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Setz‘ dich zu uns, nimm einen Krug und deine Gwintkarten in die Hand. Es sind schwere Zeiten, in denen du zu uns gestoßen bist. Wir schreiben das Jahr 1273 und das Feuer der Hexenjagd hat schon viele Menschenleben verschlungen. Egal ob Mensch, Mutant oder Anderling: Es wird Zeit, dich für eine Seite zu entscheiden. Schmiede mit uns das Schwert des Schicksals neu und verändere mit uns die Politik, um Geschichte zu schreiben.
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The Square › Silver & Steel › Redanien
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Drazan
Administrator
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#11
23.10.2021, 21:12
Er hatte eigentlich erwartet, dass Aelies die Sinnhaftigkeit seines Vorschlages einsehen würde. Jedoch hatte die Schwarzhaarige, das hatte sie nun schon mehrmals bewiesen, scheinbar durchaus einen eigenen Kopf entwickelt – nur hatte er ihn schon etwas länger. Dementsprechend hatte er nur ein müdes Lächeln für die voranschreitende Zauberin übrig, nickte eher zu sich selbst und bog dann scharf links ab – nicht einmal im Traum daran denkend, ihr Beistand zu leisten. Hatte er durchaus eine sehr gute Vorstellung, was sich hinter dieser Tür, welche sie plante aufzubrechen befinden würde. Das war auch das Problem eines jeden Tresors und einer jeden Schatzkammer – ein Kelch verwitterte irgendwo im tiefsten Wald in den Boden verbuddelt zwar etwas, blieb dort allerdings, wenn man tief genug gegraben hatte mehrere Jahre, ohne das ihn jemand auch nur zu Gesicht bekam. Ein Tresor hingegen, nun ihm war von keinem bekannt welcher nicht zumindest einmal versucht wurde aufzubrechen. Dementsprechend würden die Hexenjäger natürlich zuerst in der Abteilung suchen, welche vor Studierenden geschützt war und sich nicht die Mühe machen, sich durch tausende Bücher zu wälzen. Er hatte den Verdacht, die Gelehrten der Akademie würden das ebenfalls gewusst haben und hoffte insgeheim darum, sie wären schlau genug gewesen einige wichtige Werke hinter anderen in den zahlreichen Regalen zu verstecken.

Große Bibliotheken waren für Zauberer nichts Besonderes, allerdings versprachen sie immer ein erhebliches Maß an Arbeit. Zum Glück war die nun gejagte Minderheit ein gewitztes Volk, weshalb es zahlreiche Zauber gab, die zur Indexierung und Findung von Dingen geeignet waren. Deswegen war das Filtern der Bücher der erste wichtige Schritt. Er blieb mitten in einem Gang stehen, atmete tief durch und hatte nun eine Konzentrationsaufgabe gewaltigen Ausmaßes vor sich, einerseits musste er klar und deutlich die Frage nach der Widerherstellung des Augenlichts lenken, gleichzeitig elementare Energie ziehen – er bevorzugte in diesem Fall den Wind – und das ganze auch noch irgendwie zu einem Zauber formen. Es dauerte einige Minuten, wobei die Geräusche von Aelies gewaltsamen Eindringen nicht gerade hilfreich war, bis er wirklich so weit war das er beginnen konnte. Quasi die erste Rechnung in einer ganzen Formel. Zunächst wurde einiges an Staub aufgewirbelt, als die Luft in dem Raum sich unnatürlich zu bewegen begann, geradewegs auf den Zauberer zu. In einem kleinen Vortex aus nun doch durchaus kräftigen Winden, welche leider nicht in der Lage waren den Schweiß auf seiner Stirn zu verjagen, balancierte er die elementaren Kräfte, impfte ihnen gleichzeitig die Fragen und Suchbegriffe ein, welche er hoffte zu finden. Er brauchte für diesen Zauber logischerweise wirklich einiges an Zeit, Zeit in der sich nicht im Geringsten um Aelies kümmerte – wie auch, war es ja schlicht unmöglich dabei auch noch an die Schwarzhaarige zu denken.

Mit einer finalen Handgeste verzogen sich die Winde in gleichmäßigen Strömen, allesamt vom Zauberer ausgehend – beinahe unendlich war eine deutliche Zugluft von seinem Standpunkt aus zu verschiedenen Werken zu spüren. Da man Wind nicht sehen konnte, zog er eine kleine Spielerei aus der Tasche, eine lange weiße Kerze welche allerdings so präpariert war definitiv mehr Rauchentwicklung aufzuweisen als man es normalerweise gewohnt war. Er zündet die Kerze an und folgte dann dem ersten Luftstrom, welchen den Rauch hinfort trug, hin zu seinem ersten Werk. Es war eine allgemein medizinische Schrift und er vermutete dort lediglich Informationen zu Augenverletzungen zu finden, nicht unbedingt das wonach er suchte. Er ging den Weg zurück und widmete sich dem nächsten Luftstrom, in der Hoffnung ein passenderes Werk zu finden. Das nächste hatte sich tief hinter gleich mehreren Wälzern versteckt, die so aussahen als wären sie kürzlich bewegt wurden. Vielleicht ein Hinweis auf ein Versteck? Tatsächlich fand er ein alchemistisches, von den Hexenjägern nicht gemochtes, Werk zu Regeneration welches er sogleich einpackte. Weiter und weiter suchte er, nahm sich hier und dort einen dicken Schinken ehe sein Luftstrom ihn zufällig an der aufgebrochenen Tür vorbei führte. Bereits mit eigenen Werken auf dem Arm, auf denen er seine Rauchkerze balancierte hielt er kurz inne. „Etwas gefunden?“, rief er in den Raum – zwar war seine Tonlage trocken, dennoch kam er gedanklich nicht darum her sich etwas darüber zu erheitern, dass es vermutlich nichts zu finden gab. Jedenfalls nicht dort. 30 Jahre mehr Erfahrung auf dem Buckel waren doch noch für den ein oder anderen Trick gut.
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#12
23.10.2021, 21:13
Es gab einen gewaltigen Unterschied darin, Schutzzauber zu wirken und eben solche zu durchbrechen. Elsbeth selbst hatte sich der letzten Disziplin in den letzten Jahren kaum gewidmet – als Heilerin an der Front war man doch eher damit beschäftigt gewesen, sich und die Verletzten außer Gefahr zu bringen und die ein oder andere Eskorte hilfreich zu begleiten. Und auch die Art und Weise, wie die Zauber letztendlich wirkten, machten die Schutzzauber zu einem weiten Feld, denn während es sich bei den von ihr angewandten Beschwörungen hauptsächlich um passive Abwehr handelte, spürte sie an der Tür ein aktives Reaktionspotential, das sie unter keinen Umständen unkontrolliert auslösen wollte. Und so lauschte sie mit angestrengtem Blick für einige lange Momente in den Zauber hinein, bis sie der Meinung war, dessen Absicht und Aufbau einigermaßen überschauen zu können. Ihre Kiefer mahlten kurz aufeinander, ehe sie einen prüfenden Blick über die Schulter in den Gang hinter sich warf und für den Moment sicher sein konnte, nicht gestört zu werden.

Die Vorbereitung auf den Zauber, den sie wirkte, hatte wesentlich länger gebraucht, als dessen tatsächliche Durchführung. Sie atmete einige Male bewusst tief ein und aus, um ihren Puls zu beruhigen und die nötige Konzentration zu finden, ehe sie die Arme ausstreckte, um die Tür mit den Handflächen in Bearbeitung nehmen zu können. Mit dem nächsten Herzschlag lud sie die Energie, die in dem Holz lauerte, mit einem kurzen Wink der Hände beschwörend zu sich ein und hoffte, dass sie sie nicht kurzerhand hintenüberkippen ließ. Tatsächlich zwang sie der Druck, der an ihren Handflächen einschlug, kurz in die Knie, bevor es ihr gelang, die Kraft in den Handflächen zu bündeln. Die unverkennbare, einzigartige Wärme, die von ihr ausging, ließ sie kurz angestrengt Grinsen und den Mut des Zauberers zu bewundern, der in einer Bibliothek solche Mittel anwandte – mitten zwischen gut brennbaren Holzregalen und Pergamenten eine Holztür mit gebundenem Feuer zu schützen war unüblich. Sie hatte sich mit den reinen elementaren Kräften immer schwergetan und sich daher weniger damit beschäftigt, sie wirkungsvoll einzusetzen, sondern ihr Augenmerk stets daraufgelegt, sie wirkungsvoll unter Kontrolle zu bringen und unschädlich zu machen, sodass es ihr vergleichsweise leichtfiel, das schwelende Gebilde zwischen ihren Handflächen zu bändigen. Es einfach aus dem Fenster zu verfrachten wäre einfach aber zu aufsehenerregend gewesen und da ihr keine Wasserquelle zur Verfügung stand, um es zu löschen, entschloss sie nach kurzem Abwägen, es zurück in seinen Ursprung zu zwingen und die wohl oder übel entstehende Druckwelle dafür zu nutzen, die Tür bestenfalls direkt zu öffnen, deren übernatürlicher Widerstand gegenüber Öffnungsversuchen ihrer Meinung nach ebenfalls nur aus einer reinen Energiebarriere resultierte, die man gut und gern mit roher Gegengewalt lösen konnte. Nicht die feine Art, aber man musste mit den Dingen arbeiten, die einem eben in die Hand fielen. Während die Hitze sich in ihren Händen ausbreitete und kurz davor war, schmerzhaft zu werden, räusperte sie sich leise und trat zwei Schritte zurück. Sie fasste das flackernde Energiebündel fest mit der Linken und balancierte es mit steigender Nervosität auf der Handfläche. Sie hasste Feuermagie. Um die Ruhe in der Bibliothek nicht mit einem lauten Knall zu stören, der unweigerlich auftreten würde, wob sie mit der Rechten einen flüchtigen Zauber, der den Schall soweit abdämpfen würde, dass den menschlichen nächtlichen Besuchern nicht mehr als das Geräusch eines herunterfallenden Buches an die Ohren dringen würde – während sie kurz um ihr Hörvermögen bangte. Die Geste, mit der sie den gefangenen Zauber – oder viel mehr die pure Energie, die von ihm übri geblieben war – nun gen Holz schickte, wirkte fast schon hektisch, war jedoch präzise genug, um das, zugegebenermaßen große und unbewegliche Ziel, zu treffen. Der Knall war wie erwartet ohrenbetäubend und dennoch schien die Barriere, die sich noch im Holz befand, zu stark, als dass ihr Versuch ausgereicht hätte, um sie zu brechen. Sie beobachtete für den Bruchteil einer Sekunde, wie sich kleine, schimmernde Energieadern im Holz bildeten und sandte sogleich einen weiteren Stoß der nunmehr eigenhändig gebündelten Magie hinterher. Vielleicht hatte sie übertrieben – Maßlosigkeit war schon immer eine ihrer Schwächen gewesen – mit einem unnötig lauten Krachen gab das harte Holz nun endlich nach und verteilte sich laut polternd in der kleinen Kammer, die es bisher vor ungewünschten Augen verborgen hatte. Elsbeth hatte die Augenlider ob des Lärms festgeschlossen und den Kopf abgewandt – nur langsam wandte sie ihren Blick wieder nach vorn und ließ dabei die Hände sinken. Sie stieß hörbar die angehaltene Luft aus den Lungen und vergewisserte sich mit einem weiteren Blick über die Schulter, dass nicht halb Oxenfurt aus dem Schlaf gerissen worden war und nun mit Fackeln und Mistgabeln hinter ihr aufwartete. Doch die Stille in der Bibliothek hatte sich nicht merklich geändert. Um die spontane Entdeckung des Chaos, dass sie veranstaltet hatte, zu vereiteln, erschuf sie mit redlicher Mühe einen zugegebenermaßen dilettantischen Illusionszauber, der beim genaueren Hinsehen eine dezent flackernde Holztür statt des klaffenden Loches in der Wand zeigte und von jedem magisch Begabten belächelt werden würde – für etwaige vorbeigehende Studenten jedoch ausreichend sein sollte. Sie öffnete mit leicht zittrigen Fingern die Schleife, die ihren Umgang schloss und warf ihn im Vorbeigehen auf ein abgebrochenes aber noch halbwegs aufrechtstehendes Überbleibsel der Türzarge, ehe sie sich ein wenig Luft zufächelte und einen ersten genaueren Blick in die Kammer werfen konnte. Die Holzsplitter hatten sich weiträumig in ihr verteilt – die sparsame Ausstattung war weitgehend unversehrt geblieben. Nur ein paar einzelne Blätter und Pergamentrollen hatte es in eine Ecke verschlagen – die Bücher, die in den schmalen Regalen standen, waren an Ort und Stelle geblieben. Elsbeth griff nach dem Erstbesten Exemplar, schlug es auf und runzelte die Stirn, hob den Blick wieder zu den Buchrücken hinauf. Offenbar hatte sie das Lager bestimmter Handelsregister gefunden. Sie schob das erste Buch zurück in an seinen angestammten Platz und hob eine der Pergamentrollen auf, deren gebrochenes Siegel nur noch halb erhalten war. Ihre Mundwinkel zuckten leicht – selbst wenn das Siegel nur noch zu einem Sechzehntel vorhanden gewesen wäre, hätte sie die goldene Sonne Nilfgaards erkannt. Sie sparte es sich, einen Blick auf den Inhalt des Schreibens zu werfen, da ihre Aufmerksamkeit auf einen breiten, abgegriffenen Buchrücken gezogenen wurde, dessen Blindprägung nur noch an einigen Stellen goldene Verzierungen aufwies. Sie beugte sich hinab, und spürte sogleich, dass dieses Buch nicht aus einem Handelsposten stammte. Während sich die Falten auf ihrer Stirn wieder glätteten, schlug sie den unbeschrifteten Buchdeckel auf und nickte dann mit einem leisen Schnauben. “Etwas gefunden?“ Elsbeth blickte auf und zuckte leicht mit den Schultern. „Nicht wirklich. Ein altes Register der Schüler aus Aretusa...“ Sie schlug das Buch hörbar zu und wog es in der Hand. „Ansonsten scheint hier die Vergangenheit der Händler Novigrads, die mit Nilfgaard handeln, vergraben zu sein.“ Sie hob vielsagend die Augenbrauen und konnte sich durchaus vorstellen, dass es sich bei dem ein oder anderem Schriftgut um Beweismittel handelte, die in Prozessen hervorgeholt wurden, mit denen sich Radovid lästige Aufständige vom Hals schaffte. Dass sie das Erbe des Gnoms hier nicht gefunden hatte, enttäuschte sie nicht. Noch einmal nahm sie das Regal genauer in Augenschein, fuhr mit den Fingerspitzen über die Buchrücken und zog noch zwei weitere Bände heraus, die sich für sie magisch belastet anfühlten. Dem ersten Exemplar schenkte sie kein weiteres Interesse mehr – die Ein- und Ausgaben eines Stoffhändlers interessierten sie kaum. Das zweite Buch jedoch rang ihr nach einem kurzen Durchblättern jedoch ein zufriedenes Nicken ab. „Vielleicht nicht die Lösung, aber vielleicht auch nicht ganz uninteressant. Lageraufzeichnungen einer gnomischen Werkstatt.“ Sie klemmte sich die beiden Bücher unter den linken Arm, legte ihren Mantel über diese und nickte dann auf die Bände, die Drazan trug, dabei flüchtig analysierend, welche Methode er für die Suche anwandte. „Und du?“, fragte sie halbherzig interessiert, ehe sie sich umwandte und begann, die Tür aus ihren Einzelteilen wieder zu einem heilen Ganzen zusammen zu setzen, dabei mit der Linken den furchtbaren Rauch seiner Kerze fortwedelnd.
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Drazan
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#13
23.10.2021, 21:17
Der flüchtige Blick in die Kammer offenbarte ihm, was er sowieso hatte vermutet, nämlich das sich die Hexenjäger diese Kammer zu eigen gemacht hatten. Auch wenn es die Hoffnung beinahe etwas sterben ließ, irgendetwas hier zu finden, war das was er in den zahlreichen Regalen noch an Werken fand durchaus etwas, dass sein Herz vor Vorfreude etwas höher schlugen ließ. Nicht unbedingt deswegen, weil er unbedingt Philippas Augen wiederherstellte, das war lediglich ein Nebeneffekt, sondern eher deswegen weil ein neues Feld zu erforschen immer einen erheblichen Wissensgewinn versprach. Das angenehme Gefühl, zunächst mit einer These in ein Feld einzudringen – dann festzustellen wie naiv die Ansichten über diesen Themenbereich waren, das Tiefe Tal des Nichtwissen in welches man sich stürzen muss nur um am Ende als ewig lernender Meister daraus hervorzugeben – es gab wirklich wenig, was ihm bekannt war, das nur ansatzweise so spannend war. Als Aelies ausführte, was sie dort gefunden hatte, runzelte er kurz die Stirn. „Das Register…“, sagte er dann, „Solltest du vielleicht mitnehmen – gewiss ist es nicht interessant, allerdings durchaus wert nicht gewissen Parteien übergeben zu werden.“ Jegliche Informationen welche den Hexenjägern dienen würden, wenn man schon einmal hier war, war es schließlich wert vernichtet oder ihrem Griff entzogen zu werden.

Sein Blick folgte beiläufig der Rauchspur, welche langsam etwas dünner wurde. „Nun…ich habe Abhandlungen über experimentelle Heilmethoden, etwas über Edelsteine als Katalysator für magische Zauber und…nun, das bleibt abzuwarten.“ Mit diesen Worten jagte er auch schon seiner Rauchspur hinterher, die ihn diesmal recht weit in die Bibliothek führte. Sogar in die nächste Etage! Wo er gut versteckt einen weiteren Band fand, über Monster welche die Fähigkeit der Regeneration beherrschten und über Mittel, welche aus ihnen gewonnen werden konnten. Es überraschte ihn nicht, dass er keine Aufzeichnungen zu Vilgefortz oder eine magische Schrift fand, die ihm vorsang wie er das gemacht hatte. Letztendlich – wenn selbst die Impera Bridgada keine genauen Informationen hatte, würde Novigrad das auch nicht. Er trat mit zwei mächtigen Bänden wieder zurück zur Tür und damit zu Aelies, weniger subtil hielt er sie schlicht unter den Armen. Der Windzug hatte sich wohl mittlerweile verflüchtigt. „Hast du dich um Artesua gekümmert?“, hakte er noch – auch wenn er davon ausging das sich Aelies darum gekümmert hatte. Da sie nun beide hatten wofür sie gekommen waren, blieb wohl nicht mehr viel zu erledigen. Es war durchaus angenehm, ein Gesicht aus den frühen Tagen seiner Karriere wieder zu sehen.

„Ich denke, das wird Philippa zufrieden stellen.“, sagte er dann, „Du deine…künstliche Lösung und ich meine biologische.“ Gleichzeitig begann er seine Füße zu bewegen, wohl Richtung Ausgang. „Ich denke wir werden uns häufiger sehen, jetzt wo du bei der Witwe bist. Tatsächlich hast du Recht, die Gerüchte betreffend des Weinhändlers der sie umgarnt sind eine gute Tarnung um die regelmäßigen treffen zu verstecken. Ihre Idee.“ Er schritt in einem deutlich entspannteren Gang als er angekommen war durch die Tür, bog mit Aelies neben sich wieder auf den großen Hof der Akademie nur um innerhalb kürzester Zeit von weiteren Bütteln in ein Kreuzfeuer aus Blicken genommen werden. Einer von ihnen hatte etwas Offiziersmäßiges an sich, er trug ein Schwert und keine Hellebarde und verzichtete auf diesen absolut affigen Helm. „Eh!“, sagte er dann, „Hab meine Jungs Stepjan und Andrej völlig aufgekratzt zwei Straßen weiter aufgegabelt – etwas von fickenden Studenten lallend. Ich weiß, wenn ein Mann das Bedürfnis hat einen Wegzustecken muss er einen Wegstecken, gerade bei der Zauberhaften da neben dir. Aber die Bücherei is‘ tabu seit dem Radovid hier einmarschiert ist .“ Er kam einen Schritt näher, musterte zunächst Aelies mit einem recht offensichtlich – sagen wir einmal anzüglichen Blick und dann betrachtete er Drazan, die Bücher unter dem Arm im Besonderen. „Und is‘ logischerweise auch verboten, Bücher mitzunehmen, eh?“, sagte er dann, „Also Kollege, ich mach dir unter Männern ein gutes Angebot, du bringst die Bücher zurück, dann wird ich und deine Süße hier ein paar…freundliche Worte über dich zwischen den Regalen verlieren…du verstehst was ich meine, dann könnt ihr gehen. Andernfalls sind das zwei Wochen Gefängnis für euch Turteltäubchen.“ Er lehnte sich leicht zu Elsbeth. „Und die sind nicht so nett wie ich, Liebchen…“ Drazans Reaktion war ein müdes Lächeln, die freie Hand hinter dem Rücken welche sich bereits wieder mit Funken und Energie füllte, zum Glück ungesehen von dem schmierigen Typen der nur Augen für seine ehemalige Schülerin hatte. Zwar war sie mittlerweile durchaus in der Lage sich selbst zu wehren, dennoch fühlte er so etwas wie…ja, man könnte es sagen beinahe ein Reflex. Ein innerer Kodex der ihm gebietet, dass gefälligst so nicht zuzulassen. Er erhob schließlich die Stimme. „Meine geschätzten Vertreter von Recht und Gesetz…“, alleine die Einleitung ließ die Wachen spottend das Gesicht verziehen, „Ich muss leider auf das Angebot verzichten, habe allerdings ein Gegenangebot: Ich lasse euch diesen wunderbaren Tag überleben, und im Gegenzug tragt ihr eure Plattenfüße aus unserem Weg.“ Das ganze quittierte er mit einem bösartigen, spottenden Lächeln. Die Herren nahmen den, für sie jungen, Studenten natürlich nicht ernst und lachten schallernd während schon die Plattenhand des Offiziers ausholte und Drazan gewiss die passende Antwort hinter seinem Rücken hatte. Männer! Was würden sie ohne ihre Frauen tun?
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#14
23.10.2021, 21:19
Mit weiter wedelnder Hand und angestrengt blinzelnd wandte sich Elsbeth nach Vollendung ihrer Reparatur wieder um. Sie ließ die Tür nun unverschlossen – vielleicht, um den nächsten Angestellten der Bibliothek, sofern er sich tatsächlich an sie heranwagen sollte, in hektische Panik zu versetzen oder dem nächsten, neugierigen Studenten einen Einblick in die uninteressanten Lagerregister zu geben. Sollte jemand den vergangenen Handel mit Nilfgaard studieren, hätte sie demjenigen jetzt einen ehrenhaften Dienst erwiesen und ihm leichten Zugang zu nicht uninteressanten Unterlagen verschafft. Sie nickte beiläufig. Sie hatte nicht vor, das Register aus Aretusa irgendwo liegen zu lassen. Was sich Elsbeth einmal unter den Nagel gerissen hatte, ließ sie immer schon nur ungern wieder los, ganz unabhängig davon, wie wertvoll es tatsächlich war. Vielleicht würde sie es Philippa geben, wenn sie tatsächlich Interesse daran haben sollte, was sie insgeheim bezweifelte. Im Zweifel würde der gefällige Buchrücken ihr eigenes Regal zieren und einfach nur nett aussehen. Als er seine Fundstücke nun aufzählte, reagierte sie nur mit einem kurzen Heben der Augenbrauen, während sie sich an ihm vorbei bewegte, um sich selbst auch wieder auf die Suche zu machen. Offenbar war er bisher erfolgreicher gewesen, doch das war nichts, was sie so sehr beeindruckte, dass sie es ihm offen zugestehen würde.

Noch war auch sie nicht fertig. Im offenen Gang der Regalreihen angekommen drehte sie sich langsam einmal um die eigene Achse, bemerkte Drazans Vorbeirauschen nur mit einem leichten Augenrollen – sie hätte ihm gern empfohlen, mal ein wenig zurückzuschalten und nicht solche Hektik zu verbreiten. Elsbeth selbst sandte ihre eigene Energie aus, um auch nun in den öffentlich zugänglichen Regalen nach Spuren von Magie zu suchen. Mochte Drazans Weg der präzisere sein, war ihrer jedoch weitgreifender und würde sie vielleicht auch zu Werken führen, die vielleicht nicht unter den gesuchten Schlagworten liefen und anderweitige Anhaltspunkte gaben. Wie von Drazan angedeutet waren die wohl stark beeinflussten Bücher bereits verbrannt oder anderweitig verschlossen worden, sodass nur wenig Resonanz auf ihre stumme Frage folgte. So folgte sie dem leichten Kribbeln unter der Haut entspannt, bog wieder in eine der Regalreihen ein und ließ suchend die Finger über die vorbeiziehenden Buchrücken streichen, bis sie ein in grünes Leder eingeschlagenes Buch, das den Namen mit seinen lose eingelegten Blättern kaum verdiente, in ihre Hände legte und mit einem leisen Summen öffnete. Ihre Augen erfassten den Inhalt schnell – es handelte sich um Aufzeichnungen über den Ausbruch der Catrionaseuche im Jahr 1268. Ohne weiteres Zögern landete auch dieser Einband unter ihrem Mantel. Die folgenden Bücher waren weit weniger spannend für sie, vermutlich hatten eifrige magisch begabte Studenten nur ihre unerlaubt in die Seiten geschriebenen Notizen verschwinden lassen. Nur ein kleiner Band fand ebenfalls Schutz unter dem schwarzen Stoff – eine Basislektüre über Minerale, in denen sie noch vorhandene handschriftliche Bemerkungen gefunden hatte.
Sie war Drazans Weg in die nächste Etage gefolgt und hatte sich in einem reich illustrierten Buch verloren, welches eindrucksvoll die Flora der Skelligeinseln beschrieb. Sie blickte auf, als Drazan wieder auftauchte, schob den dicken Wälzer wehmütig aber sorgfältig zurück an seinen Platz und nickte auf seine Frage hin. Was hieß gekümmert – sie hielt das Buch fest an ihren Körper gedrückt und war nicht gewillt, es wieder loszulassen, also… Sie schloss sich ihm an, auch wenn sie gern noch länger zwischen den Regalen geblieben wäre. Sie warf sich im Gehen wieder den Mantel um die Schulter, deutlich mühsam ob der bepackten Arme und fing dann wieder an, breit zu Grinsen, als er auf die Geschichte mit dem Weinhändler und die Witwe zu sprechen kam. Es amüsierte sie immer noch, dass ausgerechnet Drazan Ehrendorn, der die meiste Zeit seines Lebens entweder im Krieg oder dunklen Laboren verbracht hatte, nun einen Weinhändler mimte. Da war ihre Tarnung weitaus weniger von der Wahrheit entfernt. Dass er betonte, dass es Philippas Idee gewesen war, ließ sie mit hochgezogenen Augenbrauen nicken. Natürlich. Auf die Idee, ein bodenständiges und vergleichsweise langweiliges Leben als Weinhändler vorzutäuschen, wäre ihr Lehrmeister kaum allein gekommen. Wahrscheinlich hatte Philippa ihm ordentlich Honig um den Bart geschmiert, um ihn dazu zu bringen – sie konnte sich kaum vorstellen, dass Drazan keine andere Methode gefunden hätte, mit ihr in Austausch zu treten ohne dabei die Aufmerksamkeit der nächstbesten Hexenjäger auf sich zu ziehen. Ihre Gedanken schweiften ab, während sie Drazan folgte – so wie früher, in respektvollem Abstand, die Bücher nun vor der Brust in den verschränkten Armen haltend. Immerhin war ihre Beute vom Mantel zumindest halbwegs verdeckt, Drazan hingegen trug die Errungenschaften wie den Markteinkauf unterm Arm.

Sie erkannte die Wachen erst einen Augenblick später als Drazan und stoppte abrupt in ihrer Bewegung, um nicht mit dem vor ihr stehenden Zauberer zu kollidieren. Ihre Augen weiteten sich ein gutes Stück, als sie die Namen der vor weniger Zeit in die Flucht geschlagenen Wachen vernahm und hob fast ertappt die Augenbrauen. Vielleicht war ihre Gedankenbeeinflussung nicht so präzise gewesen, wie nötig…? Sie hielt sich weiter hinter Drazan und senkte auf die Worte des Sprechenden vermeintlich unterwürfig den Kopf – bis er näher an sie herantrat und sie mit einem Blick bedachte, der ihren Körper sogleich in Alarmbereitschaft versetzte. Unter dem Mantel wurde der Griff um die Buchrücken fester. Sie mied den direkten Augenkontakt, versuchte aus den Augenwinkeln heraus auch den Rest der Anwesenden zumindest grob zu mustern. Erst sein gut gemeintes Angebot, dass ein wenig Zweisamkeit mit ihr beinhaltete, ließ sie den Kopf heben. Ihre Lippen zeigten schon ein provokantes, selbstsicheres Lächeln – und sie hätte die Gelegenheit gern genutzt, ihm unter vier Augen zu zeigen, dass sie in der Freundlichkeit mit den angedrohten Gefängniswärtern durchaus mithalten konnte. Doch Drazan kam ihrer Absicht, dem Vorschlag mit einem gehorsamen Knicks zu folgen, zuvor. Sie schloss für einen Moment bedauernd die Augen. Bereits seine ersten Worte ließen sie in weiser Voraussicht einen Schritt zurücktreten, die Bücher unter den linken Arm klemmen, um sich, auch wenn sie ihre Kiefer unentspannt aufeinanderpresste, auf das Kommende vorzubereiten. Dem Mann, dessen Angebot sie nun nicht mehr annehmen konnte, widmete sie keine Aufmerksamkeit mehr und ahnte, dass Drazan ihn sich persönlich zur Brust nehmen würde. So fixierte sie sich vorerst auf die Wachen, die sich noch im Hintergrund hielten, insbesondere die zwei, die ihr am nächsten standen und hob in stummer Aufforderung das Kinn. In der geballten, freien rechten Hand spürte sie die bekannte Wärme aufsteigen. Mochten ihre Fähigkeiten nicht ausreichen, um im Krieg an die kämpfende Front gerufen zu werden – um sich gegen eine Hand voll übereifriger Wachen zu verteidigen, genügten sie allemal. Etwaige Selbstzweifel am Erfolg gegen fünf Männer ließ nicht zuletzt die Anwesenheit von Drazan verfliegen, dem sie nun den ersten Schlag überließ. Das Lachen der Männer verstummte.

Wie erwartet konnte Elsbeth den kurzen Moment der Verwirrung nutzen, um die zwei Wachen, die sich instinktiv auf sie zubewegt hatten, während sie ihre Waffen zogen, mit einer schnellen, weitgreifenden Armbewegung aus dem Gleichgewicht und einem fast überheblichen Schnippen der Hand, dem sie ein gespielt mitleidiges Schulterzucken voranstellte, schließlich zu Fall zu bringen. Der aufgefrischte Wind, der nun über den Platz fegte, kam ihr dabei hilfreich zugute – ruhige Luft in Wallung zu bringen hätte ihr deutlich mehr abverlangt. Sie schaute sich zu Drazan um, der weniger harmlos mit seinen Gegnern umzugehen schien und verzog auf die Erkenntnis hin, dass er nicht darauf aus war, nur heile aus der Geschichte herauszukommen und die Leben der Wachen zu verschonen, sichtlich bekümmert das Gesicht. Sie hatte genug Leid gesehen, um sich die Hoffnung zu erlauben, für den Plan, den sie verfolgte, nicht bis zum Äußersten gehen zu müssen. Drazan sah das offenbar anders. Ihre kurze Ablenkung genügte einem der noch stehenden Männer, der dem Einflussbereich des Zauberers entkommen war, Elsbeth wiederum nahe genug zu kommen, um mit seiner Hellebarde zum Hieb auszuholen. Ihr Überlebensinstinkt war ihren Reflexen gleich gut ausgeprägt und so wich sie dem voraussehbaren Schlag, der auf ihre linke Schulter zielte, mit zwei unaufgeregten Schritten aus, die sie näher an Drazan brachten. „Meine Gedächtniszauber sind mies, ich weiß.“, meinte sie zu ihm, in der Hoffnung, dass er sie hörte, während sie dem Mann - der sich von dem harten Rückstoß, den seine Waffe durch den harten Einschlag in den Boden ohne Umwege zurück in seine Schultern schickte, eindeutig angeschlagen erholte – mit präziser Wucht einen lockeren Pflasterstein unter das Kinn trieb. Das Geräusch, dass der brechende Knochen verursachte, ließ sie angewidert das Gesicht verziehen und noch während die Wache bewusstlos zu Boden ging, drehte sie sich um und musste feststellen, dass sich ihre ersten beiden Opfer wieder auf den Beinen befanden. Sie atmete tief durch, trat den Schritt an Drazans Seite. „Sag mir, dass du Erinnerungen langfristig und sicher verändern kannst.“, hob sie dann in bittendem Tonfall die Stimme wieder, während sich die Hitze in den Fingerspitzen wieder verstärkte und sie drohend die Handfläche in die Richtung der Beiden hob.
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Drazan
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#15
23.10.2021, 21:28
Es war wirklich nicht Drazans Stil, direkt Leute anzugreifen. Tatsächlich gehörten solche spontanen Emotions-Reaktionen eher nicht zu seinen Werkzeugen, was auch von jedem bestätigt werden kann der den Zauberer besser kennt. Dennoch hatte er sich zu dieser reißerischen Drohung verführen lassen, welche wohl zwangsläufig entsprechende Konsequenzen tragen würde. Er war zwar besorgt, jedoch keinesfalls darüber das er den Kampf verlieren könnte. Selbst ohne Aelies Anwesenheit wären die Wachen kaum ein Problem für ihn, mit ihr waren die Chancen alles andere als gerecht verteilt. Mit einer eleganten Bewegung wich er dem ersten Schlag des Wachmannes auf, die Hand nach wie vor Hinter dem Rücken haltend. Anschließend entblößte er die weiß blitzende Energiekugel welche sich dort versammelt hatte und ohne großartig zu zögern ließ er sie – unter schockierendem Blick des Wachmanns – frei, lanzenartig durchbohrten die weißen Blitze die Brust des Wachmannes und hinterließen lediglich verbranntes Fleisch und zuckende Muskeln. Gleichsam wohl einen Herzaussetzer, waren solche Mengen keineswegs etwas was ein menschlicher Körper auszuhalten mochte. Die Hellebarde eines weiteren Zauberers blockte er hoch über sich mit einem magischen Schild, ehe er die Distanz zwischen sich und dem Plattenträger verkürzte um ihm die selbe, elektrische Freude zuteilwerden zu lassen wie seinem Kollegen. Kalte Blitze schlugen ihm ins Gesicht. Allerdings aufgrund der deutlich verringerten Kanalisierungszeit nicht ganz so fatal. Zwischendurch sah er einmal nach Aelies, wusste er darum das sie keinesfalls für den Kampf geschaffen war – so als Heilerin – dennoch schlug sie sich offenbar recht ordentlich. Sie wand sich ihm zu und er hatte nur ein müdes Lächeln für ihren Kommentar übrig. Nach dem nun vier der fünf Wachen den Boden geküsst hatte, befand sich der letzte auf der raschen Flucht in Richtung Tor. Ein dummer Fehler, ihn jetzt laufen zu lassen weswegen der Zauberer kurzerhand seine Taktik einfach noch ein drittes Mal wiederholte und ihm (deutlich schnellere) Blitze hinterher jagte, die ihn zu Boden beförderten.

Mit erhöhtem Puls und leicht schneller atmend kam die Kampfsituation schließlich zum erliegen. „Nun das war….unnötig.“, sagte er dann trocken, „Ich kenne einen sehr effektiven Gedächtniszauber, ja. Am Besten…siehst du einmal nach ob weitere Gesellschaft zu erwarten ist.“ Mit diesen Worten legte er den Stapel Bücher zunächst behutsam auf dem Pflasterstein ab und zog ein verstecktes, spitzes Stilett hervor. Es brauchte wirklich keinen Experten um zu raten was er vorhatte. Gewissensbisse waren ja grundsätzlich nichts, was den Zauberer plagten weswegen er auf den ersten, noch atmenden Wachmann zuging und kurzerhand mit chirurgischer Präzision die Halsschlagadern des bewusstlosen öffnete. Wie die berühmtem Halsabschneider die das Schlachtfeld durchgingen, vermutlich hatte er von diesen auch diese Taktik. Dabei ging ihm unweigerlich durch den Kopf, was nun genau zu dieser Eskalation geführt hatte. Eine seltsame Spitze hatte sich nach dem Spruch des Offiziers in seinen Nerven aufgetan, ein stechendes zorniges Gefühl dessen Ursprung er noch nicht einwandfrei definieren konnte. Waren es etwaige Verpflichtungsgefühle gegenüber seiner ehemaligen Schülerin welche ihn dazu bewogen haben? Oder ein Versuch der Widergutmachung, nach der – ihm mittlerweile bewussten – Demütigung oder Ablehnung welcher er ihr damals zugefügt hatte? Es war auf jeden Fall eine Entwicklung, welches ihm äußerst missfiel während er eine Kehle nach der anderen öffnete und sich Blut auf den Boden der Akademie breit machte. Lediglich den Offizier verschonte er, hatte der nun wirklich keine Chancen mehr aufzustehen nach dem was Drazan ihm angetan hatte. Anschließend bewegte er die Leichen – natürlich auf magische Art und Weise – zu einem hübschen Haufen. Er atmete tief durch, hob die Hände, murmelte irgendwas und mit einem lauten Knallen öffnete sich dann ein Portal welches die Leichen mit der ersten impulsiven Energie einsog und sie in unbekannte Gefilde entführte. Das einzige was übrig blieb waren einige Liter Blut auf dem Boden, welche aus den geöffneten Kehlen geronnen war.
Drazan räusperte sich kurz, nahm die Bücher wieder auf und gesellte sich zu Aelies. „Es tut mir ausgesprochen leid.“, sagte er dann mit der trocken-höflichen Art die er nur zu oft als Maske für seine wahren Gefühle benutzte, „Das diese Situation so eskaliert ist. Es hat mich selbst etwas überrascht, welche…Regung…dieser Wachmann ausgelöst hat.“ Damit setzte er sich zügig in Bewegung, Hauptsache erstmal verschwinden. Seine Füße trug es durch einige verwinkelte Gassen und völlig verwirrende Pfade, welche wohl etwaige Verfolger abschütteln würden und bei seinem Tempo gewiss ebenfalls drohten, Aelies gleich mit abzuschütteln. Nach einigen Minuten hielt er jedoch inne. Eine pflasterstein Gasse zwischen zwei Häuserreihen, schicke Gegend – keinesfalls heruntergekommen und mit dem typischen Oxenfurter Charme. „Ich denke, das war’s nun?“, fragte er dann trocken.
[Bild: drazan_sig.png]
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Elsbeth
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#16
23.10.2021, 21:33
Es widerte sie an. Die Gleichgültigkeit und Präzision, mit denen Drazan die Wachen zu Boden streckte, ließ dieselbe Übelkeit in ihr Aufsteigen, die sie so oft in Cintra gespürt hatte, wenn sie wieder einmal der Frontlinie folgen und ihren Dienst ableisten musste. Sie war keine Heilerin aus Herzensgüte, die ihren Lebenssinn darin fand, Menschen zu helfen, ihnen Gutes zu tun. Aber sie war auch keine Person, deren Gewissen schwieg, wenn sie anderen den Tod brachte – besonders in solchen Situationen, in denen es eine Alternative gegeben hätte. Ihr Blick hatte sich deutlich verfinstert, während sich der Geruch von offenen Wunden und schwelendem Fleisch auf dem Platz ausbreitete und sie tiefer in die Erinnerungen trieb. Sie ahnte, dass sie in den nächsten Nächten keinen Schlaf finden würde. Sie blickte der letzten Wache, die im Gegensatz zu ihrem Kumpanen nicht die Füße in die Hand nahm und floh, fast schon entschuldigend in das vergleichsweise junge Gesicht, auf dem sich eine Mischung aus purer Panik und blinder Wut zeigte, ehe ihm ein zuckender Blitz, der sich aus ihrer Handfläche löste, die Kehle durchtrennte. Klirrend fiel seine Waffe zu Boden, ehe sein Leib leblos neben sie auf den kalten Boden sank. Das Geräusch eines menschlichen Körpers, der ohne Muskelwiederstand in sich zusammenfiel, war ihr so vertraut und unangenehm zugleich, dass sie sich fast schon beschämt abwenden musste. Eine schwere Stille machte sich auf dem Platz breit und Elsbeth bedachte Drazan nur mit einem vernichtenden Blick, als er seine Stimme hob. Erst jetzt merkte sie, wie hart ihr Herz gegen ihren Brustkorb hämmerte. Nicht, weil sie Angst um ihr eigenes Leben gehabt hätte – es war Wut. Enttäuschung.

Sie kam seiner Bitte nicht nach, blieb an Ort und Stelle stehen und beobachtete mit dem Anflug einer angewiderten Feindseligkeit, wie sich ihr ehemaliger Lehrmeister darum kümmerte, dass die Wachen tatsächlich tot waren. Ihre rechte Hand ballte sich zur Faust, ein Teil ihres Herzens schrie danach, ihm das Stilett aus der Hand zu treten – und dennoch blieb sie still. Erhob kein Widerwort, ging nicht dazwischen. Denn der Rest von ihr wusste, dass diese Auseinandersetzung nicht anders hatte enden können. Dürfen. Um des eigenen Überleben Willen. Dennoch breitete sich eine dumpfe Leere in ihr aus, die wohl jeden durchschnittlichen Menschen befiel, wenn er jemanden umbrachte – und nicht für den Krieg geschaffen oder über Jahre hinweg von ihm geformt worden war. Das Verschwinden der Leichen erleichterte Elsbeth keinesfalls. Sie starrte in eine der übriggebliebenen Blutlachen, ehe sie die Starre, in die sie gefallen war, auflösen und Drazans halbherziger Entschuldigung nicht mehr als ein gleichgültiges, schwaches Heben der Schultern entgegen konnte. Sie hätte gern vorwurfsvoll auf die Leichen gezeigt, die sich aber nun wahrscheinlich in der Kanalisation von Wyzima oder einem anderen weit entfernten Ort befanden. Und ihren Vorwurf mit Blut auf Kopfsteinpflaster zu untermalen war wenig wirkungsvoll. Zumal er sich genau genommen nicht einmal bei ihr entschuldigen musste – sie immerhin hatte keinen Kratzer abbekommen. Nicht einmal ein Blutfleck hatte den Weg auf ihre Kleider, ihre Haut oder ihr Haar gefunden. Und dass er eine empfindliche, noch offene Wunde in ihrem inneren getroffen hatte, wollte sie ihm nicht unter die Nase reiben, sodass sie sich selbst soweit besann, dass sie die Haltung straffte und seinem zügigen Schritt vom Ort des Geschehens folgte. Mit Abstand, der nicht mehr von Respekt zeugte, sondern von Distanzierung.

Schon nach wenigen hundert Metern hatte sie die Orientierung verloren, sodass sie Drazan gezwungenermaßen wahrscheinlich bis zum Stadttor gefolgt wäre. Stattdessen blieb er nach einiger Zeit stehen, was auch sie dazu brachte, innezuhalten. Die Bücher hatte sie wieder sorgsam in ihre Arme gebettet, drückte sie nun etwas fester an sich. “ Ich denke, das war’s nun?“ Ein ungläubiges Schnauben entfuhr ihr. Sie reckte das Kinn, nickte dann. „Ja, offensichtlich. Weißt du…“ Mit schnellen Schritten überwand sie die Distanz zwischen sich und ihm und drückte ihm mit überdeutlicher Härte die Bücher, die sie eben noch fest umschlossen hatte, in die Arme, „…ich bin nicht hier her gekommen, um…“ Sie rang kurz mit sich und deutete dann die Straße hinunter in die Richtung, aus der sie gekommen waren „…mich mit solchen Sachen herumzuschlagen.“ Sie blickte ihm eindringlich in die Augen. Die bis eben wieder abgeflachte Wut über die Eskalation wallte wieder in ihr hoch. „Dann hätte ich auch bei den verdammten Heilern bleiben können. Bei denen gibt es Dank solcher Schwachköpfe wie dir immer gut zu tun.“ Sie bemühte sich, in ihrer Rage nicht zu laut zu werden, was nichts an dem deutlich aufgeregten Tonfall änderte. „Der Krieg ist vorbei, Drazan. Das hier ist keine Front, an der es um Leben oder Tod geht.“ Sie hob mit sich ringend kurz die Hände, ehe sie den Kopf schüttelte. „Grüß Philippa von mir. Sie freut sich sicher über deinen Erfolg.“ Auf einmal hatte sie kein Interesse mehr daran, selbst Profit aus den Errungenschaften zu schlagen. Eigentlich hätte sie sich jetzt umdrehen und gehen wollen, doch etwas hielt sie davon ab, sich sogleich abzuwenden. Vielleicht war es die bittere Erkenntnis, dass sie sich in dem Mann, zu dem sie jahrelang aufgeblickte, getäuscht hatte. Vielleicht war es auch die Enttäuschung darüber, dass sie ihm nicht Einhalt geboten hatte. Oder die Feststellung, dass sie sich auf Etwas eingelassen hatte, dass sie an ihre eigenen moralischen Grenzen brachte und weit über das reine Forschen und Experimentieren hinausgehen würde.
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Drazan
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#17
23.10.2021, 21:35
Drazan hatte keine Freude daran, Menschen umzubringen. Zu sagen es würde ihm Grundsätzlich widerstreben, würde voraussetzen das er sich für unbekannte Menschen grundsätzlich interessieren würde und das war wirklich nicht der Fall. Eine gewisse Empathielosigkeit begleitete den Zauberer schon immer und nur wenige Menschen hatten es geschafft diese zu durchbrechen – oder sie überhaupt durchbrechen zu wollen. Er war nie ein besonders angenehmer Zeitgenosse für gesellige Runden, schon immer war sein erstes und primäres Ziel das Sammeln von Wissen, der Austausch. Eine Welt voller Bücher. Was dabei auf der Strecke blieb, blieb nun einmal auf der Strecke und diese Wachen waren ein wunderbares Beispiel für die kalte Skrupellosigkeit, welche der Zauberer an den Tag legen konnte. Erst spät hatte er sich für Machtgefilde und Beziehungen zu interessieren begonnen, über Nützlichkeit und Effizienz. Darüber, dass die ewigen nordischen Invasionen auf Kurz oder Lang entweder das Ende des von ihm geliebten Nilfgaard bedeuten würde oder noch extreme Situationen als diese, welche im Moment in Novigrad, Oxenfurt und im ganzen nordischen Königreich zu spüren waren. Der Krieg würde immer mehr Wunden hinterlassen bis den gesamten Korpus der menschlichen Zivilisation zugrunde gehen würde. Eine Erfolgsgeschichte, die mit Krieg begann, aber auch damit Enden würde. Etwas, das er nicht zulassen wollte und ein weiteres Ziel das man ihm, neben dem Wissensdurst, zuschreiben konnte. Wenn auch sehr im Geheimen. Aelies würde vermutlich niemals auch nur ahnen können welche Fantasien und Pläne sich hinter den schwarzen Haaren des Zauberers eingenistet haben und ihn dazu verleiteten in solche untypischen Territorien wie einer Allianz mit Philippa Eilhart vorzudringen. Wissen, Macht, Kultur – aber kein Wort über die Leute, die so etwas erst möglich machten. Nein, eine gesunde Weltanschauung sah anders aus, jedoch gab es in Drazans Augen wenig effektiveres.

Er nahm die Bücher gekonnt in die Arme, welche ihm seine ehemalige Schülerin in die Hand drückte. Für den Transport würde er sie wohl etwas Komprimieren müssen. Er lauschte ihren Worten mit dem über Jahrzehnte geübten neutralen, eisernen Gesichtsausdruck der beinahe in seine Visage gemeißelt schien. Am Ende ihrer Worte gesellte sich allerdings ein ungläubiges Blinzeln hinzu. „Nur eine Seitenfrage.“, meinte er dann in einem süffisanten Ton der Versprach das es nicht dabei bleiben würde, „Ab wie viel Prozent verbrannten Gewebe ist eine Rettung nicht mehr möglich? Was sagst du eigentlich zu diesen _Schwachköpfen_ die so etwas anrichten, hm?“ Er schaute die Straße hinunter, leicht abgelenkt und schüttelte schließlich den Kopf, sprach zum zweiten Mal an diesem Tag ungewohnt emotional: „Du kannst dich gerne der Illusion hingeben, wir befinden uns nicht in einem Krieg, aber damit tust du all denen Unrecht die schon längst vor unserem Erscheinen hier auf dem Markplatz verkohlt sind und wenn wir irgendwann diesen verfluchten Norden verlassen, hoffe das Philippa und ich – wir kalten, kompromisslosen Monster eine Lösung für dieses Problem gefunden haben. Denn wenn wir das nicht haben, ist Cintra und Sodden dagegen ein feuchter Witz. Oder willst du das Blut von mehreren Tausend Anderlingen an den Fingern haben, hm? Diese sechs roten Büttel haben vermutlich mehr Elfenfrauen vergewaltigt, umgebracht ihr irgendeine magische Schmiererei auf den Rücken gemalt damit sie verdächtig aussieht und verbrannt als du zählen kannst und du willst solche Menschen ernsthaft in Schutz nehmen? Die Speichellecker und Vollstrecker von Radovid? Die für die unzähligen leeren Betten in der Akademie und die unzählig leeren Regale dort verantwortlich sind? Die dich schon auf den Scheiterhaufen anbinden, wenn du nur ein Kräutertrunk gegen Kopfschmerzen braust? Bitte.“ Er schüttelte den Kopf. „Es mag ja durchaus sein das du weder Philippa noch mich für unsere Methoden ausstehen kannst, das ist dein gutes Recht. Aber wenn du dich ernsthaft der Illusion hingibst du befindest dich nicht in einem Krieg und das hier ist alles völlig überzogen und die Brutalität ist ja völlig fehl am Platz…dann, ja. Dann hättest du die Akademie nicht mit einem Abschluss in der Hand, sondern mit einem Empfehlungsschreiben für das Kloster verlassen sollen. Die rennen auch ihren Prinzipien so dermaßen hinterher, dass sie die Welt nicht mehr sehen. Guten Abend.“ Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt und öffnete kurzerhand ein Portal. Der Knall ließ einige Katzen aufheulen, aber da sowieso keine Menschenseele in der Gasse stand war es ihm auch herzlich egal. Er trat durch die unsichtbare Schwelle in das tiefe Schwarz, ehe er auf der Gasse verschwunden war. Noch einige Augenblicke waberte das Runde Ding mitten auf der Straße – ehe es sich schloss.
[Bild: drazan_sig.png]
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