hat keinen Gewinn und keinen Verlust. Für mich nicht, für unseren Freund nicht. Es ist mehr ein…sagen wir mal gemeinsames Interesse was zu eurer Gefangennahme geführt hat. Hätte ich euch nicht aus dieser Schlucht ziehen können, bevor ein Trupp überehrgeiziger nilfgaardischer Truppen auf der Suche nach einem Drachen dort einmarschiert wären, hättet ihr eure einzige Karte schon recht früh in diesem Spiel verloren. Euer Leben. Glücklicherweise haltet ihr sie immer noch in der Hand und ich würde euch sehr empfehlen, das auch weiterhin zu tun. Wenn ihr Morgen bei Kräften seid und auf die Idee kommt, da weiter zu machen wo ihr vor einigen Stunden aufgehört habt mögt ihr vielleicht das nilfgaardische Lager zugrunde brennen. Vielleicht. Damit hättet ihr einen Vorstoß einer kleinen Heeresgruppe gestoppt, auch schön. Danach wärt ihr allerdings das gesuchteste Objekt im ganzen Norden, denn wie viele Hexer würden tanzen wenn Emhyr eine Belohnung auf euren Kopf aussetzt? Eine kaiserliche Belohnung? Und glaubt nicht, ich wäre dämlich genug euch zu bekämpfen. Ich würde sehen, dass ich verpuffe und dem Kaiser alles notwendige erzähle was ich über euch weiß. Dann habt ihr etwas Zeit gewonnen, aber wieder eure Karte verloren. Nächstes Szenario. Ihr bleibt einfach in dieser Zelle, als wichtige Kriegsgefangene eines Magiers über dem nicht sonderlich viele Kontrollinstitutionen schauen, dem also niemand auf die Finger sieht. Ihr bleibt hier, bis dieser Krieg vorbei ist, bis wir euch irgendwann unversehrt aus dieser Situation bekommen, unser Freund und ich und seht her, ihr behaltet eure Karte trotzdem in der Hand und müsst nicht mal spielen. Aktuell weiß noch niemand, was ihr seid und ich plane wie gesagt es so zu belassen. Falls ihr euch nun fragt, welche Karte ich auf der Hand halte. Gar keine. Ich fand es lediglich spannend, euch nicht alleine hinter diesen Gitterstäben versauern zu lassen. Aber wir können es auch gerne dabei belassen. Im Endeffekt liegt es also an euch, könnt ihr akzeptieren dass ihr nun in dieser Situation seid oder wollt ihr die ewige Rebellin spielen – eure Entscheidung. Entweder das hier wird sehr einfach oder sehr schwer.“

Bei ihrer Nachfrage hob er dann eine Braue und zuckte kurzerhand mit den Schultern. „Ich habe nicht gezählt.“, sagte er dann trocken und wahrheitsgemäß, „Einige Offiziere gewiss, der ein oder andere versprengte Adelige vielleicht. Was die einfachen Soldaten angeht…habe ich wirklich keine Ahnung.“ Es interessierte ihn auch wirklich nicht. Die Gefangenen die er hatte haben wollen, hatte er gemacht. Man möge ihm mangelnde Empathie vorwerfen, aber er hat schon genug Schlachtfelder gesehen um nicht mehr jedem Leben eine Träne nachzuweinen. Allerdings vermutete er, dass die Stimmung der Soldaten recht erzürn war, dank des ganzen Feuers. In der Regel gab es mehr Gefangene, lief die Schlacht einigermaßen geordnet ab wie man es in der nilfgaardischen Feldherrenschule gelernt hatte. Je mehr passierte, das außergewöhnlich war, je mehr Schwarze fielen, desto schlimmer war auch die Blutrache an den Gefangenen. Er vermutete dank des Feuers, dass die Rache doch nicht gerade milde ausgefallen war. Kein Brenna oder Sodden, aber bei so einem kleinen Feldzug so viele Probleme…das gab Frust. Das würde er ihr allerdings nicht zusätzlich auftischen, er vermutete sie hatte genug zu Kämpfen mit der Tatsache nicht mehr als ein Spielball zu sein derzeit. Die Erkenntnis fehlend, wer ihn anstößt und wer ihn in die richtige Richtung lenkt. Das sie ihm die Frage aus ganz anderen Gründen gestellt hatte, ging an ihm etwas vorbei. Es dauerte einige Momente, bis er sich mit dem Unterton dieser Frage beschäftigte. Allerdings ließ er es unbeantwortet, würde ihr die Wahrheit zu sagen schließlich keinen Nutzen bringen außer vielleicht, das sie zu einem noch labileren Klumpen wurde.


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Saskia - 23.10.2021

Während Saskia seinen Worten lauschte – diesmal fast schon interessiert – lehnte sie sich ein wenig zurück. Es verwunderte sie fast ein wenig, dass er der Meinung war, sie wäre als Drache wirklich von so besonderer Wichtigkeit für Nilfgaard und die Nordlande. Eine Augenbraue hob sich langsam, skeptisch. Sowohl Radovid als auch Emhyr hatten ihrer Meinung nach momentan doch eindeutig besseres zu tun, als sich um einen Drachen zu kümmern, über den nun nicht erst seit gestern Geschichten gewoben wurden. Die Erwähnung der Hexer entlockte ihr ein kurzes Schnauben, zu gern hätte ihm jetzt unter die Nase gerieben, dass sie es nur einem Hexer zutraute, ihr gefährlich zu werden und ausgerechnet diesen hätte sie durchaus als Freund bezeichnet. Die anderen Hexer, sofern es sie wirklich noch geben sollte, hatten an ihr kein Interesse gehabt und sie war sich sicher, dass kaum einer von ihnen lebensmüde genug wäre, um sich mit ihr anzulegen – sofern sie überhaupt bereit waren, ihren Kodex des Geldes wegen zu brechen, denn glücklicherweise empfanden die Mutanten ihre Rasse offenbar als besonders schützenswert, zumindest seit einiger Zeit. Die allgemeine Einschätzung der Lage der Beiden unterschied sich offenbar immens, doch in einem Punkt musste sie dem Zauberer zustimmen: sie hatte keine wirkliche Wahl. Denn das Lager in Flammen aufgehen zu lassen war ein verlockender Gedanke, würde ihr vielleicht ein wenig Genugtuung bringen, aber keinen Sieg. Mit der Entscheidung, die Niedermark zum freien Staat auszurufen hatte sie sich einen Großteil der Nordlande zum Feind gemacht und die Zeit, Bündnisse zu schließen, war ihr bis zum Einmarsch Nilfgaards nicht gegeben gewesen, sodass sie nun mehr oder minder allein an verlorener Front saß. Selbst wenn sie hätte fliehen können, hätte es keinen Ort gegeben, an dem sie einkehren und um Hilfe bitten konnte. Sicher wäre die aktuelle Kriegslage hilfreich gewesen, um einfach ungesehen unterzutauchen, denn in vielen Ländern war ihr Gesicht unbekannt und natürlich wäre sie nicht einfach nach Poviss geflogen, dort auf dem Marktplatz gelandet und hätte vor aller Augen schließlich nackt um Asyl gebeten. Sie hätte in die Berge fliehen und ein wenig oder ein wenig mehr Zeit abwarten können, ehe sie zu den Menschen zurückkehrte. Wenn… ja, wenn sie stattdessen nicht gefesselt in dieser Zelle sitzen würde. Sie traute ihm dennoch nicht. Mochte er ihr Sicherheit versprechen, wie er wollte – damit köderte er sie nicht. Sie ahnte, dass sie auch nach Kriegsende weiter Dimeritiumfesseln an ihren Handgelenken schmoren würden, denn wer auch immer dieser geheimnisvolle Freund war, würde sie kaum mit einer herzlichen Umarmung in Empfang nehmen und gehen lassen, wenn er sie vorher in diese Situation brachte.

Ihr Blick war nachdenklich ins Leere gerückt und hob sich erst wieder zum Zauberer, als er aufgehört hatte, zu reden. Sie blieb ihm jedoch eine Entscheidung schuldig, auch wenn sie für’s Erste keine Anstalten machte, sich weiter aussichtslos zur Wehr zu setzen. Das leichte Neigen des Kopfes zur Seite hätte durchaus als wiederwillige Zustimmung gewertet werden können. Seine Antwort auf ihre Frage nach den Gefangenen hatte für einen kurzen Moment etwas wie Bedauern und Sorge in ihre Augen fahren lassen – die dann einer gewissen Ratlosigkeit wich. Sie hatte keine Ahnung, wie man als Verlierer einer Schlacht auf so eine Tatsache reagieren zu hatte. „Ich will die Namen.“, entfuhr es ihr ohne weiteres Nachdenken und die feste Stimme ließ vermuten, dass dies keine einfache Bitte war. Sie ahnte bitter, keinerlei Einfluss mehr auf den weiteren Lauf der Dinge für ihre Truppen zu haben, und dennoch konnte sie ihr Verantwortungsbewusstsein nicht spontan über den Haufen werfen. „Ich will alle Namen der Überlebenden in der Stadt.“ Eine plötzliche Angst durchfuhr sie, ebenso wie das schlechte Gewissen bisher keinen Gedanken an den Verbleib ihrer Freunde verschwendet zu haben. Sie wagte erst gar nicht, danach zu fragen, was mit ihnen passieren würde – sie wollte gar nicht darüber nachdenken und tat es dennoch, sehr zur Freude ihrer inneren Bestie. Angestachelt vom reinen Gedanken an die Männer und Frauen, die nun den Truppen Nilfgaards ausgeliefert waren, spürte Saskia innerhalb zweier Herzschläge wieder die Hitze in sich aufsteigen. Ruckartig war sie wieder aufgestanden und hatte einen Schritt auf den Zauberer zu gemacht. Sie schnappte nach Luft, versuchte noch ihre Vernunft walten zu lassen, die jedoch im nächsten Augenblick vollends von einem der tiefsten Urinstinke, die ihre Natur mit sich brachte, überlagerte wurde: Schätze zu Horten und diese zu beschützen. Und die Schätze von Saesenthessis waren nie aus Gold oder Edelsteinen gewesen, sondern waren fleischlicher Natur. Sie lagen nicht in Höhlen verborgen, sondern lebten in der Niedermark - ihrer Niedermark. Und auf einmal war da nichts mehr Menschliches in ihrem Blick, ließ ein beherzter Ruck der Handgelenke eins der Kettenglieder der Fesseln bedrohlich seine unsprüngliche Form verlieren. Der Zauber des Dimeritiums wirkte weiterhin, doch diesmal stachelte er ihre Wut nur noch an. Jeder, der bereits einmal Zeuge ihrer Verwandlung geworden war, hätte spätestens jetzt, als sich ein warmer, goldener Schein unter ihrer Haut ausbreitete, die Beine in die Hand genommen. „IHRE NAMEN!“ Der Ruf aus ihrer Kehle ähnelte ihrer menschlichen Stimme nun nicht mehr im Geringsten.


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Drazan - 23.10.2021

Seit dem er zum ersten Mal in Sodden gestanden hatte und sich verzweifelt den Zauberern seiner Kollegen erwehrte, als er da stand, wie um ihn herum alles starb wie die Fliegen und er nur mit Mühe dem ein oder anderen eine Chance hatte erkämpfen können, die häufig zu klein war um etwas zu bewegen, ja seit diesem Tag war er sich einer Sache bewusst. Nämlich die, dass alle Menschen den Fehler begannen sich zu sehr von Emotionen lenken zu lassen. Die angeblich so kalte Art der Magier war dabei doch eigentlich ein Segen. Kein Magier würde sich dazu hinreißen lassen, mehr als das nötigste für seine Ziele zu tun – sich dazu hinreißen zu lassen, eine Chance sein Leben zu bewahren mit Füßen zu treten. Sinnlose Aggressionen waren ebenfalls kaum vorhanden, insbesondere nun drei Kriege gegen den Norden die alle mehr oder minder gleich liefen. Die Yaruga überstreiten und dann früher oder später im Gebiet des Pontars zu scheitern. Ihm ging es einfach unglaublich auf die Nerven, ständig diese emotionalen Schwachköpfe vor sich zu haben denen man noch so viele Chancen hinwerfen konnte, die sie am Ende sowieso nicht ergriffen. Saskia gehörte zum gleichen Schlag Menschen, die selben wie Foltest von Temerien, die selben wie Emhyr oder Radovid. Schwachköpfe, die ihre Empfinden über das Leben vieler stellten. Was passierte denn, wenn Saskia ihre Kontrolle verlor? Dachte sie wirklich, sie würde mit ihrem inneren Drachen irgendwelche besseren Umstände für ihre Bevölkerung erreichen? Würde es nicht eher noch mehr Rache der Nilfgaarder an der Niedermark geben, sollte herauskommen das ausgerechnet sie so viele Soldaten auf dem Schlachtfeld verbrannt hatte? Ach, was nützte es ihm, sich noch länger Gedanken darüber zu machen wie er Saskia endlich begreiflich machen konnte, in welch glücklicher Situation sie sich befand. Es nützte ihm nichts. Die Logik gebot es ihm, endlich einen Schlussstrich unter diese Konversation zu ziehen.

Diesmal schwieg er, beobachte genau wie sich Saskia in ihre Forderung hereinsteigerte. Es war eigentlich verwunderlich, dass die immer noch nackte Jungfrau von Aedirn in ihm keinerlei Regungen weckte außer zunehmende Wut über ihrem Nervenkorsett. Jedem anderen wäre der Anblick vermutlich äußerst lieb gewesen, für ihn war es nur ein weiteres Zeichen der unzivilisierten Dummheit, die aktuell vorherrschte. Dementsprechend war auch sein Blick auf ihre nun doch deutlich lautere und unmenschlich vorgetragene Forderung. Er zuckte nicht, er zeigte keine Angst. Er schaute auf sie herab, trotz dessen, dass sie ein Drache war und ihn vermutlich in Minuten einäschern konnte. Er blickte auf sie herab, weil sie sich unendlich dumm anstellte und das ließ er ihr mit jeder Faser seiner Mimik verdeutlichen. Vermutlich nicht die gerade beruhigteste Geste auf einen sich immer mehr vordrängelnden Drachen in Saskia. Dabei war es so unendlich hirnrissig, wenige Stunden nach einer Schlacht die Namen der Gefangenen einzufordern. Als hätte sich jemand wirklich die Mühe gemacht, Gefangene einer Namensliste zu unterziehen während in diesem Moment vermutlich immer noch hunderte von Soldaten mit dem Leben rangen. Er presste die Lippen stur zusammen, machte nun seinerseits einen Schritt auf sie zu.

Er war eigentlich ein Feind von Gewalt, insbesondere gegen Menschen die sich nicht wehren konnten. Allerdings ließ ihm Saskia keine andere Wahl und es war deutlich rationaler mit etwas Energie eine Katastrophe zu verhindern, als mit viel Energie sich einem Umstand zu erwehren nur weil es ehrenvoller war. Er konzentrierte sich, streckte stumpf die Hand hervor. Ein helles, weißes Schimmern ging von seiner Hand aus. Ganz im Gegenteil zu ihrem goldenen und wenn sie noch ungefähr den Zauberer ihres Kollegen im Kopf hatte, war ihr ungefähr bewusst was sie nun erwartete. Es dauerte nur wenige Momente, ehe sich grelle Blitze wie Finger nach Saskia austreckten, unter ihre Haut fuhren und dort nur einen brennenden Schmerz hinterließen. Er wusste wie weit er gehen musste, um jemanden lediglich vom Bewusstsein und nicht vom Leben zu trennen. Da Saskia zusätzlich noch ein Drache war, war der Zauber durchaus stärker als eigentlich nötig. Nachdem das Leuchtspektakel in dem Käfig vorbei war, fügte er lediglich trocken an: „Zum Thema Namen: Saskia die Dumme würde wesentlich besser passen, als die Nackte.“ Witzig eigentlich, wie man sich wegen Namen so streiten konnte. Nur wollte er ihren Namen und sie gänzlich andere. Er zuckte schließlich mit den Schultern, als er die Blonde zu Boden gingen sah. Nachdem er sich sicher war, das die Sache sich erledigt hatte, schleppte er die gefesselte freundlich wie er nun einmal war zurück zu ihrem Schlafplatz in der Zelle, wo er sie zumindest mit der Decke bedeckte. Anschließend verlies er die Zelle. Er würde gewiss später noch einmal nach ihr sehen. Zwar hatte er sich durchaus darauf gefreut, die kurze freie Zeit zu nutzen um etwas mehr über Drachen zu erfahren, aber nun gut. Das Wut offenbar ihre Verwandlung in Gang setzte, war auch interessant. Jetzt musste er erst einmal seinen Pflichten nachkommen, sollte es genug Zeit sein für gewisse Blonde etwas ihren Kopf frei zu bekommen. Außerdem gab es hier ja noch einen ganz interessanten Fluch, vielleicht fand er noch einige Spuren davon…


RE: Dragonslayer & Dragonexplorer - Saskia - 23.10.2021

Sie spürte, wie sie die Kontrolle verlor. Als ob sie sich selbst, zwei Meter neben sich stehend, betrachten konnte – ohne eingreifen zu können. Das bisschen Mensch, das in diesen Augenblicken noch denken konnte, hatte keinen Einfluss mehr auf das, was gerade geschah. Dieser kleine Teil hätte eigentlich spätestens jetzt dafür Sorge tragen müssen, die Hände in einer entschuldigenden Geste zu heben um dem jetzt Unausweichlichem zu entgehen, hätte seiner Drohung, seine Fähigkeiten zur Not tatsächlich auch einzusetzen, eindeutig mehr Beachtung schätzen sollen. Doch mochte Saskia in ihrer Rolle als Königin in Vergen den Ruf gehabt haben, eine besonnene und ausgeglichene Herrscherin zu sein – es entsprach nicht ihrer Natur und hatte sie Mühe gekostet, jeden Tag. Nur wenige, enge Vertraute wussten um Saskias Launenhaftigkeit und hatten oftmals in böser Erwartung die Luft angehalten und die Köpfe eingezogen, wenn in Vergen etwas nicht so lief, wie sie es sich vorstellte. Nur selten hatte ihre Selbstbeherrschung gebröckelt, doch in diesem Moment hätte Saskia nicht einmal mehr verstanden, was dieses Wort bedeuten sollte und nichts wäre ihr ferner gewesen, als sich irgendwie zu beherrschen zu wollen. Und daran änderte auch diese leise, warnende Stimme in ihrem Hinterkopf nicht mehr, die sich irgendwo zwischen dem Rauschen des Blutes in den Ohren und dem eigenen, lauten Herzschlag meldete. Den Schmerz, den der Zauber nun in ihr auslöste, nahm sie in ihrer Rage gar nicht erst als solchen wahr. Erst als ihre Sicht verschwamm und ihre Beine erneut nachgaben, als hätte man ihr einen Baumstamm in die Kniekehlen gerammt, wurde die Stimme der Vernunft wieder ein wenig lauter, bis sie kurz darauf gänzlich verstummte, als sie der Schmerz in die Ohnmacht trieb.
Sie hatte jegliches Zeitgefühl eingebüßt, als sie langsam aus einem tiefen aber wenig erholsamen Schlaf in einen noch weniger angenehmen Dämmerzustand glitt und ihre Sinne langsam wieder zusammensammelte. Auch wenn sie weder den Willen noch die Kraft aufbringen konnte, um die Lider zu öffnen, drehten sich im Kopf die Gedanken sowohl ruhe- als auch zusammenhangslos.

Sie hatte schon viele falsche Entscheidungen in ihrem Leben getroffen, ohne Frage. Für Vergen zu kämpfen und sich dem Angriff von Nilfgaard entgegen zu stellen, gehörte nicht dazu. Sich nicht auf den Zauberer einzulassen, offenbar schon. Egal, wie man es auch mit den Magiern hielt, man machte es falsch: auf Philippa hatte sie sich eingelassen und teuer mit einem Teil ihrer Seele bezahlt. Hier hatte sie es nun anders machen wollen und als Belohnung für die vermeintlich gut begründete Entscheidung fühlte sie sich gerade mehr tot als lebendig. Obwohl sich die allgemeinen Schmerzen in Grenzen hielten, dröhnte in ihrem Kopf ein wirres Rauschen, von dem sie nicht wusste, ob es ein eingebildetes Geräusch oder nur ein Gefühl war. Oder Beides. Mit einem vom Schmerz erstickten Keuchen drehte sie sich auf ihre Seite und zog die Gliedmaßen eng an den Körper. Nicht, dass diese Position irgendeine Linderung brachte, doch mit dem Rücken zur offenen Zelle und dem Gefühl der eigenen Wärme auf der Haut, die ihr bedeutete, dass sie tatsächlich noch lebte, lag es sich eindeutig besser. Sie drückte sich die tauben Handballen auf die geschlossenen Lider.
Sie hätte gern jemandem den Vorwurf gemacht, auf so etwas nicht vorbereitet geworden zu sein. Niemand, nicht einmal sie selbst, hatte einen Gedanken auf ein Szenario verschwendet, in dem man Saesenthessis in einen magischen Käfig sperrte. Für die Schlacht von Vergen hatte es sowieso nur zwei mögliche Enden gegeben: den furchtbar unwahrscheinlichen Sieg oder den sicheren Tod. Niemand hatte daran gedacht, dass ausgerechnet in den feindlichen Reihen ein Zauberer stehen konnte, der um ihre wahre Natur wusste. Und sie selbst hatte wohl den eigenen Überlebensinstinkt unterschätzt, der ihr jetzt vorkam wie ein hinterhältiger Verrat an der ganzen Niedermark. Sie presste die Kiefer aufeinander. Zauberer. Angezogen von Macht wie Motten vom Licht, der Gefahr ungeachtet, sich die Flügel zu verbrennen.

Wie auf ein ungesagtes Stichwort hin, tauche er wieder in ihrer Zelle auf. Sie schlug die Augen auf, überlegte einen Moment lang, sich einfach weiterschlafend zu stellen, warf dann jedoch einen umständlichen Blick über ihre Schulter in seine Richtung, der fast schon vorwurfsvoll war, um sich dann jedoch wieder stur zur Wand zu drehen. Sie seufzte schwer in ihre Handflächen, hartnäckig war er auf jeden Fall. „Habt Ihr immer noch nicht alles gesagt für heute?“, fragte sie dann mit monotonem Tonfall.