![]() |
|
keys to the castle - Druckversion +- The Square (https://thesquare.silverandsteel.de) +-- Forum: Silver & Steel (https://thesquare.silverandsteel.de/forum-13.html) +--- Forum: Redanien (https://thesquare.silverandsteel.de/forum-16.html) +--- Thema: keys to the castle (/thread-18.html) |
keys to the castle - Elsbeth - 23.10.2021 Es hätte viele Dinge gegeben, die Elsbeth an diesem Morgen lieber getan hätte, als sich in einer trüben, dunstigen Dämmerung auf den Weg in das redanische Umland zu machen. Ein ausgiebiges Frühstück genossen, zum Beispiel. Oder den einsetzenden Regen vom Sessel aus beobachtet. Es war nicht die Uhrzeit, die ihrer Laune zu schaffen machte, denn ihr Schlaf hatte sich bereits lange vor dem Morgen aus ihrem Zimmer verabschiedet. Vielmehr war es die anstehende Unternehmung an sich. Offenbar hatten sich Drazan und sie keinen Gefallen damit getan, aus den letzten gemeinsamen Aktionen halbwegs erfolgreich und unverletzt hervorzugehen und sich damit den Ruf als funktionierendes Duo zu verdienen, das man guten Gewissens für die Belange Nilfgaards umherschicken konnte. Zum Beispiel auf die Suche nach einem neuen Quartier, das sich außerhalb der Stadtmauern befand, jedoch nahe genug an der freien Stadt, um zumindest den Anschein von Konkurrenzfähigkeit zu erwecken. Schloss Drahim, hatte Drazan ihr halbgar erklärt, käme in Frage. Etwas standesgemäßes, immerhin. Der Weg zum Schloss war still verlaufen, der Abstand zwischen den beiden munter voranschreitenden Reittieren der Zauberer war groß genug, um nicht in Verlegenheit zu kommen, das Gespräch zu suchen und klein genug, um sich nicht auf den gewundenen Wegen zu verlieren. Für den normalen Wegkreuzenden hätten die Beiden wohl den Eindruck gemacht, tief in eigene Gedanken versunken zu sein. Tatsächlich herrschte jedoch zumindest in dem Kopf der Dame eine ziemlich unendliche Leere, die aus dem Mangel an Schlaf und Motivation herrührte. Die Aussicht darauf, die Inneneinrichtung eines Schlosses nach Tauglichkeit zu bewerten, war doch wenig erregend. Und genau darauf war sie eingestellt. „Sieht doch ganz nett aus.“ Die Ernüchterung sprach sowohl aus ihrem Tonfall als auch aus dem Blick, den sie über das „Schloss“ schweifen ließ. Nett war eine mehr als höfliche Umschreibung für die Ruinen, die sich hier mitten in der redanischen Pampa zwischen Unkraut, Büschen und Bäumen erhoben. Viel mehr als ein einsamer Burgturm und ein paar unvollständige Mauern waren nicht übrig und waren sicher nicht das, was sich die Zauberin vorgestellt hatte. Mit einem fast vorwurfsvollen Blick drehte sie sich zu Drazan um, der ebenfalls sein Pferd zum Stehen gebracht hatte. Einen Moment lang hoffte sie, dass sie sich einfach verritten, an der letzten Weggabelung den falschen Weg gewählt hatten, doch selbst wenn – er hätte es kaum zugegeben. Und die Wahrscheinlichkeit war gering, immerhin war sie mit Drazan Ehrendorn unterwegs, dem solche lapidaren Fehler selbstverständlich niemals unterlaufen würden. Mit einem schweren Seufzen stieg sie vom Pferd und führte es durch die verfallene Mauer, die das Gelände wohl einmal komplett umgeben hatte. Die Natur hatte sich Wege und Baumaterialien schon einverleibt und nicht einmal Trampelpfade waren übriggeblieben – Schloss Drahim war offenbar ein gottverlassener Ort und absolut keinen Ausflug oder gar Banditenlager wert. Mit einer unscheinbaren Geste und ein paar leise gesprochenen Worten vergewisserte sie sich, dass sich auch auf den genaueren Blick hin keine magischen Fallen oder ähnliches in der Nähe befanden. Noch ein wenig enttäuschter band die die Zügel an einen morschen Holzbalken, der vielleicht einmal zu einem Dach gehört hatte. „Ich bezweifle, dass diese Ruine hier auch nur irgendwie in Frage kommt.“, kommentierte sie den eigentlichen Plan, ein Objekt zur Unterbringung hochrangiger und wichtiger Persönlichkeiten aus Nilfgaard zu finden. Bereits jetzt fällte sie ihr Urteil, dass sie hier ihre Zeit verschwendeten. Trotzdem war sie pflichtbewusst genug, die morsche Holztür, mit einem Wink der Rechten aufzustoßen und einen Blick in den Turm zu werfen. Viel zu sehen gab es nicht – nur ein verhängnisvoll dunklen Abgrund, in den eine Treppe führte. Der Anblick ließ sie sich abrupt wieder zu Drazan umdrehen, beschwörend die Hände heben und den Kopf schütteln. „DAS war so nicht abgemacht.“ RE: keys to the castle - Drazan - 23.10.2021 Gewiss gab es auch für den Zauberer aus Nilfgaard schönere Dinge zu erledigen, insbesondere in den frühen Morgenstunden. Er schätzte die Ruhe bevor eine Stadt zum Leben erwachte ungemein und war daher meistens darauf bedacht, sich etwas Sonnenlicht zu dieser Zeit zu holen bevor er es gänzlich vermisste. Tatsächlich hatte seine Anwesenheit in Novigrad einen furchtbaren Einfluss auf jegliche Form von geordnetem Rhythmus, die der Zauber ansonsten so an den Tag legte. Dadurch das er es mittlerweile als unweise erachtete tagsüber ohne Grund durch die Stadt zu flanieren, musste er erledigen meistens in der Nacht tätigen. Das führte dazu, dass er immer später ins Bett ging und irgendwann musste er ja auch noch seiner Arbeit und seinen Forschungen nachgehen. Ein furchtbarer Zustand für ihn, der ansonsten zumindest versucht seinen Körper funktionierend zu halten – und dazu gehört eben auch geregelter Schlaf und geregelte Mahlzeiten. Das einzige was zurzeit allerdings geregelt war, war die Ansammlung der Augenringe, die sich der Zauberer vermehrt zulegte, nicht dass er nicht zu verhindern wusste das diese seinen äußerlichen Eindruck veränderten. Da waren sie dennoch. Immerhin kannte er sich durchaus mit den Mitteln und Wegen der Alchemie auf und wusste Tränke herzustellen, die einem die Nachteile der Müdigkeit jedenfalls für einige Zeit unterdrücken ließen. Ausnahmsweise war es nicht seine Schuld, dass er und seine ehemalige Schülerin auf irgendeine seltsame Erkundungsmission in einer alten Ruine gingen. Ehrlich gesagt, selbst er hätte Schloss Drahim nicht als so wichtig eingestuft, dass es eine Reise, insbesondere zu dieser Stunde, wert gewesen wäre jedoch blieb ihm diesbezüglich keine andere Wahl. Jemand von weiter oben hatte diese Entscheidung gefällt und wie es so oft in Nilfgaard war, wenn die Leute oben einem befahlen zu springen, dann sprang man besser oder man sah sich recht schnell nicht mehr in der Lage dazu. Der Weg zum Schloss gestaltete sich als ausgesprochen ruhig, weder er noch seine Partnerin in diesem Auftrag schienen in besonderer Laune zu sein, ein Gespräch anzufangen und das war ihm gerade recht. Kein Trank der Welt konnte die Stimmung vergehen lassen, wenn man akut unterschlafen war. Der Eindruck, dass die Beiden tief in Gedanken waren stimmte zumindest für ihn. In seinem Kopf arbeiteten unentwegt die Mühlen der Forschung, erst kürzlich war ihm ein Durchbruch im Bereich der, für viele, schwarzen Künste gelungen. Zwar musste er sich dafür an der Leiche eines, in gewisser Weise, Kollegen bedienen dafür hat er nun einen sprechenden Fachkollegen in seinem Versteck, der nicht zuletzt Autor einer Enzyklopädie gewesen war von dem Drazan selbst ein großer Freund ist. Zwar hat sein neuerlicher Assistent so viele Gliedmaßen wie gute Laune – jedoch sind die wichtigsten Teile, Hirn und Mund, erhalten geblieben und das dauerhaft. Alles in allem ein Erfolg. Als die Pferde zum stehen blieben, schaute sich Drazan kurz um und nickte. Ja, in diesem Zustand hatte er das Schloss etwa eingeschätzt. Es war schließlich schon recht lange verlassen und zerstört. Ein Blick auf seine Karte brachte ihn leicht zum Schmunzeln, war es doch in relativer Nähe zu seinem Versteck für seine Forschungsarbeiten. Mit der Euphorie eines Entdeckers schwang er sich vom Pferd und glättete kurz darauf, am Boden angekommen, beinahe jede Falte seiner Kleidung. Auf die Beschwerde von Aelies nickte er, ausnahmsweise, in Zustimmung. „Es ist…nicht gerade meine erste Wahl.“, gab er vorsichtig von sich. Es war überhaupt nicht seine Wahl, um ehrlich zu sein – verlassene Friedhöfe mit großen Krypten, so versteckte man sich richtig. „Es sieht nicht so aus, als würden diese Mauern sonderlich viel Schutz bieten.“, bestätigte er als er seiner Schülerin in den verlassenen Komplex folgte. „Nun, die Instruktionen aus dem Süden waren diesbezüglich sehr klar und aus irgendwelchen Gründen schlug man Drahim tatsächlich vor, es obliegt nicht unbedingt unserem Geschmack Objekte auszuwählen…wir sollen sie lediglich untersuchen.“, erläuterte er und kurzerhand machte er einen Schritt an der Schwarzhaarigen vorbei und setzte einen Fuß auf die Treppe, immerhin war sie nicht morsch. „Es ist in jedem Fall sehr unscheinbar…“, murmelte er und fuchtelte etwas mit den Händen herum und damit beschwor er eine Lichtkugel die ihm folgte. Ohne dabei auf den Unwillen seiner Partnerin einzugehen, marschierte er geradewegs in die dunklen Gänge, welche da angeblich unter dem Turm schlummerten. Es folgte ein unfassbar banaler, langer Gang der hier und dort einige Windungen machte und irgendwo zwischendurch mal ein halbleeres Weinregal aufwies – und einige größere und kleinere Achtbeiner die offenbar sehr fleißig waren, was das Weben anging. Schließlich strandeten sie vor einer Tür die man eher in einem Gefängnis erwarten würde, die Drazan kurzerhand aufsprengte und dann in das Herzstück des Schlosses kam. Ein beinahe runder, riesiger Raum mit weiteren Türen, teilweise weiteren Zellen und einer vollen Einrichtung für ein Labor, samt einer vollen Einrichtung für eine Folterkammer. Alles in allem wirkte es, als hätte man einen alten elfischen Raum einfach umstrukturiert und umgebaut, für recht sinistre Zwecke. In der Mitte des Raumes war eine Statur inmitten alter, verblasster Kreidezeichnungen zu finden die entfernt an einen Ritualkreis erinnerten, allerdings erkannte Drazan dank des Alters nicht welche Hexerei die unzähligen Zeichen und Runen andeuteten. Nicht auf dem ersten Blick, jedenfalls. Kurz schaute er sich um und nickte langsam. Das war doch eher nach seinem Geschmack. „Hatte ich schon erwähnt, dass der ehemalige Besitzer des Schlosses…ein eher…fehlgeleiteter Forscher war, wenn man das so zusammenfassen will?“ RE: keys to the castle - Elsbeth - 23.10.2021 Mit einem gequälten Seufzen rieb sich Elsbeth die müden Augen. Sie war eh schon wenig motiviert gewesen, überhaupt das Haus zu verlassen, doch nun den Keller eines lang vergangenen Schlosses untersuchen zu müssen, trieb ihr vor lauter Unwillen fast die Tränen in die Augen. Sie wusste nicht, ob es Drazans Ehrgeiz oder das reine Pflichtbewusstsein war, das ihn ohne weitere Umschweife den Befehl der Obrigkeit ausführen ließ. “Können wir nicht einfach sagen, es taugt Nichts?”, fragte sie noch, während sie ihren ehemaligen Lehrmeister im Dunkel des Kellers verschwinden sah. Es wäre doch viel einfacher gewesen, schon jetzt die Entscheidung zu fällen, dass sich Drahim eben überhaupt nicht eignete, Elsbeth hätte auch sicherlich die ein oder andere gute Ausrede dafür gefunden. Aber entweder hatte Drazan ihren Vorschlag rein akustisch nicht vernommen oder einfach nicht für reaktionswürdig empfunden, sodass sie sich nun doch gezwungen sah, ihm die Treppe hinab zu folgen. Natürlich nicht ohne ein weiteres, schweres Seufzen. Während sie zu ihm aufschloss tat sie es ihm gleich, entzündete sich eine blauschimmernde Flamme in der Linken. Zusammen mit der Lichtquelle, die Drazan umschwirrte, warfen die magischen Lichter flackernde, unwirkliche Schatten, die nicht wirklich zum Wohlbefinden der verstimmten Zauberin beitrugen. Die Augenbrauen skeptisch zusammengezogen sah sie sich erst im Gang und schließlich in dem großen Raum um, der sich vor ihnen auftat. Ihr Blick wurde deutlich finsterer, als sie die verblassten Zeichen auf dem Boden betrachtete. Es war nicht so, dass sie ihnen irgendetwas entnehmen konnte oder auch nur Ansatzweise die Absicht hinter ihnen verstand, doch genau diese Umstände waren es, die sie doch urteilen ließen, dass es sich dabei um nichts Gutes handeln konnte. Hatten solche Sachen, die man irgendwo in dunklen Kellern hinter schweren Türen händelte, ja per se meist an sich. Das wussten wohl Beide aus kürzlich selbst getaner Erfahrung. Sie wandte ihren Blick zurück zu Drazan und legte ihren Kopf mit stummen aber deutlichem Vorwurf ein wenig schief. “Nein, das hattest du selbstverständlich nicht erwähnt.”, erwiderte sie mit einem sarkastischen Lächeln und schickte die blaue Flamme aus ihrer Hand ein wenig voran, um doch nur erst einmal von Weitem einen Blick auf die weitere Einrichtung zu werfen. Für einen kurzen Moment kam in ihr sogar der wage Verdacht auf, dass es tatsächlich Drazans Idee gewesen war, hier herumzuschnüffeln. Vielleicht hatte er wieder ein Gerücht über ein altes Artefakt aufgeschnappt, dass irgendwo zusammen mit zwei Leichen in eine Wand eingemauert worden war. Sie verzog das Gesicht bei dem Gedanken und überwand sich immerhin, näher zur Statue zu treten und diese ein wenig eingehender zu betrachten. Sie war nicht unbedingt das, was sie sich zur Dekoration in den Garten gestellt hatte. Ganz im Gegenteil – es war ein eher unansehnliches Etwas, das ihrem Sinn für Schönheit nun wirklich nicht entsprach. Handwerklich war es vielleicht eine solide Arbeit, aber rein Ästhetisch doch eher fragwürdig. Trotzdem strahlte die Figur einen gewissen Respekt aus, der sie vor einer halb verwischten Zeichenfolge auf dem rauen Boden stehen blieben ließ, die Hände in die Hüften gestemmt. “Was meinst du mit fehlgeleitet?”, fragte sie dann und winkte ihre Lichtquelle wieder zu sich, um die Zeichen und die Statue gleichermaßen auszuleuchten. “Ich meine, es gibt Leute, die Vilgefortz für fehlgeleitet hießen.” Sie hob mit leichtem Schalk eine Augenbraue, wohl wissend, dass er diese Geste nicht sehen können aber ihrem Tonfall schon irgendwie zuordnen würde. “Oder so Zauberer wie einen gewissen Herrn Ehrendorn...” Während ihrer Stichelei hatte sie eine kleine Phiole aus der kleinen Tasche am Gürtel gezogen und ließ einen Tropfen der blauen Flüssigkeit auf den Boden tropfen, welches sich im Kontakt mit der Substanz, mit der die Zeichen aufgetragen worden waren, deutlich in ein tiefes Rot verfärbte. Mit einem gefälligen “Edel. Knochenmehl”, kommentierte sie ihre Beobachtung, ehe sie hörbar Luft holte, die Phiole zwischen den Fingern hin und her wandern ließ. “Ganz ehrlich, Drazan, was machen wir hier?” RE: keys to the castle - Drazan - 23.10.2021 Für ihn kam gar nicht in Frage irgendetwas, dass das Banner von Nilfgaard trug zu ignorieren. Trotz dessen das er einer der Menschen war, die sich ebenfalls einen Wechsel im Reich herbeisehnten – gar auf der Welt – war es eine idiotische Idee irgendetwas des Geheimdienstes von Vattier zu ignorieren. Eigentlich müsste das seine reizende Partnerin in dieser Untersuchung ähnlichsehen, natürlich tat sie dies nicht, sondern bevorzugte es stattdessen ihm mit irgendwelchen Mosereien zu belästigen. Drazan bemühte sich stehts persönliche Empfindungen aus allen Bereichen seines Lebens zu verbannen und das tat er auch hier. Falls man dieses Schloss eben ausgewählt hatte, würde er es mit ähnlicher Präzision studieren wie er es eben auch mit einem alten Buch oder einer neuen Formel tun würde. Es gab am Ende keine Grenzen, was den Drang nach genauem Wissen anging. Er überging daher jegliche Äußerungen, welchen den Unmut von Aelies zum Ausdruck brachten und konzentrierte sich lieber auf seine Arbeit. Im Gegensatz zu ihr war er sich durchaus bewusst, was das Kaiserreich mit Zauberern tat die als nicht nützlich empfunden wurden oder, schlimmer gar als illoyal. Patriotismus war einer dieser Gefühle, die man bei ihm vergeblich suchte und dennoch mochte man gerne der Illusion erliegen, es wäre bei ihm das ausschlaggebende Argument. Dabei gab ihm das Kaiserreich schlicht alles, was er sich wünschte – Stabilität, Schlagkraft, Effizienz und eine Tendenz Rechte zu ignorieren, wenn es der größeren Sache diente. Nur über die größere Sache, da war man sich eben uneinig. Was für Drazan das Sammeln von Wissen war, war für Emhyr eben das Ansammeln von kriegsgeschundenen Territorien. Hatte jeder so seine Leichen im Keller. Apropos Leichen, während sich Aelies – zweifelsohne dillentantisch – den Zeichnungen auf dem Boden widmete, untersuchte Drazan die Zellen, welche in die Wand eingelassen wurden. Sein treuer leuchtender Begleiter wurde dazu kurzerhand in die Nähe der Zelle gesandt, welche daraufhin ausgezeichnet ausgeleuchtet wurden. Skelletierte Leichen in Ketten, skelletierte Leichen auf Liegen…verschiedene Stadien der Verwesung, teilweise schwer zugerichtet. Ziemlich genau das, was der Hexer erwartet hatte. Die liebliche Stimme seiner ehemaligen Schülerin drang wieder an sein Ohr, was ihn etwas die Mundwinkel verziehen ließ. „Objektiv gesehen…“, antwortet er, „Gibt es wenig fehlgeleitete Forschung, außer man bedenkt Forschung deren Grundannahme derlei falsch ist, dass sie von Anfang an verdammt ist an eine wissenschaftliche Wand zu gelangen – dann ist sie vielleicht fehlgeleitet. Moralisch spricht meint man ja meistens, dass die Anzahl der Opfer und oder Kosten zu hoch ist, um den erhofften Wissenssprung aufwiegen zu können, völliger Schwachsinn, wenn man mich fragt. Es ging um…Goethia, wenn ich mich recht entsinne.“ Er dachte kurz nach, wiegte den Kopf und nickte dann. „In der Tat, ja. In der Grundannahme ging man davon aus, dass es gelingen könnte Dämonen an menschliche Körper zu binden und sich so einen Vorteil zu verschaffen – völlig idiotisch. Welch hirnloses, furioses Biest sollen derlei Künste in der Lage sein zu erschaffen? Als gäbe es seit der Sphärenkonjunktion nicht genug derlei Wesen – mal davon abgesehen, wie unwahrscheinlich es ist das derlei Dinge gelingen. Wie gesagt. Fehlgeleitet.“ Er leuchtete in eine der Zellen, wo noch etwas halbwegs Passables zu finden war – für Ehrendorn Standards jedenfalls. Ein früheres Stadium der Verwesung, welches von dem leicht modernden Geruch bezeugt wurde. Gleichwohl roch der Zauberer zahlreiche Chemikalien, die aus dem Korpus in die Luft abgegeben wurden. Gerade überlegte er, wie die Zellentür zu öffnen sei – da traf ihn die nächste belanglose Gesprächssalve. Der Zauberer seufzte kurz. „Wir erfüllen einen Auftrag, Aelies.“, sagte er in gelassenem Tonfall, „Des kaiserlichen militärischen Geheimdienstes, falls ich dich erinnern muss. Man wird wohl Kenntnis der Räumlichkeiten gehabt haben – vielleicht gibt es noch ein paar mehr, in jedem Fall…würde es zu den…pragmatischeren Methoden von Vattiers Spitzeln passen, so einen Ort auszuwählen. Ist er verschmutzt, verlassen, marode und sonst wie unangenehm? In jedem Fall. Ist das ein Grund eine Anordnung zu ignorieren? Keinesfalls.“ Mit einem kurzen Zauber versuchte er das Schloss schlicht zum Nachgeben zu zwingen, nur um zu bemerken wie der weiße Blitz aus seiner Hand einfach von den Gitterstäben absorbiert wurde. „Magiesichere Zellen.“, meinte er beeindruckt zu den Gitterstäben, die von seinen Künsten gänzlich unbeeindruckt geblieben sind. Da drehte er sich auch schon auf dem Absatz um und ging näher an seine begeisterte Begleiterin heran. „Irgendwas Interessantes mit den Zeichen?“, sagte er ohne dabei eine wirklich aufschlussreiche Antwort zu erwarten. Sein Blick wanderte hinauf zu dem monumentalen Riesen…an irgendwas erinnerte ihn die Form des Wesens. Für einige Augenblicke eine denkende Pose einnehmend, hatte er schon bald die Antwort aus den tiefsten Windungen deines Hirns gefischt nur um schließlich mit einer eher bescheidenen Prognose für den Verlauf dieser Erkundung zu enden. „Ah!“, gab er von sich und wenige Augenblicke später folgte ein: „Ich denke wir sollten gehen. Fluchtartig. Aber ohne Panik, das wäre verschwendeter Atem.“ Er nickte und sah Aelies an. „Golem.“ Natürlich musste sich das Vieh auch genau in dieser Sekunde anfangen zu bewegen – der Zauberer hatte vielleicht viel Pech, aber das Schicksal mochte ihm stets eine gewisse Dramatik zugestehen. RE: keys to the castle - Elsbeth - 23.10.2021 Über seine Ausführungen hinweg hob Elsbeth nur in gespieltem Erstaunen die Augenbrauen, nickte hier und da, als würde sie Drazan nach jeder Wortgruppe außerordentlich genau zustimmen wollen und hörte doch nur halbherzig dabei zu. Es gab Themen, bei denen es sich einfach nicht lohnte, Details zu erfragen oder überhaupt den Anschein zu machen, mit ihm darüber diskutieren zu wollen, also nahm sie seinen Standpunkt zu moralisch und ethisch fragwürdigen Forschungsprojekten einfach hin, jedoch nicht ohne einen oder zwei abfällige Seitenblicke in seine Richtung zu werfen. Auch wenn sie die menschlichen Überreste in den Zellen nur sehr wage von ihrem Aufenthaltsort erkannte, war ihr das Grund genug, um das, was hier vor sich gegangen war, für ziemlich fehlgeleitet zu halten. Ob es Drazans fehlende Empathie oder der reine Wahn in seinem Kopf war, der ihn genau das eben anders sehen ließ, war dabei unerheblich. „Goethia.“, wiederholte sie dann, holte tief Luft und ließ sich in die Hocke sinken, um die Zeichen nun doch noch näher zu begutachten. Ihre Stirn legte sich in grübelnde Falten. Sie hätte gelogen, hätte sie behauptet, das Wort noch nie gehört zu haben, doch ebenso, hätte sie behauptet, sie hätte irgendeine Ahnung davon, was es bedeutete. Tatsächlich weckte Drazans wahrscheinlich sehr oberflächliche Erklärung so etwas wie Neugier in ihr. Mit einem weiteren Wink der Hand ließ sie ihre Lichtquelle ein wenig sinken, bevor sie ein Stück sorgfältig zusammengerolltes Pergament aus einer der Manteltaschen zog und es erst noch eine Weile nachdenklich in der Hand wog, bevor sie es langsam ausrollte. “Des kaiserlichen militärischen Geheimdienstes“ Sie verzog auf die Belehrung Drazans hin deutlich genervt das Gesicht, rollte mit den Augen und äffte ihn stumm nach. „Keinesfalls.“, flüsterte sie dann und traf seinen Tonfall dabei so genau, dass sie fast selbst stolz auf sich war. Ihre eh schon angeschlagene Laune sank noch einmal deutlich, sodass sie sich in einer Geste aus Trotz nun aus der Hocke auf den Allerwertesten sinken ließ, ehe sie die Beine in einen mehr oder minder gemütlichen Schneidersitz verschränkte und einige ihrer Utensilien, die sie bei sich hatte, in ihrem Schoß zu sortieren. Sollte er doch seine Leichenbeschau fortsetzen und im nächsten Gang verschwinden, dann hätten beide ihre Ruhe voreinander. Der kaiserlich militärische Geheimdienst konnte sie mal genauso gern haben, wie Vattier oder Drazans magiesichere Zellen, deren Erwähnung ihr ein weiteres Rümpfen der Nase entlockten. Wurde ja immer schöner. Mit überdeutlichem Schwung entkorkte sie eine weitere Phiole, mit deren Inhalt sie das Pergament benetzte. Während die Fasern die klare Flüssigkeit aufsog legte Elsbeth den Kopf in den Nacken und warf wieder ihren Blick hinauf zu der Statue, die doch mit jedem Augenblick hässlicher wurde. Sie zuckte kurz mit den Schultern, ehe sie das Pergament mit einem Wink der Hand in die Luft beförderte, um es schließlich loszuschicken, um die Zeichen auf dem Boden aufzuwischen und für einen späteren Zeitpunkt aufzubewahren. Das flatternde Stück Papier war gerade auf halbem Weg um die Statue herum, als Drazan wieder das Wort erhob, deutlich zu unaufgeregt, als dass es Elsbeth zu einer akuten Reaktion gebracht hätte. Nur langsam drehte sich ihr Kopf wieder in seine Richtung, konnte sie ihm noch einen Blick aus Unverständnis und Skepsis zuwerfen, ehe er das Wort „Golem“ aussprach, was ihr ein abruptes Lachen und ein ungläubiges „Wie bitte?“ entlockte. Just in diesem Moment hatte ihr Pergament nun seine Arbeit erledigt und faltete sich sorgsam in ihrem Schoß zusammen. Erst das Geräusch von aneinanderreibenden Steinen ließ sich Elsbeth wieder ein wenig fangen und während sich ihre Nackenhaare aufstellten, schwante ihr, dass ihr folgsames Pergament eventuell unter misslichen Umständen den Schutzzauber vom Boden entfernt hatte. Es war ihr Glück, dass es sich bei frisch erwachten Golems um eher behäbige Gegner handelte, sodass das Adrenalin in ihrem Körper genug Zeit zum wirken hatte, bevor eine massige, steinerne Hand an der Stelle einschlug, an der sie vor einem Augenblick noch gesessen hatte und unter ihrer Wucht Phiolen, feine Werkzeuge und einen Teil des Bodenbelages zermalmte. Noch im Zurückstolpern mobilisierte sie eine der lockeren Marmorplatten zu ihrer rechten und ließ sie mit, von eigener Panik fehlgeleiteten Wucht, an dem vermeintlichen Kopf des Golems vorbeifliegen. Zumindest gestreift hatte das Geschoss das Monster, dass nun ein wütendes Grollen ausspie, welches den kompletten Saal zum Beben brachte, während die Marmorplatte geräuschvoll an der Wand hinter ihm in tausend Stücke zerbrach. „Er hat angefangen.“, presste Elsbeth mit hilfesuchendem Blick in Drazans Richtung heraus, das Pergament an die Brust gepresst, um sich im nächsten Augenblick umzudrehen und die Beine in die Hand nehmen zu wollen. Ihr Fluchtversuch wurde jedoch jäh vereitelt, denn dort, wo bis eben noch ihr Fluchtweg gewesen war, glimmte nun eine eindeutig magisch errichtete Barriere, die verheißungsvoll vor sich hin Schimmerte und den Weg in Sicherheit erahnen ließ – aber mehr auch nicht. „Magiesichere Zellen, ja?“, wiederholte sie dann mit deutlich hysterischem Spott in der Stimme um direkt zusammenzuzucken, als der Golem erneut zum Brüllen und damit zum Angriff ansetzte. RE: keys to the castle - Drazan - 23.10.2021 Dem nilfgaardischen Zauberer mochte man ja viele Eigenschaften zugestehen, allerdings war die Fähigkeit unter Stress einen kühlen Kopf zu bewahren stets die, die er am Meisten schätzte. Den behäbigen Schlägen des Golems in einer, zugegeben, sehr simplen Art ausweichend wägte sein Kopf bereits alle möglichen Lösungen für das Problem ab. Aelies, die sich stets dem Genius seiner Gedankenwelt zu entziehen wusste, mochte vielleicht eher auf den Gedanken gekommen das er im Kreis rannte und dabei den Golem anstarrte. Beide Ansichten mochten zweifelsohne ihre Berechtigung haben. Die magiesicheren Zellen waren tatsächlich ein gar nicht so schlechter Vorschlag, allerdings fand es Drazan eher befremdlich von einem Golem belagert zu werden, während er in einer Zelle mit seiner ehemaligen Lieblingsschülerin hocke. Da musste es bessere Alternativen geben, ganz sicher. Außerdem war er sich plötzlich gar nicht mal mehr so sicher, ob nicht stumpfe Gewalteinwirkung trotzdem vermochte die Zellen zu knacken. Um irgendetwas zu tun warf der nun im Kreis laufende Zauberer immer wieder blitzartige Ausformungen seiner magischen Talente auf das Wesen, ohne jedoch dabei einen großartigen Effekt zu erzielen. Stein war häufig nicht gerade sehr beeindruckt von einem Blitzeinschlag. Um etwas effektives zu planen, fehlte ihm schlicht die Zeit. So ein Monstrum war eben ein ähnlich gutes Denkhindernis wie eine volle Klasse an einer nilfgaardischen Akademie. Nach kurzer allerdings effektiver Analyse schätzte er die Chancen also alles in allem eher schlecht ein. Er war sich zwar sicher das sich seine, sowas wie treue, Begleiterin sicherlich dazu bringen ließe ihn wieder zusammen zu flicken wenn er sich mutig dem Riesen stellen würde, allerdings…müsste er dazu das Vieh ja irgendwie schlagen. Und er war alles, nur kein besonders effektiver Kampfmagier. Zumal sein Lieblingselement gänzlich nutzlos erschien. Sie brauchten eine Ablenkung, das war sein bester Gedankengang. Irgendetwas, das ihnen Zeit verschaffte, diesen ganz und gar furchtbaren Ort einfach zu verlassen. Draußen würde ihnen schon etwas einfallen, da war er sich sicher. „Eh…“; rief Drazan im Kreis rennend durch den Raum, „Ich schlage offiziell vor, den Rücktritt anzutreten! Vielleicht sollten wir einfach einen Hexer anheuern, im Allgemeinen.“ Der geniale Plan des Drazan Ehrendorns. „Ich werde das zutiefst bereuen.“, gestand er sich selbst und anstatt den panischen Zauberer weiterhin nachzuahmen, stellte er sich vor einer der angeblich so gut gesicherten Zellen und blieb stehen. Wie bereits einige Male zuvor erhob der Golem seine zum Streitkolben geformte Faust, die fast die Decke des hohen Raums erreichte, ehe sie in Richtung des Nilfgaarders niederging. Dieser schaffte es durch eine Kombination von Schutzzauber und flinken Beinen dem Schlag zu entgehen, der stattdessen die Decke knapp oberhalb der Zelle erwischte und somit die schweren Gitterstäbe aus der Mauer riss. Auf seinem Allerwertesten hockend, nickte der Zauberer ein paar Mal. Ja, soweit war das…ganz gut gelaufen eigentlich. In der kurzen Verwirrungsphase des Golems, schloss er rasch zu Aelies auf, um eine kurze Lagebesprechung zu ermöglichen. „Ich habe einen Plan.“, kam es hastig, „Eh, das…ich brauche eine Ablenkung. Nur für einen kurzen Moment, es kann dir gar nichts passieren. Irgendwas wirst du ja können aus deiner Zeit bei mir, um dieses steinerne Genie etwas zu ärgern. Ich werde uns etwas Unterstützung beschaffen…und dann erledigen wir die Barriere um noch einmal…genauer die Lage zu besprechen, eh. Also! Tu irgendwas!“ Um nicht zu viel Zeit für wiederworte, die zweifelsohne kommen würde, zu erlauben entfernte sich Drazan genauso rasch, wie er gekommen war, um sich irgendeine abgelegene Ecke in nähe der aufgebrochenen Zelle zu suchen. „Jetzt!“, rief er nochmal – er hatte bei dem kurzen Besuch auf der Militärakademie mal irgendetwas von Führen durch Stimme gehört, seine Soldaten motivieren oder so etwas. Ob das auch bei ehemaligen Schülern funktionierte? RE: keys to the castle - Elsbeth - 23.10.2021 Es beruhigte sie nicht wirklich, dass der Golem seine Aufmerksamkeit auf Drazan gerichtet hatte und diesem folgte, wie eine Motte dem Lichtschein einer Kerze – die wild im Kreis rannte. Sie versuchte sich irgendwie zu ordnen, blickte hektisch von dem verschlossenen Fluchtweg und Drazan hin und her, während Letzterer auf seinen Vorschlag, den Rücktritt anzutreten und einen Hexer anzuheuern, ein kurzes, spöttisches Klatschen in die eigenen, staubigen Handflächen von ihr erntete. „Ich kenn‘ da jemanden.“, rief sie ihm fast schon euphorisch zu. „DER WÜRDE HIER ABER NICHT REIN KOMMEN.“ Sie hatte die Stimme deutlich heben müssen, um das Poltern und Krachen der Inneneinrichtung und Architektur des Kellers zu übertönen. Was den leichten Vorwurf in ihrer Stimme vielleicht auch ein wenig unterstrich, obwohl Drazan ausnahmsweise mal nicht direkt am Schlamassel Schuld war, in dem sie sich jetzt befanden, aber den schwarzen Peter anderen zuzuschieben lag zugegebenermaßen einfach in der Natur der Hexe, die ja nun wirklich nichts dafür konnte, dass er sie hier runter geführt hatte… Sie zuckte ein wenig zusammen, als Drazan das Gleichgewicht verlor und ohne darüber nachdenken zu müssen, formten ihre Hände eine weitere Barriere, die ihn vor etwaigen Hieben schützen konnte. Glücklicherweise war Drazan weiterhin einigermaßen gut zu Fuß, doch dass er nun ausgerechnet zu ihr gelaufen kam und damit auch wieder das Blick- und Angriffsfeld des Golems in ihre Richtung zog, ließ sie doch etwas zurückweichen, als wäre er irgendwie ansteckend. Die dezente Panik, die im Angesicht des wiederholten Ausholens des Golems im Augenwinkel deutlich ins Gesicht geschrieben war, wich ob der Worte ihres Lehrmeisters jedoch einem spöttischen Ausdruck von “Wie bitte?“, der von einer pikiert gehobenen Augenbraue unterstrichen wurde. „Keine Ahnung, wie meine wichtigste Schlussfolgerung aus der Lektion „Verlieb‘ dich nicht in deinen Lehrer“ hier helfen soll.“, antwortete sie dann bissig, auch wenn Drazan schon wieder auf der Flucht war. Seine Arroganz zu meinen, dass sie ausgerechnet mit den Dingen, die er ihr beigebracht hatte, den Tag retten würde, ließ ihren eh schon unangenehm schnellen Puls noch einmal wilder werden. Hätte sie nur den Hauch einer Möglichkeit gehabt, sicher aus der Situation zu kommen und ihn dabei mit Missachtung zu strafen, wäre sie einfach gegangen. So aber appellierte der gesunde Verstand an ihre Toleranz und die wiederkehrende Erkenntnis, dass sie mal wieder aufeinander angewiesen waren, ob sie das wollten oder nicht. Die unwillentlich fest zu Fäusten geballten Hände lösten sich nur langsam aus der wütenden Starre und wenn ihr auch der Widerwillen noch anzusehen war – das Befolgen von Befehlen war weiter in den Knochen, in jedem Muskel, im Unterbewusstsein so tief verankert, dass sein in ihre Richtung gerufenes Zeichen sie zur direkten Handlung zwang. Sie holte tief Luft, ehe sie die Hände hob und, untermalt von leisen aber deutlichen Worten, eine Reihe von Zeichen in die Luft schrieb. Mit einem leisen Klirren durchbrach das Pergament, das sie unbedacht in ihre Manteltasche gestopft hatte, als wäre es nicht mehr aus Papier sondern geschliffenem Stahl, die eigentlich sehr hilfreiche Barriere, die sich sogleich flimmernd auflöste. Für einen kurzen Augenblick still und unbewegt wie ein Mahnmal über dem Golem hängend, zog es glücklicherweise auch die Aufmerksamkeit des Minderbemittelsten im Raum auf sich (Anm. d. Red.: sie meint eventuell vielleicht wahrscheinlich nicht Drazan), ehe es den Anschein machte, vornüber zu kippen. Tatsächlich gab Elsbeth ihrer bereits jetzt schmerzlich aufgegebenen Errungenschaft der letzten Minuten einen kleinen Schubs, woraufhin die Siegel und Zeichen, die es so sicher aufgenommen hatte, in einem Schwall über den Golem ergoss, der entfernt an die orale Erleichterung eines schwer betrunkenen Mannes erinnerte, der sich seinen Alkoholkonsum noch einmal durch den Kopf gehen ließ. Die Reaktion des Golems auf den Zeichenregen, der ihn bedachte, war deutlich unfreundlicher, als sie geahnt hatte. Wild mit den Armen fuchtelnd und um sich schlagend war er nun vielleicht abgelenkt aber wirkte doch noch ein ganzes Stück weit erboster als eben noch. Was genau das wilde Durcheinander der Zeichen ihm nun sagte, konnte Elsbeth nicht erraten oder erahnen, aber die kurze Hoffnung, dass er einfach wieder zu Stein werden würde, verblasste doch sehr fix. Aber das hatte Drazan ja gar nicht gewollt, oder? „Ich kann auf jeden Fall feststellen, dass die genaue Anordnung der Siegel einen großen Unterschied für den Golem macht.“, rief sie ihm zu, während sie mit der rechten Hand eine weitere Barriere erschuf, um sich vor einer gefährlich nahe kommenden Geröllflut zu schützen, die ein beängstigend schwerer Schlag des Golems in den Boden auslöste und dessen Erschütterung sie deutlich in den Knochen spürte. Die linke Hand war währenddessen weiter damit beschäftigt, die Zeichen in Bewegung zu halten, auch wenn sie genau wusste, dass es eigentlich eine ziemlich dumme Idee war, so ein Monster auch noch fortwährend zu Piesacken. „Wo ist denn jetzt deine… Unterstützung?“, fragte sie dann und war in ihrem Ausweichen nun mit dem Rücken an der Kellerwand angelangt. Sowohl der kalte Stein im Rücken, als auch die plötzliche Erkenntnis, dass sie irgendwie im wahrsten Sinne mit dem Rücken zur Wand stand, ließ sie hektisch nach Luft schnappen, während sich nun tatsächlich Angst in ihrer Magengrube ausbreitete. „Drazan?“ RE: keys to the castle - Drazan - 23.10.2021 Drazan überging die subtile Referenz einen Hexer zu kennen, der offensichtlich breiter als der Torbogen war. Das waren sie häufiger mal und ehrlich gesagt, ach wenn er etwas zu melden gehabt hätte als diese Mutationen geschaffen würden. Da hätte er definitiv einige Verbesserungsvorschläge, eine ganze Liste voll. Der Plan, den er gefasst hatte, war in gewisser Weise hochriskant für ihn, seine Mitmenschen (also Bob) und seine Karriere. Alles jedoch Dinge, die er gerne in den Wind schoss (außer Bob vielleicht) wenn es um seine eigene Haut ging. Denn die Fluchtchancen waren doch etwas schlechter als er zunächst eingeräumt hatte und generell war der Zauberer daran interessiert, das sein Leben weiterhin der Forschung gewidmet werden sollte. Bei der Quote von toten Zauberern in Novigrad könnte die Welt den Verlust eines weiteren Genies nicht auch noch verkraften. Vor allem das Kaiserreich, so malte er sich aus während er vor dem Ungeheuer weglief, würde ohne seine Expertise doch glatt untergehen! Wenn es etwas gab das in diesem Moment noch überdimensionierter war als der Golem, dann war es vermutlich der Hochmut des Drazan Ehrendorns. In irgendetwas musste man ja überragend sein, wenn schon nicht in der Körpergröße. Die Antwort von Aelies brachte ihn glatt wieder zum Stolpern, sie die Worte verliebt und Lehrer in einem Satz erwähnte. Die Empörung darüber bei seinen überragenden Lehrvorträgen an so etwas niederes wie Unzucht zu denken regte ihn doch in gewisser Weise auf. Vermutlich der einzige Mensch, der bei dem Wort Liebe aus dem Mund einer Zaubererin nicht erregte, sondern sich aufregte. In jedem Fall empfand er dies als perfekten Zeitpunkt, seinen Plan in die Tat umzusetzen denn seine ehemalige Schülerin tat ihr Bestes die Aufmerksamkeit des Hohlkopfs auf sich zu lenken und das funktionierte, nachdem Drazan sich ein wenig herausgehalten hatte, auch ganz fabelhaft. Ach, wenn Aelies doch nur gewusst hätte, wofür er die Ablenkung brauchen würde, dann hätte sie sich wahrscheinlich dagegen entschieden und stattdessen herumgemotzt. So konnte der Zauberer in eine weniger gut gesicherte und halb zerstörte Zelle fliehen, die einen kleinen Durchgang in ein Krypta ähnliches Gebilde hatte. Ein wenig Wasser hatte sich auf dem Boden in dem modrigen Raum gebildet und von den halb vermoderten Seziertischen lachten einen die verrotteten Visagen zahlreicher humaner Forschungssubjekte an. Ach, fast schon wie zuhause. Der Zauberer versiegelte zunächst die Tür. Es war kein komplexer Zauber, eine simple statische Falle, die sich damit bemerkbar machte das der Türrahmen in unregelmäßigen Abständen ein paar helle Blitze absonderte. Er würde eine Golemhand auf jeden Fall aufhalte, oder eine moralische Schülerin. Schließlich setzte sich Drazan auf den feuchten Boden, keine Zeit dafür einen Minimum an Komfort herzustellen. Er mochte Aelies zwar nicht sonderlich, allerdings genug, um mit Nichtigkeiten ihr Leben zu riskieren. (Die Definition von Nichtigkeiten ist an dieser Stelle stark schwankend.) Der Zauberer nahm genau zwei tiefe Atemzüge, ehe er die Augen schloss und nach der nächsten Quelle suchte. Wasser gab es hier ja reichlich und zum Glück hatten die Vorbesitzer diese Burg gut gewählt, denn sie hatte ausreichende Ressourcen in der Nähe, um etwas Größeren anzugehen. Die Handflächen des Zauberers drehten sich nach oben, während er schließlich die Energie anzapfte und mit etwas begann, das er noch nie offensiv benutzt hatte – es allerdings erschreckend gut beherrschte. Das Wasser, das seinen schwarzen Stoff benetzt hatte, begann zunächst ein wenig zu schäumen. Anschließend stiegen dunkle Blasen auf, als hätte man es zum sieden gebracht, was es vermutlich recht gut umschrieb. Nebenschwaden stiegen auf, die statt an die Decke in die Hände des Zauberers wanderten und sich dort sammelten. Recht schnell war ihre fahle Farbe in einen dunklen, unnatürlichen Ton umgewandelt während sich immer mehr kalter Schweiß auf dem Körper des Zauberers bildete. Es fühlte sich langsam an, als hätte sein ganzer Körper einen lähmungsähnlichen Zustand erreichte, derart aufreibend war dieser Prozess. Doch er dauerte zum Glück (für Aelies) nicht sehr lange. Schließlich riss Drazan die mittlerweile glasig gewordenen Augen auf, und der angesammelte dunkle Rauch geriet ihm fast außer Kontrolle was darin resultierte das die Masse schlagartig expandierte und fast die ganze Burg in ein dunkles Schwarz tauchte. Als hätte jemand plötzlich das ganze Konstrukt in schwarze Watte gefüllt, doch nur für einige Sekunden. Der Meister fing seinen Zauber wieder ein, der Nebel kroch zurück in die Zelle und dann – endlich – gelang es ihm. Als wäre jede einzelne Leiche in den umliegenden Zellen ein Abzug, kroch der Raus aus den Händen des Magiers in sie herein, wanderte durch Mund und Nase – oder sonstige Öffnungen, die sich durch Verwesung ergeben hatten. Langsam begannen sich die Kadaver zu bewegen, unnatürlich zu zucken während ihre Augen von dem pechschwarzen Nebel gefüllt wurden. Es bewegte sich immer mehr, alles das noch ein halbwegs intaktes Skelett hatte schien die neugeborene Energie aufzusaugen und durch sie immer lebendiger zu werden. Ein Schauspiel das Makabarer wohl nicht sein konnte, als sich unzählige Schatten in den Zellen plötzlich erhoben und stramm dastanden. Drazan war indies dem Kollaps recht nahegekommen. Auch wenn Wasser stets als Quelle empfohlen wurde, hatte auch diese ihre Tücken, wenn man sie überanspruchte und nicht recht zu kontrollieren mochte. Immer wieder musste der Nilfgaarder ausspucken, ganze Schlücke von Wasser, die sich in seinem Mund gebildet hatten. Dann erhob er sich selbst, hustend und ungefähr ähnlich lebendig wie seine Unterstützung. Er trat aus dem Torbogen hervor, Rauchschwaden hinter sich herziehend und deutete schwach auf den Golem. „Deckung.“, brachte er heraus – nicht mal mehr in irgendeiner nordischen Zunge, sondern gleich in seiner Heimatsprache. Mit einem Wisch seiner Hand drehte sich jeder der marionettengleichen Kadaver dem Golem zu, der Nebel flackerte kurz weiß auf als sie das steinerne Wesen anpeilten. Nochmal winkte der Zauberer, dann sprinteten sie einfach los. Eine Horde halbverwester Leichen, die einem Himmelsfahrtkommando gleich den Golem ansteuerten, hinkend, kriechend, irgendwie an ihn herankamen. Die agilsten erreichten ihn recht schnell, sprangen auf seine Schultern und begannen einfach stumpf auf ihn zu schlagen. Mit knochigen Fäusten, die wenig bewirkten aber definitiv nervig waren. Dann erreichten die hinkenden ihn, ihre Arme hielten sich einfach an der erstbesten Auswölbung fest und begannen den Golem zu erklimmen, die Kriechenden brauchten einen ganzen Moment länger – und irgendein Brandopfer war auf dem Weg zu Staub zerfallen, nicht unweit von Aelies. Das Gewicht der Leichen, die sich eigentlich nicht bewegen sollten, war schon bald ausreichend und dem Golem abzulenken, welcher nur noch wild um sich Schlug und manchmal sich selbst erwischte. Vielleicht würden sie ihn sogar irgendwann zu Fall bringen, was Drazan eher bezweifelte, aber auch nicht ausschloss. Als wäre er einer von diesen Dingern hatte sich der Nilfgaarder mittlerweile zu seiner Schülerin geschleppt. „Das ist der richtige Moment, Aelies, um abzuhauen.“, brachte er nach wie vor nicht mehr dem Nordischen mächtig hervor. Fraglich jedoch, ob der Zauberer noch seine eigenen kriechenden Kreaturen einholen könnte in dem Zustand. „Faszinierend, nicht?“ – dafür reichte es aber noch. RE: keys to the castle - Elsbeth - 29.04.2023 Geduld mochte eine Tugend sein, doch Auge in Auge mit einem Golem selbst für den diszipliniertesten Nilfgaarder schwer aufzubringen. Elsbeth hatte keinen Hauch einer Ahnung, worauf sie hier wartete, was Drazan trieb, der sich aus ihrem Blickfeld entfernt hatte und sich damit zumindest für den Augenblick in Sicherheit wähnen konnte. Sie erlaubte es sich zwar, noch einmal einen raschen Blick durch die Halle zu werfen, ehe sie den Golem wieder mit den grünen Augen fixierte. Der kurze Moment, von dem Drazan gesprochen hatte, war vorbei und sie erkannte durchaus an, dass ihr nun tatsächlich etwas sehr ungutes passieren konnte. Auch wenn sie es für wenig wahrscheinlich hielt, dass man von solchen Regungen bei Konstrukten wie diesem reden konnte, schien die Rage des Golems einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Auch wenn in seinem Blick kein Verstand zu erkennen war, verhieß das Glimmen in den trüben Steinaugen keine Verhandlungsbereitschaft, geschweige denn irgendwelche Nachsicht. Nun waren sie Beiden also die Tanzpartner, zumindest bis die versprochene Ablösung auftauchen würde – hoffentlich. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, vertraute sie Drazans Worten, stellte sie nicht einmal für einen Moment in Frage, sondern straffte sich pflichtbewusst. Sie wusste nicht, woher dieser vermeintlich blinde Gehorsam herrührte. Vielleicht war jedem Nilfgaarder eine gute Portion Gehorsam schon mit in die Wiege gelegt worden. Wahrscheinlich hatte auch ihre Ausbildung und der Kriegsdienst etwas damit zu tun. Höchstwahrscheinlich spielte Drazan selbst in dieser Gleichung jedoch auch eine durchaus wichtige Rolle. Mit einer fließenden Bewegung trat Elsbeth einen Schritt nach vorn. Mit einem Wink der linken Hand ließ sie die mittlerweile zu Boden gesunkenen Zeichen und Siegel noch einmal auftreiben, als wäre ein heftiger Windstoß durch die Halle gefahren. Erneut verschaffte diese Ablenkung, die der Golem mit heftigem Brüllen kommentierte, ihr den Moment Zeit, den sie benötigte, um sich in eine bessere Position zu bringen, mit der rechten Hand auszuholen und ein weiteres Mal eine Steinplatte in Bewegung zu setzen – diesmal direkt unter dem linken Fuß des Golems. Der spontane Bruch seiner Standhaftigkeit hatte den gewünschten Effekt: der Golem wankte für ein paar Augenblicke, ehe er in die Knie ging und für einen wichtigen Moment lang verwirrt um sich schlug. Die Reste der Platte ließ Elsbeth mit einer weit ausholenden Bewegung des rechten Armes gegen seinen Schädel donnern. Untermalt von einem ohrenbetäubenden Brüllen räkelte Elsbeth in vermeintlicher Seelenruhe die Schultern, ehe sie nun beide Hände hob und mit konzentriert gewählten Worten einen nicht perfekten aber für den Moment wirksamen Verlangsamungszauber wirkte, der für den Moment verhinderte, dass sich der Golem aufrichtete und auf sie stürzte. Seine Bewegungen wurden zusehends fahriger und gerade als Elsbeth sich gewagt hätte, wieder den Blick vom Feind abzuwenden um sich nach Drazan umzusehen, wurde es schlagartig dunkel um sie herum. Bevor sie die plötzliche Starre, in die sie gefallen war, überwinden konnte, hatte sich der dunkle Nebel um sie bereits wieder gelichtet, konnte sie nur regungslos beobachten, wie sich der Golem langsam aber sicher aus seiner Starre löste. Während ihr Verstand noch damit beschäftigt war, das eben geschehene zu verarbeiten und einzuordnen, wandte sich ihr Blick langsam um, in eine Ecke der Halle, in der sich etwas regte – was sich definitiv nicht regen sollte. „Scheiße…“, entfuhr es ihr fast laut- und ziemlich tonlos, als sie wirklich erkannte, was wirklich um sie herum passierte. Ihre Hände hatten sich derweil kraftlos gesenkt, weniger aus tatsächlicher Erschöpfung als auch schierer Hilflosigkeit der Situation gegenüber, die sie verwirrte und anekelte gleichermaßen. Schier gefangen in der Verarbeitung des Anblicks der Leichen hätte sie Drazan kaum bemerkt, wenn er sie nicht angesprochen hätte. Sie brauchte einen Moment, ehe ihr Blick ihn wirklich erfasste, bevor der plötzliche Angriff der Leichen sie abrupt zusammenfahren ließ. Instinktiv entfleuchte ihr die Beschwörung eines Schutzzaubers, während sie sich mit hochgezogenen Schultern vom Schlachtfeld abwandte. Sie wollte hier weg. Sofort. Auf der Stelle. Ein Golem mochte ein furchteinflößender Anblick sein, doch das, was sich nun dort abspielte, war weit mehr als das. Das war falsch. Und neben der puren Angst, die noch in ihr wallte, gesellte sich direkt eine sehr große Portion Wut und Unverständnis. Genau diese explosive Mischung lag deutlich in ihren Augen, als Drazan neben ihr auftauchte und sie ihm einen kurzen Blick zuwarf. Lang genug, um seinen Zustand zu registrieren und den Anflug einer Sorgenfalte auf ihrer Stirn zu zeichnen, kurz genug, um ihm zu verdeutlichen, dass sie mit alledem so. gar. nicht. einverstanden war. Um irgendwie die Fassung zu bewahren hätte sie gern tief Luft geholt, doch die Umstände ließen sie nur kurz hörbar nach Luft schnappen, während sie gegen die magische Barriere starrte, die ihren Fluchtweg weiterhin versperrte. Diese Aufgabe schnellstmöglich zu lösen war nicht nur eine gute Ablenkung von den Geräuschen und Geschehnissen in ihrem Rücken, sondern auch von Drazan. Gerade hatte sie ihre Hand ausgestreckt und vorsichtig an die Barriere gelegt, als Drazan ihr vorschlug, doch genau jetzt abzuhauen. Statt irgendetwas zu antworten entschied sie sich, einfach die Klappe zu halten, die Kiefer fest aufeinanderzupressen und jetzt nicht direkt eine Diskussion vom Zaun zu brechen, dafür wäre an anderer Stelle genug Zeit. Doch ihre Fassung hielt nur ein paar Sekunden an, bis ihr die verhängnisvollen Worte „Faszinierend, nicht?“, an die Ohren gelangten. Sie reagierte schneller, als sie denken konnte. Während ihre linke Faust mit einem heftigen Ausbruch gegen die Barriere knallte – und glücklicherweise nicht in Drazans Gesicht – schnellte ihre Rechte in seine Richtung und krallte sich grob in seinen Kragen. Ob es seine körperliche Verfassung war oder die Wut, die ihre Kräfte befeuerte, war schwer zu sagen, doch der Ruck in ihre Richtung ließ Drazan wehrlos unsittlich nahe an sie herantaumeln. Der drohende Blick, mit dem sie ihn bedeutungsschwer für eine für die Situation unangemessen lange Zeit bedachte, sollte Warnung genug sein, um jetzt einfach den Mund zu halten. Wie gern hätte sie ihm direkt die Leviten gelesen, doch sie hatte genug Verstand, sich der obersten Priorität – dem Entkommen aus dem Keller – zu widmen. Dennoch löste sie ihren Griff um seinen Kragen nicht. Während sie Drazan mit der rechten Hand weiter festhielt fuhr die Linke prüfend über das Feld, dass ihnen den Weg versperrte und nun doch wieder ihre ganze Aufmerksamkeit einnahm. Suchend, prüfend fuhr ihr Blick hinauf, hinab, nach links und rechts. Nach einem kurzen Räuspern und einem gezwungenen tiefen durchatmen begann sie schließlich, konzentriert auf den Zauber einzureden, ihre Gedanken und Kraft auf die Suche nach seinem Ursprung und dem Ursprung zu schicken. Es fiel ihr nicht leicht, sich nicht von dem Tosen im Hintergrund ablenken zu lassen und dem wankenden Drazan nun gleichzeitig mit ihrem Griff irgendwie Halt zu geben. Obwohl ihre volle Konzentration dem Zauber galt, ließ ihre rechte Hand nun doch von seinem Kragen ab und wanderte an seinem Rücken entlang zur ihr abgewandten Hüfte, um ihm mehr Halt zu geben. Ihre Worte wurden leiser, die Abfolge der Silben schneller, ungeduldiger, bis sie endlich das erlösende Kribbeln in den Fingerspitzen fühlte, ehe sich die Barriere unter ihnen auflöste, wie ein flüchtiger Gedanke. Sogleich gab sie Drazan einen deutlichen Schubs nach vorn Richtung Treppe, folgte seinem Stolpern, ehe sie ihn losließ und sich noch einmal umwandte. Sie erlaubte es sich, noch einen fassungslosen Blick über den Tumult zu werfen, während sie eine neue Barriere erschaffte, die hoffentlich verhinderte, das ihnen IRGENDETWAS aus diesem Keller in den nächsten Minuten folgen konnte. Das bläuliche Schimmern des neuen Schutzzaubers beruhigte sie zumindest ein wenig, als sie sie ihren Blick von den schauderlichen Gestalten riss und sich wieder Drazan widmete. Wieder packte sie ihn, schob ihn wenig rücksichtsvoll den Gang entlang und zwang sich dazu, vorerst selbst nichts zu sagen, bis sie zumindest wieder das Tageslicht erreicht hatten. Glücklicherweise war Drazan erschöpft genug, um keine Gegenwehr zu leisten, auch dann nicht, als sie ihn unsanft die Treppe hinauf bugsierte. Als sie nach schier endloser Zeit endlich wieder im Turm ankamen, übermannte es sie schließlich doch und noch ehe sie tatsächlich zurück an der frischen Luft waren, fanden ihre Hände noch einmal den Weg an seinen Kragen. Ihr unerwarteter Überfall ließ den Zauberer erneut gefährlich wanken und ein paar Schritte zurücktaumeln, ehe das alte Mauerwerk verhinderte, dass er gänzlich den Halt verlor und Beide einfach umkippten. Elsbeth gönnte sich und auch ihm einen einzigen Moment zum durchatmen, ehe sie ihre Fäuste, ohne sie vom Stoff seines Mantels zu lösen, einmal anhob, um sie direkt wieder unsanft auf seinen Schlüsselbeine aufkommen zu lassen. „Was glaubst du, wer du bist?“, entfuhr es ihr schließlich, obwohl sie gar keine Antwort auf diese Frage wollte. Für einen Moment hielt sie noch den direkten Blick in seine Augen aufrecht, aus dem nun neben der Wut auch noch eine deutliche Enttäuschung sprach, die sie schließlich dazu brachte, den Griff von seinem Kragen zu lösen. Sie hob noch einmal ihre rechte Hand, doch statt dem ersten Instinkt, ihm eine Ohrfeige zu verpassen, zu folgen, deutete sie stattdessen nur vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger zum Keller zurück. „Wenn jemand DAS DA herausbekommt…“ Und mit dem Aussprechen dieser Worte wurde ihr bewusst, dass sie nun etwas über Drazan wusste, dass mehr als nur pikant war. Eher… lebensgefährlich. In vielerlei Hinsicht. Und obwohl er ihr gerade irgendwie das Leben gerettet hatte, war sie sich in diesem Moment und mit diesem Bewusstsein plötzlich nicht mehr so sicher, wie es um ihre eigene Sicherheit stand, nun, dass sie Zeugin der Abartigkeit geworden war. Mochte in diesem Moment nur wenig Gefahr von Drazan ausgehen, konnte dies in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussehen. Sie trat einen Schritt zurück, ließ die Hand sinken, ehe sie sich mit einem verständnislosen Kopfschütteln abwandte. „Wir müssen hier weg.“, meinte sie dann nur noch tonlos, ehe sie sich in Bewegung setzte und nun keine Anstalten mehr machte, ihrem einstigen Lehrer weiter zu helfen. |