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Setz‘ dich zu uns, nimm einen Krug und deine Gwintkarten in die Hand. Es sind schwere Zeiten, in denen du zu uns gestoßen bist. Wir schreiben das Jahr 1273 und das Feuer der Hexenjagd hat schon viele Menschenleben verschlungen. Egal ob Mensch, Mutant oder Anderling: Es wird Zeit, dich für eine Seite zu entscheiden. Schmiede mit uns das Schwert des Schicksals neu und verändere mit uns die Politik, um Geschichte zu schreiben.
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The Square › Silver & Steel › Redanien
it comes and goes in waves

it comes and goes in waves
Saskia
Administrator
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#1
23.10.2021, 20:27
IT COMES AND GOES IN WAVES
it always runs back but it's never quite the same


Hier, zwischen all den Menschen, fiel sie nicht auf. Zwischen halbstarken Kindern, Frauen und Männern, im Schatten der Häuser, die zu dieser Stunde auf dem Platz lagen, war sie nicht von den einfachen Bürgern Novigrads zu unterscheiden. Sie war nicht die Einzige, die mit starrer Miene zum Galgen hinaufblickte, an dem schon bald ein junger Mann von kaum mehr als zwanzig Jahren hoffnungslos hängen würde. Saskia hatte zwischen all den johlenden Stimmen, Zwischenrufen und allgemeinen Wortwechseln nicht verstanden, wofür man ihn hängen würde. Doch die Menge hatte dem Richter, einem hageren Mann mittleren Alters, gebührenden Beifall gezollt, als er das Urteil verkündet hatte. Es gab zu viele Taten, die in Novigrad mit öffentlichen Hinrichtungen getadelt wurden, als dass Saskia auch nur eine vage Vermutung hatte anstellen können. Auf einen kurzen Blick des Verurteilten zum Himmel hinauf, hätte man sich einbilden können, einen Blick auf spitze Ohren unter braunem Haar erhascht zu haben. Sie senkte den Blick, presste kurz die Kiefer aufeinander und trat vorsichtig einen Schritt zurück, um zwei jungen Mädchen Platz zu machen, die sich durch die Reihen der Schaulustigen drängten, um besser sehen zu können und näher an den Scheiterhaufen zu kommen, der nur wenige Meter vom Galgen aufgestapelt worden war und auf die nächste Urteilsverkündung wartete.
Es war nicht die Sensationsgier gewesen, die Saskia hergebracht hatte. Sie hatte sich bemüht, genau solchen Großereignissen in den zwei Wochen, die sie bisher in Novigrad verweilte, aus dem Weg zu gehen, große Plätze gemieden und sich auch von Gesprächen, die von Scheiterhaufen und Henkerwerk handelten, ferngehalten. Kein leichtes Unterfangen, denn selbst im Rosmarin und Thymian sprach man zu später Stunde mit zuverlässiger Regelmäßigkeit über die Schande, die sich vor der Tür der hellen Stube abspielte – auch wenn man sich redlich bemühte, dort einen sicheren und vor allem sorgenfreien Hafen für jene zu schaffen, die wenig Freude an brennenden Frauen, hängenden Männern und geköpften Elfen fanden. Es waren auch nicht die Namen der Angeklagten gewesen, die auf einem abgegriffenen, dreckigen Zettel gestanden hatten, den Zoltan ihr vor zwei Tagen gezeigt hatte. Es war wieder einer der Träume gewesen, aus denen sie mit rasendem Herzen und schmerzenden Schläfen aufwachte. Einer der Träume, gemalt aus so präzisen und real scheinenden Bildern und Eindrücken, die zwangen, sie eben nicht als einfache Hirngespinste abzutun. Mal war es eine Feder, die ihr schmerzlich bewusst machte, dass es sich bei ihnen um ein Spiel von Philippa handelte. Mal ein Duft, der an sie erinnerte. Wie auch immer sie es tat – sie tat es verflucht gut.
Fünf dieser Träume hatte sie seit ihrer Ankunft in Novigrad ignoriert. An diesem Morgen hatte sie das erste Mal den Mut fassen können, dem vermeintlichen Hinweis tatsächlich zu folgen. Noch immer war sie sich nicht sicher, worauf sie hoffte: Philippa endlich gegenüber zu stehen. Oder einfach in ihrer Naivität von ihr in die Irre gelockt worden zu sein. Sie hatte keinen Plan für den ersten Fall, weil es so wahnsinnig unwahrscheinlich sein würde, die verfolgte Zauberin an einem Ort wie diesem zu finden. Aber vielleicht würde es einen anderen Hinweis geben. Ein subtiles Zeichen. Vielleicht hatte Philippa sie auch nur hergelockt, um sie zu warnen. Ihr zu zeigen, was sie vielleicht irgendwie hätte verhindern können, wäre sie Philippa nur ein wenig treuer gefolgt.
Das Geräusch des Strickes, der sich unter der Last eines Körpers klagend spannte, riss Saskia aus ihren Gedanken. Sie schluckte schwer beim Anblick des Halbelfen, dessen Glieder sich in einem aussichtslosen Kampf krampfhaft gegen den Erstickungstod wehrte. Sie wusste, dass ein guter Tod am Galgen ein gebrochenes Genick erforderte. Ihm hatte man diese Gnade mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegönnt. Wieder Beifall aus der Menge. Laute Rufe nach Gerechtigkeit. Es fühlte sich falsch an, zwischen ihnen zu stehen, den dummen Schafen, die ihrem Hirten hinterher blökten. Doch selbst Saskia, so jung sie war und die sich von Übereifer nicht freisprechen konnte, war sich ihrer unwichtigen Position im großen Ganzen mittlerweile bewusst geworden. Und auch wenn der Anblick des Gehängten schmerzte, wandte sie sich tatenlos, fast schon gleichgültig ab. Sollte Philippa die anstehende Verbrennung für ein Zeichen nutzen wollen, würde Saskia davon kein Zeuge werden. Sie brauchte keinen Scheiterhaufen, um sich von den vom frischen Abendhauch kalten Hände zu wärmen. Über die Schulter warf sie noch einen Blick auf die Menge, in die langsam Bewegung kam. Nicht alle der Anwesenden würden sich am großen Feuer wärmen wollen und so schloss sie sich dem langsam entstehenden Strom der Menschen zur Stadtmitte an, wartete geduldig mit gesenktem Blick auf eine Lücke in den Reihen und nestelte nachdenklich an den feinen Metallknöpfen der leichten, roten Jacke, die Rittersporn ihr aufgedrückt hatte – um besser ins Stadtbild zu passen. Im ersten Moment hatte sie sogar Gefallen an den goldenen Verzierungen an Kragen und Knopfleiste gefunden, mittlerweile fühlte sie sich schrecklich verkleidet und in ihrer so wertgeschätzten Bewegungsfreiheit beraubt – woran jedoch auch die dichte Menge, durch die sie sich nun langsam schob, wahrscheinlich einen großen Anteil hatte. Es dauerte drei, vier langsame Schritte voran, ehe sie die zwei Knöpfe am Kragen geöffnet hatte und erleichtert nach Luft rang. Die Bewegung kam ins Stocken, ein paar laute Rufe wenige Meter vor ihr ließen auf eine kleine Handgreiflichkeit schließen. Saskia widerstand dem kurzen Drang, doch noch einmal einen Blick zurück zu riskieren und heftete stattdessen ihr Augenmerk stur in den Nacken der Frau, die vor ihr ging und nun ebenfalls lautstark ihren Unmut über die Verzögerung äußerte. Der Tumult schien sich auszubreiten und nur wenige Momente später schob eine schwere Hand Saskia grob aus dem Weg, unter lautem Protest der Umstehenden, denen sie unweigerlich näherkam, als sie wollte. Eine Hand voll Wachen der Kirche schoben sich nun an ihr vorbei, während sie nach der nächstbesten Schulter griff, um nicht gänzlich den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mit einem entschuldigenden Lächeln blickte sie zu dem alten Mann hinauf, der sie unterstützend am Arm gehalten hatte, bedankte sich mit einem matten aber freundlichen Lächeln. Zu viele Menschen hatten die Spur der Wachen genutzt, um sich weiter vor zu drängeln, als dass Saskia einen weiteren Versuch startete, den Platz auf diesem Weg zu verlassen. Kurzerhand wandte sie sich nach rechts, drückte sich mit leisen Entschuldigungen und beschwichtigenden Gesten an den noch verbleibenden Leuten vorbei und hielt auf eine kleine Gasse zu, die ihr zwar einen Umweg aber offenbar freie Wege bescheren würde. Doch sie kam nicht weit.

Das Profil des Mannes für einen Bruchteil eines Augenblickes im Vorbeigehen zu registrieren hatte ausgereicht, dass sich Saskias Arm noch im Vorbeigehen, eigentlich schon einen Schritt an ihm vorbei, nach ihm ausstreckte. Noch während sie ihm den Rücken zuwandte, die Bewegung gen Gasse stoppte, legte sich ihre Linke um sein Handgelenk und der Schwung, der unweigerlich entstand, als sie sich zu ihm drehte, zwang ihn wohl oder über dazu, ihr einen halben Schritt entgegen zu kommen. „Was machst du hier?“ Sowohl aus ihren Augen als auch ihren fast geflüsterten Worten sprach eine deutliche Fassungslosigkeit. Doch bereits im nächsten Augenblick breitete sich der Ausdruck schmerzlicher, stechender Erkenntnis aus, die sich ebenfalls im noch festeren Griff um das Handgelenk äußerte. Ein unerbittliches Heben ihres Armes vor die eigene Körpermitte zwang Drazan auch die letzte Distanz zwischen ihnen zu überwinden. „Hat sie dich geschickt?“ Ihre Stimme bebte, brüchig unter einer Mischung aus plötzlicher, purer Angst und einer leisen Hoffnung, dass ihre Vermutung, die sie bereits vor dem ersten richtigen Blickkontakt mit ihm gefällt hatte, falsch war. Er kannte sie mittlerweile wahrscheinlich gut genug, um die Hitze, die sich von ihren Fingern aus auf seiner Haut ausbreitete, nicht zu ignorieren. Noch immer lockerte sich der Griff nicht – auch wenn es nun weniger aus Angst war, dass er ihr entkommen würde, sondern um sich selbst festzuhalten, dem Gefühl, den nachgebenden Knien folgen zu müssen, entgegen zu wirken. Ihn hier zu treffen, an diesem Abend, war unter keinen Umständen ein glücklicher Zufall. „Du dürftest gar nicht hier sein.“ Ihre Worte waren leise, vielleicht zu leise, dass er sie überhaupt hören konnte und zwischen allen bitteren Gefühlen, die sich flau in ihrer Magengegend niederschlugen, schwang sogar so etwas wie Sorge in ihrem Blick, der sich nun vergewisserte, dass sie sich nicht täuschte und es tatsächlich Drazan Ehrendorn war, den sie an sich gezogen hatte und der sich bei allen alten Göttern überall aufhalten sollte – aber nicht Mitten in Novigrad.
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Drazan
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#2
23.10.2021, 20:27
Es war durchaus ein schwieriges Unterfangen als Weinhändler in der Menge zu toben. Ein Umstand, den er stehts damit auskonterte, einfach überhaupt keine Tarnung aufzulegen. Es war gewiss naiv, zumindest ein kleines Bisschen, zu hoffen man würde ihm im Falle einer Gefangenschaft nicht sofort zuordnen können. Allerdings war das etwas für Geheimdienstexperten und nicht für Büttel Karl der am Tretegorer Tor seit zwei Stunden halb betrunken seine Schicht abstand. Der große Vorteil als Magier in Nilfgaard war ja, dass es eher unwahrscheinlich war das man überhaupt gekannt wurde. Wo sich die Loge in den nördlichen Königreichen an den Banketts die wärmsten Plätze gesichert haben, war es als Zauberer in Nilfgaard doch eher die Brot und Butter Klasse. Der einzige Grund für Drazan überhaupt einmal auf einem Bankett unterwegs zu sein waren diese unsäglichen Familienfeiern, die er in jungen Jahren erdulden musste. Mittlerweile fanden die Einladungen vermutlich den Weg in irgendeine vollgestopfte Ablage für den Fall er würde je wieder die Tore der Akademie durchschreiten. Ein Gedanke an den er bei der momentanen Lage recht wenig Hoffnung verschwendete. Die Chancen standen gut man würde ihn doch irgendwann erwischen, bedachte man die Gesellschaft in der sich aufhielt. Als sei Magier zu sein in diesen Tagen nicht schon ein schlimmes Pulverfass musste er sich nebst allen Gestalten auch noch ausgerechnet mit Philippa Eilhart einlassen die, sobald man sie denn finden würde, alles andere als ein gutes Licht auf ihn werfen würde. Nur ein weiterer Sargnagel den er sich neben Nekromantie, der Politik und der Kaisertreue angelacht hatte. Alles in allem hätte es ein schönes, entspanntes Forscherleben werden können würden mit erhöhter Intelligenz nicht auch irgendwann Ambitionen erweckt werden die Welt zu verbessern und nicht sie ruhen zu lassen. Ob es dort einen Bogen gab? Von Politik ist mir scheiß egal, über ich möchte die Welt verändern bis hin zu allem vernichtenden Zynismus der einen dazu bewegte Bücher im Stile eines intellektuellen Maulhelden zu verfassen das man definitiv am Ende ist, egal wie man es dreht und wendet. Falls dem so ist und als Magier war er schon immer ein schlechter Sozialforscher befand er sich vermutlich auf der Vorstufe zum Zynismus, dort wo die Hoffnungen am Größten sind.

Als er also mit raschen Schritten, langsam ging der Zauberer nur wenn er gezwungen wurde, durch die alles andere als verschlafenen Gassen Novigrads eilte wurde ihm einmal mehr schmerzlich bewusst was für ein harter Griff sich um die Stadt gelegt hatte und was für eine Mammutaufgabe es werden würde, diesen Griff zu lösen. Man konnte es drehen und wenden wie man wollte, das Ziel der nördlichen, südlichen und auch eigentlich jeder anderen Welt sollte es sein das Pack das Radovid um sich geschart hat zu vernichten. Sicherlich würde jeder der die Sache ebenfalls so sieht seine ganz eigenen Ziele verfolgen, doch das Resultat war entscheidend. Radovid drohte die gesamte menschliche Zivilisation in eine barbarische Denunziationskultur zu werfen, alleine was er in Artesua angerichtet hatte würde die Forschung um Jahre zurückwerfen. Schuld waren daran allerdings nicht nur verwirrte Gedanken im Kopf eines Jungen, der vorgab ein Mann zu sein, nein, keinesfalls. Schuld daran waren vor allem die Machtspiele und Ränke, welche die politische Landschaft seit jeher zeichneten. Etwas das es in Nilfgaard ebenso gab wie in Redanien, das Ausmaß war entscheidend. In Nilfgaard mochte man sich die Gunst von kaiserlichen Beamten oder des Hofes irgendwie ermogeln, allerdings ist die goldene Sonne dennoch exemplarisch dafür wie entscheidend eine Vision, knallhart und kompetent ausgeführt, für ein Land sein kann. Radovid setzt seine Vision ähnlich durch, nur ist sie eben furchtbar.

Der ehemalige Leiter des magischen Sonderverbands scheute sämtliche öffentliche Marktplätze, Versammlungsplätze und alles wo man auch nur ansatzweise einen Menschen hinrichten konnte wie eine Katze das Wasser. Man musste sein Glück nicht herausfordernd und er fühlte sich immer ein wenig schelmisch, wenn er so dicht an den Hexenjägern vorbeiging, ganz so als würde er versuchen dem Glück zu sagen: Na, das ist alles? Und die Wette konnte er nur verlieren im Moment, da war er sich sicher. Dementsprechend bevorzugte er Seitengasse, Ströme aus Menschen, die in eine Richtung gingen und die einen nicht zu lange aufhielten. Alles was einem irgendwie aus dem direkten Blickwinkel nahm. Er hatte sogar auf seine schwarze Kleidung verzichtet, um nicht irgendwelche Assoziationen mit Nilfgaard herzustellen, sondern sich stattdessen in irgendeinen schlammbraunen Aufzug geworfen den er immer mehr bereute. War er nicht nur modisch eine absolute Katastrophe, auch der Sitz war keinesfalls mit den Samt, Seiden und weiß der Teufel noch was in so einer vernünftigen Kleidung drinsteckte zu vergleichen. Das Ziel seines Tages war tatsächlich relativ harmlos, brauchte er nur einige grundlegenden Utensilien die wenig bis gar keinen verdacht erregten. Silberbesteck, Kreide, Kerzen nichts was sofort die Hexenjäger auf den Plan rief, vorausgesetzt man kaufte nicht alles auf einem Schlag beim gleichen Kaufmann.

Als er also, lediglich mit dem Ziel und einigen Gedanken vor Augen, eine vergleichsweise angenehm zu durchgehende Gasse durchstreifte riss ihn ein Griff um sein Handgelenk aus jeglichen hochwichtigen Gedanken welche der Zaubere zu jederzeit hegte. Er hatte den Reflex jeden sofort anzugreifen der ihn unsanft anfasste mittlerweile durchaus im Griff, würde es durchaus Aufsehen erregen, wenn es mitten in einer Menschenmenge plötzlich gewitterte. Dennoch, die freie Hand war beinahe zeitgleich an dem Stilett, das er unter seiner Kleidung verbarg bevor er realisierte das es sich um eine Frau handelte, die ihn gegriffen hatte. Er hatte weder Lust auf Prostituierte noch auf irgendeine Affäre, die vermutlich die Einzigen wären die einen Grund hätten ihn irgendwie anzusprechen. Gleichsam war ihm die Stärke, mit der die andere Person ihren Griff vollführte etwas rätselhaft, Waschweiber waren keinesfalls zu unterschätzen. Diese Person hingegen jedoch…passte so gar nicht in das Profil und erst nach einigen Momenten dämmerte ihm auch die einzig richtige Erklärung für diesen Zusammenstoß.

Es passte ihm ganz und gar nicht auf einer Armlänge an irgendeine Person gekettet zu sein, war er doch kein Freund von Körperkontakt jeglicher Art. Als er sich nun machtlos in der Situation sah noch näher herangezogen zu werden, stellte sich das Gefühl eines persönlichen Angriffs ein, der sogleich mit einem Schub Adrenalin von seinem Körper quittiert wurde. Er konnte den beschleunigten den Puls und die tanzenden Adern beinahe unter seiner Haut spüren. Den heraufbrausenden Sturm ließ er allerdings verborgen, zeigte nur Irritation über die getätigten Aussagen. Die Definition von Subtil sah in der Tat anders aus und er würde dieses Gespräch liebend gerne wo anders führen aber nun, man musste die Feste feiern wie sie fielen. „Nun…“, eröffnete er, „Im Moment schicken mich nur meine eigenen zwei Füße, gelenkt von meinem brillierten Geist.“ Er lächelte trocken, einmal mehr die Mauer des Sarkasmus vor irgendwelchen Gefühlsregungen aufbauend. „Zwar ist Novigrad derzeit durchaus…etwas überbevölkert, allerdings habe ich meine Papiere ordnungsgemäß wie jeder andere Bürger dieser Stadt ausgefüllt. Rechtlich gesehen darf ich also durchaus hier sein.“ Als würde er auch nur eine Silbe missen, wenn er Saskia, dem Drachen, gegenüberstand. Dazu war ihm die eigene Haut dann doch etwas zu wichtig und es passte ihm nicht im Geringsten ein so baldiges Widersehen unter den Gesetzen des Zufalls abhalten zu müssen und nicht, wie es schon immer in ihrer Beziehung der Fall gewesen war, die Situation genaustens zu kontrollieren. Sein Gehirn war nun sehr bemüht, die optimale Lösung zu errechnen um die Aufmerksamkeit, welche die Beiden zweifelsohne erlangt hatten zu verlieren und gleichsam die Situation irgendwie zu entschärfen. Er entschied sich zu einer Gefühlsregung, von der Beide exakt wussten das sie gespielt sein würde und dennoch brachte er das folgende „Mensch! Sophie! Schön dich zu sehen, du hast aber ein bisschen zugenommen seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben, oder?“ mit einer Überzeugung heraus die bestimmt jeden Theaterschauspieler vor Neid hätten erblassen lassen. Etwas ungeniert versuchte er dann sein Handgelenk zurückzuziehen, in der Hoffnung man bestünde nicht darauf ihm die nächsten vier Stunden festzuhalten. Als ihm das allerdings nicht gelang, entschied er sich für Plan: Was mach ich hier eigentlich und versuchte sich stattdessen unterzuhaken. Er hatte als Weinhändler ja durchaus Etikette, freundschaftliches Auftreten und noch so einiges mehr lernen müssen. Da konnte man die Talente ja auch etwas nutzen. Untergehakt wie die besten Freunde ging er langsam weiter, irgendwohin wo man in Ruhe reden konnte. Einfach zu verpuffen war bestimmt auch eine super Idee, allerdings doch eher schwierig umzusetzen. Unter einem Torbogen vor irgendeiner Sackgasse hielt er dann schließlich an, seufzte, und versuchte sich nun bestimmter loszureißen. „Ich weiß nicht.“, sagte er dann knapp, „Aber es scheint mir als würde die ganze Welt versuchen nach Novigrad zu kommen.“ Als hätte er das schlimmste Leid der Welt erlitten massierte er sich die Schläfen. „Nun gut. Ja, ich bin in der Tat in Novigrad. Weit weg von jeder Front, ein friedlich lebender Bürger der Stadt.“ Konnte der Mann auch was anderes als Sarkasmus? Bestimmt. Wollte er etwas anderes als das zeigen? Auf gar keinen Fall. Er konnte Saskia nicht sagen das er tatsächlich froh war sie unbeschadet zu sehen und ihr anraten, die Stadt schleunigst wieder zu lassen. Wenn nicht wegen den Hexenjägern, dann vor allem wegen der lauernden Philippa die wie eine kleine Webspinne Saskia immer noch in ein breites Netz gelegt hatte und nur darauf warte das ihre Beute zuckte und sich damit verriet. Schändlicher weise hatte er auch keine Antwort darauf, wie man dieses Problem akkut lösen könnte. „Ich denke ehrlich gesagt, DU solltest nicht hier sein.“ Erwiderte er dann die Phrase von vor einigen Minuten.
[Bild: drazan_sig.png]
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Saskia
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#3
23.10.2021, 20:28
Saskia mochte nicht zu den absoluten Menschenkennern gehören, die mit wenig Aufwand hinter die Fassade eines Gesichts blicken konnten oder gut darin waren, Gedanken zu erraten. Doch mit Drazan hatte sie genug Zeit verbracht, um ihn zumindest halbwegs einschätzen zu können – das dachte sie zumindest. Doch die Tatsache, dass er sich in Novigrad aufhielt, ebenso wie Philippa Eilhart, ließ sie misstrauisch bleiben und so war die Erleichterung, die seine Worte auf ihre Frage in ihr auslösen hätte können, nur halbgar. Dennoch schien mit jeder Sekunde, in denen sich Saskia über die Tatsache bewusst war, dass er unversehrt, lebendig und offenbar ganz der Alte war, eine gewisse Ruhe in ihren Geist zu ziehen, die das Unwohlsein der überraschenden Erkenntnis deutlich abmilderte.

Sein Lächeln erwiderte sie mit einem schon fast vorwurfsvollen Blick, denn seine Gabe, viele Worte zu sagen und dabei keine hilfreiche Aussage zu treffen, hatte sie von Anfang an immer wieder an den Rand der Verzweiflung getrieben – dabei überhörte sie seine Selbstgefälligkeit schon ohne Weiteres und hatte schnell aufgehört, sich über diese zu ärgern. Und wenn sie im letzten halben Jahr etwas gelernt hatte, dann, dass es für sie quasi unmöglich war, Drazan in seinem Redefluss zu stoppen oder ihm mit ebenso vielen Worten die Stirn bieten zu wollen, ohne sich dabei unweigerlich mehrmals zu wiederholen oder abzuschweifen, denn sein Wortschatz und sein ganzes Formulieren war dem ihren einfach viele Jahre, Bücher und Diskussionen voraus. Im Vergleich zu ihm hätte man Saskia gut und gern als mundfaul beschreiben können – doch eigentlich lag ihr wahres Können darin, die richtigen Worte ohne Umschweife zu finden und somit nicht das Einschlafen des Gegenübers zu riskieren. Und so neigte sie nur kurz den Kopf zur Seite, und nickte mit einem beschwichtigenden Nicken. „Etwas Anderes hätte ich von dir auch nicht erwartet.“, meinte sie dann mit einem leichten Anflug eines Schmunzelns. Etwas anderes wäre ihr kaum in den Sinn gekommen, schließlich stand sie keinem sprunghaften oder gar spontanen Elf gegenüber, sondern Drazan Ehrendorn, der ihr wahrscheinlich minutiös den Weg, den er von Vergen bis hier gereist war rekonstruieren konnte, wenn sie ihn danach fragte und ebenso genau um die Anzahl der Schritte wusste, die er in der letzten Stunde getätigt hatte. „Das beantwortet-“ Er unterbrach sie jäh mit einem Ausbruch schauspielerischer Höchstleistung, die Saskia bereits in der ersten Sekunde mit einem tiefen Seufzen und einem leichten Augenrollen kommentierte, auch wenn seine Aussage sie für einen kurzen Augenblick prüfend an sich herabsehen ließ, was nun auch dazu führte, dass sie etwas mehr Distanz zwischen sich und Drazan brachte und tatsächlich den Griff um sein Handgelenk etwas lockerte. Ihre Augenbrauen zogen sich ernster zusammen, als vielleicht angebracht, während sie fragend zu ihm aufblickte, wobei kaum ersichtlich war, ob sie seine Überschwänglichkeit oder seine Aussage mehr irritierte. Doch wie üblich kam sie nicht dazu, großartig zu reagieren – wie üblich übernahm der Zauberer nämlich das Kommando, hakte sich fest bei ihr unter und führte sie zielstrebig…. Wohin auch immer.
Saskia hielt den Mund, denn die Monate in nilfgaardischer Gefangenschaft hatten ihr beigebracht, dass es gewisse Reaktionen und Taten gab, die das selbe bedeuteten wie ein scharf tadelnd gezischtes „Das ist jetzt nicht der passende Zeitpunkt/Ort/Tonfall/Stand der Sterne/wasauchimmer“ und sie zu Stille und Folgsamkeit brachten – zuletzt jedoch nicht ohne ein unterdrücktes Lächeln, das sich sowohl an den Mundwinkeln als auch in den Augen zeigte, denn was für den Einen oder Anderen nach gehorsamem Duckmäusern aussehen mochte, war Saskias eigener, irgendwie dankbaren Zurückhaltung zugunsten von Harmonie und Ausgeglichenheit geschuldet, denn schon das erste Aufeinandertreffen der beiden Sturköpfe hatte ihr aufgezeigt, dass sie eigentlich nur ein wenig Selbstbeherrschung brauchte, um Drazan soweit zufrieden zu stellen, dass er ihr nicht mit Demeritiumfesseln oder anderen Torturen drohte und unter solchen Umständen durchaus… umgänglich war. Sicher hatte es Momente gegeben, in denen die Beiden kurz davor gewesen waren, sich die Köpfe einzuschlagen – nur um sich dann einzugestehen, dass emotionale Ausbrüche kaum zielführend waren und vor allem Saskias eigenes Leben doch irgendwie von dem Wohlwollen des Schwarzhaarigen abhing. Und auch wenn dies jetzt nicht mehr grundsätzlich der Fall war, immerhin war Saskia offiziell so frei, wie sie wohl nie gewesen war – sie wusste um Drazans korrekte Einschätzung von Situationen und beneidete ihn vielleicht im Stillen darum, die Sinne immer soweit beisammen zu haben, um möglichst wenig Fehler zu machen – wenn überhaupt. Vielleicht ließ sie sich deshalb ohne Widerworte und ohne ein widerwilliges Zucken oder Zögern von ihm führen, obwohl sie selbst keine Bedenken gehabt hätte, einfach an Ort und Stelle weiter zu reden. Dass er ausgerechnet einen Torbogen als sichereren Ort auserkoren hatte, kommentierte Saskia nur mit einem prüfenden und abschätzenden Blick in alle Himmelsrichtungen und ein angedeutetes Schulterzucken, bevor sie wieder zu ihm hinauf blickte und schließlich mit einem fast entschuldigenden Abwenden des Blicks seinen Arm freigab, den sie nun geraume Zeit für sich beansprucht hatte. Sie hatte seine persönliche Komfortzone nie in Frage gestellt, jedoch schnell den Vergleich mit anderen Menschen gezogen und sie für ‚außergewöhnlich‘ eingestuft, denn während Saskia instinktiv die Nähe zu Personen suchte, die ihr nahestanden, hielt Drazan alles und jeden konsequent auf Abstand und schien oftmals sogar persönlich beleidigt, wenn man es wagte, ihm auch nur den Hauch einer freundlichen Annäherung zuteilwerden zu lassen.

Standen sie und er sich denn nahe? Aus ihrer Sicht durchaus, immerhin gab es in ihrem kurzen Leben nur wenig Beständigkeit, sodass sie seine monatelange fast tägliche Gesellschaft durchaus als wertvoll und nun, einzigartig betiteln konnte. Bei seiner Ansicht war sie sich wiederum nicht sicher. Und so tat sie ihm den Gefallen, ein Stück von ihm weg zu rücken, wie unabsichtlich, um die Arme vor der Brust zu verschränken und die Umgebung noch einmal intensiver in Augenschein zu nehmen und einen kleinen Stein, der in unmittelbarer Nähe lag, mit der Stiefelspitze ein Stück weiter zu treten und Drazan dabei den Rücken zuzuwenden, ohne jedoch gänzlich die Aufmerksamkeit zu verlieren. Sie nickte mit einem leisen Lächeln auf seine Feststellung hin, dass ausgerechnet Novigrad derzeit die Leute anzuziehen schien, die sich weit von der Stadt fernhalten sollten und warf ihm über die Schulter hinweg dann einen kurzen, prüfenden Blick zu. Friedlich lebender Bürger der Stadt? Im Grunde genommen wusste sie nicht einmal, was das bedeutete doch aus seinem Mund klang es ähnlich absurd, als hätte er ihr gesagt, dass er nun auf dem Land leben und vom Ackerbau leben würde. Sie wollte ihm die Fähigkeit, gut zu lügen, nicht absprechen, doch selbst gute Schauspielkunst konnte Äußerungen nicht plausibel machen, die seinem Charakter dermaßen widersprachen. Sie trat erneut nach dem Stein, die Stirn nachdenklich in Falten gelegt. “Ich denke ehrlich gesagt, DU solltest nicht hier sein.“ Sie hielt einen Moment inne, fuhr sich mit der Zungenspitze über die Lippen und wandte sich dann mit gehobenen Augenbrauen zu ihm um und zog scharf die Luft ein. „Ich habe mindestens genauso viel Grund wie du, hier zu sein.“, antwortete sie dann und wirkte dabei, als hätte er sie beim Betreten verbotener Räume erwischt, „Ich… suche jemanden.“ Sie holte tief Luft, weil sie ahnte, dass er etwas ahnte, vermied den direkten Blick in seine Richtung und verbesserte sich sogleich, „…suche Etwas. Einen Drachen. Auf König Stennis Befehl hin.“ Ihr Tonfall und der vielsagende kurze Blick, sowie das natürlich rein zufällige Kratzen an der Stirn sollte ausreichen, um ihn die richtigen Schlüsse auf diesen seltsamen Auftrag hin ziehen zu lassen. „Ich bin nur auf der Durchreise.“, fügte sie dann an, sie musste ihm ja nicht auf die Nase binden, dass sie sich schon ein wenig länger in Novigrad aufhielt und sich zu gewissen Aktionen verleiten lassen hatte. „Umso… erstaunlicher, dass wir uns zufällig über den Weg laufen.“ Sie atmete hörbar aus und wandte ihren Blick von den grob begradigten Steinen, aus denen der Torbogen bestand, nun wieder auf Drazan. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er nicht das typische Schwarz trug und in seiner aktuellen Kleidung irgendwie… falsch wirkte. Irgendwie genau so, wie sie sich in ihrer roten Jacke fühlte: verkleidet und der liebgewonnenen Gewohnheit irgendwie entrückt. An einem anderen Tag hätte sie jetzt laut gelacht, an diesem einbrechenden Abend jedoch hielt sie den kurzen Anflug von amüsiertem Spott zurück. „Dein Leben als friedliebender Bürger geht offenbar mit einer modischen Neuerfindung deiner selbst einher?!“, fragte sie dann bemüht ernst, „Du solltest dich an etwas mehr Farbe wagen, das Braun passt nicht zu deinen Augen.“ Offenbar hatte sie zu viel Zeit mit Rittersporn verbracht, denn Saskia selbst hatte weder ein äußerst ausgeprägtes Empfinden für bunte Farben oder gar deren Kombinationen – doch seltsame Phrasen, die konnte sie sich merken.
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Drazan
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#4
23.10.2021, 20:28
a, es war gewiss eine der besseren Eigenschaften des Zauberers möglichst Nüchtern an alle Situationen heranzugehen. Das Überfordert sein, weil einem die Gefühle plötzlich übermannten, kannte er nur äußerst selten. Jedes Mal wenn es bisher dazu gekommen war, war das Ergebnis nicht zufriedenstellend und die Aufräumarbeiten fraßen mehr Kapazitäten als notwendig gewesen waren. Ja, in seinem Kopf ist Rationalität immer den eigenen Gefühlen vorzuziehen. Nüchtern betrachtet waren Probleme oftmals um so einiges simpler. Leider funktionierte dieses Schema nicht immer, auf Saskia war es nur in den seltensten Fällen anzuwenden. Auch nicht die Regungen die er in ihrer Nähe verspürte vermochte er nicht neutral zu analysieren. Er hatte den lebenden Drachen vor, zumindest gefühlt, einer halben Ewigkeit kennengelernt in einer Zeit wo man noch Glauben hatte diesen Krieg gewinnen zu können. Seitdem hat sich die halbe Welt verändert. Die Nordlande waren nun wirklich einmal Vereinigt, naja, jedenfalls so halb – Nilfgaard wurde trotz aller Prognosen zurückgeschlagen worden, sie hatten sich trennen müssen und ein ganzer Haufen von Anderlingen und Zauberer musste sein Leben lassen um den abstrusen Racheplänen des Strengen gerecht zu werden. Ja, es lief alles andere als optimal. Umso besorgter war er das Saskia nun in der Stadt war. Ja, besorgt war tatsächlich das richtige Wort. Nicht nur strategisch sollte es schwierig werden, wenn Saskia jemals wieder irgendeiner Fraktion in die Hand fiel sondern auch emotional. Und das war der Punkt der ihn besonders störte. Gefühle. Freundschaft. Dinge von denen der Zaubere wirklich keine Ahnung hatte.

Umso erfreulicher war es für Drazan, sich nicht mit diesen Dingen auch noch eingehender im Gespräch befassen zu müssen. Instinktiv rückte die Jungfrau von Aedirn weg, auch wenn es gar nicht nötig war, hatte der Zauberer doch schon in der Sekunde wo man ihn hat lassen einen diskreten Abstand hergestellt. Mit einem kritischen Blick verfolgte er die Flugbahn des Kiesels den die Kriegerin durch die Straße tat, überlegte sich welche Berechnungen man wohl treffen musste um herauszufinden wo er als nächstes landen würde. Bloß über keine Dinge die wirklich wichtig sein könnten nachdenken. Bei den Worten Drachen suchen und König Stennis konnte sich der Schwarzhaariger ein Schmunzeln nicht verkneifen „König Stennis….er darf sich immer noch als Royal betiteln, wenngleich er deutlich bewiesen hat wie wenig Talent ihm dazu in die Wiege gelegt wurde? Eine Schande. Mir wäre es ja ein Dorn im Auge, einen Titel nur wegen der Gnade eines anderen Königs tragen zu dürfen.“ Er mochte Stennis nicht besonders und er konnte nicht einmal wirklich sagen, wieso. „Einen Drachen suchen.“, wiederholte er dann langsam, „Auf dem Markt wurden einige Handspiegel angeboten, ich kann dir gerne einen schenken falls du dich suchst.“ Ja, das war wohl ein Scherz des Zauberers. An der Humorfront gab es auch noch einige Dinge zu tun, die überarbeitet werden wollten.

Akkurat versteifte er seine Haltung und verschränkte die Hände hinter dem Rücken. Als würde gleich der Kaiser vorbeilaufen um seine Truppen zu inspizieren stand er da, völlig anders als die Haltung die er sonst als Weinhändler an den Tag legte. Bei dem Kommentar auf seine Kleidung schaute er kurz an sich herab und seufzte dann. „Neufindung…nein, es ist eher ein Kostüm. Schwarz ist eine so viel praktischere Farbe als Rot. Es speichert die Wärme besser, verbirgt die Konturen und man ist Nachts schwer zu erkennen. Aber Braun und Weinrot…“ Er zuckte mit den Schultern. „Nunja, was man eben so tut um nicht aufzufallen, nicht wahr?“ Ein leichtes Lächeln zeigte sich auf den Lippen des Mannes. „Normalerweise habe ich noch eine andere Frisur und Haarfarbe…und verkaufe Wein.“ Er nickte mehrmals. „Ich habe mir ganze 20 Witzebücher und einen Haufen von Erzählungen einverleibt um ein angenehmes Konversationsthema finden zu können. Es war furchtbar. Es gibt so einen Dichter…Rittersporn oder so ähnlich…“ Der Zauberer fuhr sich durch das Gesicht, in der Hoffnung Saskia könnte den Schmerz den er bei dem Gedanken an diese Werke fühlte nachvollziehen. „Es war furchtbar. Aber ich hoffe doch, meine Bemühungen werden in dieser Stadt Früchte tragen.“
[Bild: drazan_sig.png]
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Saskia
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#5
23.10.2021, 20:28
Saskia schwieg einen langen Moment. Sie hatte Stennis kaum etwas vorzuwerfen – es gab halt Menschen, die dazu geboren waren, Königreiche anzuführen und solche, die durch eine harte Schule gehen mussten, um solche Aufgaben halbwegs elegant zu meistern. Auf ihn mochte Letzteres zutreffen, doch allein die Tatsache, dass er ihren Plänen für die freie Niedermark nicht entgegengestanden hatte, hinterließ in Saskia wohl auf ewig eine gewisse Schuld, die sie kaum begleichen konnte. „Du weißt ganz genau, wie sehr Aedirn unter der Invasion gelitten hat.“, meinte sie dann ernst, ohne ihn anzusehen. Sie war versucht, ihn daran zu erinnern, dass es auch seine Magier gewesen waren, die durch ihre Heimat gezogen waren und sie letztendlich verbrannt und geschunden zurückgelassen hatten. „Ich kann es ihm kaum verübeln, dass er für sein Königreich nun nach Frieden sucht, Gnade eines anderen hin oder her.“ Sie wollte Drazan damit keinen Vorwurf machen, doch vielleicht ein wenig Verständnis suchen, obwohl sie wusste, dass es vergebens sein würde. Was ihm das Kaiserreich und der Kaiser war, war ihr nun vielleicht Aedirn und Stennis, jetzt, wo es die freie Niedermark nicht mehr gab und sie von Stennis schmerzhaft degradiert worden war. Immerhin hatte er sie nicht als Verräterin an den Galgen geliefert. „Ohne die Gnade von ihm und einigen anderen wäre ich wohl auch nicht hier.“, fügte sie dann mit einem matten Lächeln an, als sie den Blick wieder hob und Drazan wieder ansah. Und ihn vielleicht sogar auch damit meinte. „Ob ich tatsächlich mich suche, kann ich nicht einmal sagen. Die Gerüchte sind sehr vage, zumal ich mir nichts von dem vorwerfen kann, was dem Drachen angelastet wird. Ich vermute, die verbrannten Leichen gehen auf die Kappe solcher, die wesentlich menschlicher sind als…“ Sie fügte dem Satz das fehlende ich nicht mehr an, weil ihr der eigene „Makel“ einerseits unangenehm war und Drazan eh wusste, worauf sie hinauswollte. Sie schlug sein scherzhaftes Angebot vielleicht eine Spur zu ernst aus. „Rein körperlich, meine ich.“, fügte sie dann an, denn das, was hier auf den Scheiterhaufen geschah, hatte kaum etwas mit Menschlichkeit zu tun. Die prompte Empörung und Wut, die in ihr bei diesen Worten aufkam, überraschte sie selbst. Offenbar hatte sie sich die Ereignisse in der Stadt, nein, im ganzen Königreich, doch mehr zu Herzen genommen, als sie sollte. Die instinktiv geballten Fäuste, die sich nun wieder lösten, waren für ihn in der Verschränkung ihrer Arme wohl deutlich sichtbar gewesen. Es war nur schwer für sie zu verstehen, wie die Hexenjäger, die Stadtwachen, ja auch der König mit der Last leben konnten, Menschen, Zauberinnen und Anderlinge ganz bewusst und mit Genugtuung zu verbrennen, während sie die Schuld, die sie in ihrer natürlichen Gestalt auf sich geladen hatte, mehr als nur ein wenig belastete. Sie seufzte schwer, winkte mit einem angedeuteten Kopfschütteln ab, der leisen Ahnung wegen, dass dieses Thema durchaus Konfliktpotential mit sich brachte, dass sie unter diesen Umständen nicht ausschöpfen wollte.

Und so war sie ihm doch dankbar, dass er ihr nun sein Leid über seinen Versuch, gesellschaftsfähig zu werden, klagte. Mitleid konnte sie dafür natürlich kaum aufbringen, doch ein ehrliches Verständnis, in Sachen Verkleidung und „Nicht auffallen wollen“ hatte sie nach all den Jahren durchaus Übung. Dass er jedoch so um seine schwarzen Kleidungsstücke klagte, ließ sie kurz amüsiert schmunzeln. Ihr hatte man immerhin beigebracht, dass Schwarz einer Farbe der Trauer war und so hatte sie sich stets tunlichst bemüht, eben diese zu meiden und eben nicht zu tragen, so es denn nicht angebracht war. Bis sie ihn kennen gelernt und sich eines Besseren belehren hatte lassen müssen. Tatsächlich hatte sie sich sogar irgendwie darüber gefreut, dass man ihr in Aedirn eine schwarze Lederrüstung übergeben hatte, die sie auf ihrer Suche nach dem Drachen halbherzig schützen sollte – vielleicht, weil es sie an Drazan erinnert hatte. Robusteres war man als einfache Kommandantin nicht wert, aber immerhin. Sie nickte gespielt mitfühlend, während er sprach und zog dann skeptisch die Augenbrauen zusammen. Andere Haarfarbe? Wein verkaufen? Offenbar war Saskia zu gutgläubig und unvorsichtig oder Drazan einfach paranoid – die Wahrscheinlichkeit, dass ihn hier in den Nordlanden jemand erkannte, war doch noch wesentlich geringer als die, dass man ihr Gesicht der Jungfrau von Aedirn zuordnete. Wieder stieg das Misstrauen in ihr auf. Für ein friedliches Leben solch ein Aufwand? Ihr Kopf legte sich leicht schief, während sie ihren Blick noch einmal über ihn schweifen ließ, sorgfältig, aufmerksam, der Etikette nach ungeniert doch für sie typisch. „Das ist viel Aufwand dafür, dass du hier in Ruhe leben möchtest.“, konstatierte sie dann nachdenklich. In Summe war es doch verdächtig. Kein Schwarz mehr. Lektüre, die Rittersporns lyrische Ergüsse beinhaltete. Sie nickte langsam. „Ich kann ihn dir gern persönlich vorstellen.“, meinte sie dann und wäre das Misstrauen nicht derartig präsent gewesen, hätte sie über die Vorstellung, Drazan mit dem Barden bekannt zu machen, laut gelacht und 100 Oren darauf gewettet, dass der Zauberer es keine fünf Minuten mit ihm an einem Tisch aushalten würde. „Rittersporn, meine ich.“ Sie hob in stummer Aufforderung eine Augenbraue. „Wenn es deine… Bemühungen und Zeit denn zulassen? Ich denke, sein Gasthaus kann guten Wein gut vertragen, so rein geschäftlich kann ich da sicher etwas für euch arrangieren?“ Sie war ihm nun nähergekommen und alles an ihr, Haltung, Mimik sprach deutlich dafür, dass sie ihm nicht so ganz glauben wollte. Eigentlich kein Wort davon. „Warum bist du hier, Drazan?“, fragte sie dann noch einmal.
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