29.04.2023, 01:21
Geduld mochte eine Tugend sein, doch Auge in Auge mit einem Golem selbst für den diszipliniertesten Nilfgaarder schwer aufzubringen. Elsbeth hatte keinen Hauch einer Ahnung, worauf sie hier wartete, was Drazan trieb, der sich aus ihrem Blickfeld entfernt hatte und sich damit zumindest für den Augenblick in Sicherheit wähnen konnte. Sie erlaubte es sich zwar, noch einmal einen raschen Blick durch die Halle zu werfen, ehe sie den Golem wieder mit den grünen Augen fixierte. Der kurze Moment, von dem Drazan gesprochen hatte, war vorbei und sie erkannte durchaus an, dass ihr nun tatsächlich etwas sehr ungutes passieren konnte.
Auch wenn sie es für wenig wahrscheinlich hielt, dass man von solchen Regungen bei Konstrukten wie diesem reden konnte, schien die Rage des Golems einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Auch wenn in seinem Blick kein Verstand zu erkennen war, verhieß das Glimmen in den trüben Steinaugen keine Verhandlungsbereitschaft, geschweige denn irgendwelche Nachsicht. Nun waren sie Beiden also die Tanzpartner, zumindest bis die versprochene Ablösung auftauchen würde – hoffentlich. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, vertraute sie Drazans Worten, stellte sie nicht einmal für einen Moment in Frage, sondern straffte sich pflichtbewusst. Sie wusste nicht, woher dieser vermeintlich blinde Gehorsam herrührte. Vielleicht war jedem Nilfgaarder eine gute Portion Gehorsam schon mit in die Wiege gelegt worden. Wahrscheinlich hatte auch ihre Ausbildung und der Kriegsdienst etwas damit zu tun. Höchstwahrscheinlich spielte Drazan selbst in dieser Gleichung jedoch auch eine durchaus wichtige Rolle.
Mit einer fließenden Bewegung trat Elsbeth einen Schritt nach vorn. Mit einem Wink der linken Hand ließ sie die mittlerweile zu Boden gesunkenen Zeichen und Siegel noch einmal auftreiben, als wäre ein heftiger Windstoß durch die Halle gefahren. Erneut verschaffte diese Ablenkung, die der Golem mit heftigem Brüllen kommentierte, ihr den Moment Zeit, den sie benötigte, um sich in eine bessere Position zu bringen, mit der rechten Hand auszuholen und ein weiteres Mal eine Steinplatte in Bewegung zu setzen – diesmal direkt unter dem linken Fuß des Golems. Der spontane Bruch seiner Standhaftigkeit hatte den gewünschten Effekt: der Golem wankte für ein paar Augenblicke, ehe er in die Knie ging und für einen wichtigen Moment lang verwirrt um sich schlug. Die Reste der Platte ließ Elsbeth mit einer weit ausholenden Bewegung des rechten Armes gegen seinen Schädel donnern. Untermalt von einem ohrenbetäubenden Brüllen räkelte Elsbeth in vermeintlicher Seelenruhe die Schultern, ehe sie nun beide Hände hob und mit konzentriert gewählten Worten einen nicht perfekten aber für den Moment wirksamen Verlangsamungszauber wirkte, der für den Moment verhinderte, dass sich der Golem aufrichtete und auf sie stürzte. Seine Bewegungen wurden zusehends fahriger und gerade als Elsbeth sich gewagt hätte, wieder den Blick vom Feind abzuwenden um sich nach Drazan umzusehen, wurde es schlagartig dunkel um sie herum.
Bevor sie die plötzliche Starre, in die sie gefallen war, überwinden konnte, hatte sich der dunkle Nebel um sie bereits wieder gelichtet, konnte sie nur regungslos beobachten, wie sich der Golem langsam aber sicher aus seiner Starre löste. Während ihr Verstand noch damit beschäftigt war, das eben geschehene zu verarbeiten und einzuordnen, wandte sich ihr Blick langsam um, in eine Ecke der Halle, in der sich etwas regte – was sich definitiv nicht regen sollte. „Scheiße…“, entfuhr es ihr fast laut- und ziemlich tonlos, als sie wirklich erkannte, was wirklich um sie herum passierte. Ihre Hände hatten sich derweil kraftlos gesenkt, weniger aus tatsächlicher Erschöpfung als auch schierer Hilflosigkeit der Situation gegenüber, die sie verwirrte und anekelte gleichermaßen. Schier gefangen in der Verarbeitung des Anblicks der Leichen hätte sie Drazan kaum bemerkt, wenn er sie nicht angesprochen hätte. Sie brauchte einen Moment, ehe ihr Blick ihn wirklich erfasste, bevor der plötzliche Angriff der Leichen sie abrupt zusammenfahren ließ. Instinktiv entfleuchte ihr die Beschwörung eines Schutzzaubers, während sie sich mit hochgezogenen Schultern vom Schlachtfeld abwandte. Sie wollte hier weg. Sofort. Auf der Stelle. Ein Golem mochte ein furchteinflößender Anblick sein, doch das, was sich nun dort abspielte, war weit mehr als das. Das war falsch. Und neben der puren Angst, die noch in ihr wallte, gesellte sich direkt eine sehr große Portion Wut und Unverständnis.
Genau diese explosive Mischung lag deutlich in ihren Augen, als Drazan neben ihr auftauchte und sie ihm einen kurzen Blick zuwarf. Lang genug, um seinen Zustand zu registrieren und den Anflug einer Sorgenfalte auf ihrer Stirn zu zeichnen, kurz genug, um ihm zu verdeutlichen, dass sie mit alledem so. gar. nicht. einverstanden war. Um irgendwie die Fassung zu bewahren hätte sie gern tief Luft geholt, doch die Umstände ließen sie nur kurz hörbar nach Luft schnappen, während sie gegen die magische Barriere starrte, die ihren Fluchtweg weiterhin versperrte. Diese Aufgabe schnellstmöglich zu lösen war nicht nur eine gute Ablenkung von den Geräuschen und Geschehnissen in ihrem Rücken, sondern auch von Drazan. Gerade hatte sie ihre Hand ausgestreckt und vorsichtig an die Barriere gelegt, als Drazan ihr vorschlug, doch genau jetzt abzuhauen. Statt irgendetwas zu antworten entschied sie sich, einfach die Klappe zu halten, die Kiefer fest aufeinanderzupressen und jetzt nicht direkt eine Diskussion vom Zaun zu brechen, dafür wäre an anderer Stelle genug Zeit. Doch ihre Fassung hielt nur ein paar Sekunden an, bis ihr die verhängnisvollen Worte „Faszinierend, nicht?“, an die Ohren gelangten. Sie reagierte schneller, als sie denken konnte. Während ihre linke Faust mit einem heftigen Ausbruch gegen die Barriere knallte – und glücklicherweise nicht in Drazans Gesicht – schnellte ihre Rechte in seine Richtung und krallte sich grob in seinen Kragen. Ob es seine körperliche Verfassung war oder die Wut, die ihre Kräfte befeuerte, war schwer zu sagen, doch der Ruck in ihre Richtung ließ Drazan wehrlos unsittlich nahe an sie herantaumeln. Der drohende Blick, mit dem sie ihn bedeutungsschwer für eine für die Situation unangemessen lange Zeit bedachte, sollte Warnung genug sein, um jetzt einfach den Mund zu halten. Wie gern hätte sie ihm direkt die Leviten gelesen, doch sie hatte genug Verstand, sich der obersten Priorität – dem Entkommen aus dem Keller – zu widmen. Dennoch löste sie ihren Griff um seinen Kragen nicht. Während sie Drazan mit der rechten Hand weiter festhielt fuhr die Linke prüfend über das Feld, dass ihnen den Weg versperrte und nun doch wieder ihre ganze Aufmerksamkeit einnahm. Suchend, prüfend fuhr ihr Blick hinauf, hinab, nach links und rechts. Nach einem kurzen Räuspern und einem gezwungenen tiefen durchatmen begann sie schließlich, konzentriert auf den Zauber einzureden, ihre Gedanken und Kraft auf die Suche nach seinem Ursprung und dem Ursprung zu schicken. Es fiel ihr nicht leicht, sich nicht von dem Tosen im Hintergrund ablenken zu lassen und dem wankenden Drazan nun gleichzeitig mit ihrem Griff irgendwie Halt zu geben. Obwohl ihre volle Konzentration dem Zauber galt, ließ ihre rechte Hand nun doch von seinem Kragen ab und wanderte an seinem Rücken entlang zur ihr abgewandten Hüfte, um ihm mehr Halt zu geben. Ihre Worte wurden leiser, die Abfolge der Silben schneller, ungeduldiger, bis sie endlich das erlösende Kribbeln in den Fingerspitzen fühlte, ehe sich die Barriere unter ihnen auflöste, wie ein flüchtiger Gedanke. Sogleich gab sie Drazan einen deutlichen Schubs nach vorn Richtung Treppe, folgte seinem Stolpern, ehe sie ihn losließ und sich noch einmal umwandte. Sie erlaubte es sich, noch einen fassungslosen Blick über den Tumult zu werfen, während sie eine neue Barriere erschaffte, die hoffentlich verhinderte, das ihnen IRGENDETWAS aus diesem Keller in den nächsten Minuten folgen konnte. Das bläuliche Schimmern des neuen Schutzzaubers beruhigte sie zumindest ein wenig, als sie sie ihren Blick von den schauderlichen Gestalten riss und sich wieder Drazan widmete. Wieder packte sie ihn, schob ihn wenig rücksichtsvoll den Gang entlang und zwang sich dazu, vorerst selbst nichts zu sagen, bis sie zumindest wieder das Tageslicht erreicht hatten. Glücklicherweise war Drazan erschöpft genug, um keine Gegenwehr zu leisten, auch dann nicht, als sie ihn unsanft die Treppe hinauf bugsierte. Als sie nach schier endloser Zeit endlich wieder im Turm ankamen, übermannte es sie schließlich doch und noch ehe sie tatsächlich zurück an der frischen Luft waren, fanden ihre Hände noch einmal den Weg an seinen Kragen. Ihr unerwarteter Überfall ließ den Zauberer erneut gefährlich wanken und ein paar Schritte zurücktaumeln, ehe das alte Mauerwerk verhinderte, dass er gänzlich den Halt verlor und Beide einfach umkippten. Elsbeth gönnte sich und auch ihm einen einzigen Moment zum durchatmen, ehe sie ihre Fäuste, ohne sie vom Stoff seines Mantels zu lösen, einmal anhob, um sie direkt wieder unsanft auf seinen Schlüsselbeine aufkommen zu lassen. „Was glaubst du, wer du bist?“, entfuhr es ihr schließlich, obwohl sie gar keine Antwort auf diese Frage wollte. Für einen Moment hielt sie noch den direkten Blick in seine Augen aufrecht, aus dem nun neben der Wut auch noch eine deutliche Enttäuschung sprach, die sie schließlich dazu brachte, den Griff von seinem Kragen zu lösen. Sie hob noch einmal ihre rechte Hand, doch statt dem ersten Instinkt, ihm eine Ohrfeige zu verpassen, zu folgen, deutete sie stattdessen nur vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger zum Keller zurück. „Wenn jemand DAS DA herausbekommt…“ Und mit dem Aussprechen dieser Worte wurde ihr bewusst, dass sie nun etwas über Drazan wusste, dass mehr als nur pikant war. Eher… lebensgefährlich. In vielerlei Hinsicht. Und obwohl er ihr gerade irgendwie das Leben gerettet hatte, war sie sich in diesem Moment und mit diesem Bewusstsein plötzlich nicht mehr so sicher, wie es um ihre eigene Sicherheit stand, nun, dass sie Zeugin der Abartigkeit geworden war. Mochte in diesem Moment nur wenig Gefahr von Drazan ausgehen, konnte dies in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussehen. Sie trat einen Schritt zurück, ließ die Hand sinken, ehe sie sich mit einem verständnislosen Kopfschütteln abwandte. „Wir müssen hier weg.“, meinte sie dann nur noch tonlos, ehe sie sich in Bewegung setzte und nun keine Anstalten mehr machte, ihrem einstigen Lehrer weiter zu helfen.
Auch wenn sie es für wenig wahrscheinlich hielt, dass man von solchen Regungen bei Konstrukten wie diesem reden konnte, schien die Rage des Golems einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Auch wenn in seinem Blick kein Verstand zu erkennen war, verhieß das Glimmen in den trüben Steinaugen keine Verhandlungsbereitschaft, geschweige denn irgendwelche Nachsicht. Nun waren sie Beiden also die Tanzpartner, zumindest bis die versprochene Ablösung auftauchen würde – hoffentlich. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, vertraute sie Drazans Worten, stellte sie nicht einmal für einen Moment in Frage, sondern straffte sich pflichtbewusst. Sie wusste nicht, woher dieser vermeintlich blinde Gehorsam herrührte. Vielleicht war jedem Nilfgaarder eine gute Portion Gehorsam schon mit in die Wiege gelegt worden. Wahrscheinlich hatte auch ihre Ausbildung und der Kriegsdienst etwas damit zu tun. Höchstwahrscheinlich spielte Drazan selbst in dieser Gleichung jedoch auch eine durchaus wichtige Rolle.
Mit einer fließenden Bewegung trat Elsbeth einen Schritt nach vorn. Mit einem Wink der linken Hand ließ sie die mittlerweile zu Boden gesunkenen Zeichen und Siegel noch einmal auftreiben, als wäre ein heftiger Windstoß durch die Halle gefahren. Erneut verschaffte diese Ablenkung, die der Golem mit heftigem Brüllen kommentierte, ihr den Moment Zeit, den sie benötigte, um sich in eine bessere Position zu bringen, mit der rechten Hand auszuholen und ein weiteres Mal eine Steinplatte in Bewegung zu setzen – diesmal direkt unter dem linken Fuß des Golems. Der spontane Bruch seiner Standhaftigkeit hatte den gewünschten Effekt: der Golem wankte für ein paar Augenblicke, ehe er in die Knie ging und für einen wichtigen Moment lang verwirrt um sich schlug. Die Reste der Platte ließ Elsbeth mit einer weit ausholenden Bewegung des rechten Armes gegen seinen Schädel donnern. Untermalt von einem ohrenbetäubenden Brüllen räkelte Elsbeth in vermeintlicher Seelenruhe die Schultern, ehe sie nun beide Hände hob und mit konzentriert gewählten Worten einen nicht perfekten aber für den Moment wirksamen Verlangsamungszauber wirkte, der für den Moment verhinderte, dass sich der Golem aufrichtete und auf sie stürzte. Seine Bewegungen wurden zusehends fahriger und gerade als Elsbeth sich gewagt hätte, wieder den Blick vom Feind abzuwenden um sich nach Drazan umzusehen, wurde es schlagartig dunkel um sie herum.
Bevor sie die plötzliche Starre, in die sie gefallen war, überwinden konnte, hatte sich der dunkle Nebel um sie bereits wieder gelichtet, konnte sie nur regungslos beobachten, wie sich der Golem langsam aber sicher aus seiner Starre löste. Während ihr Verstand noch damit beschäftigt war, das eben geschehene zu verarbeiten und einzuordnen, wandte sich ihr Blick langsam um, in eine Ecke der Halle, in der sich etwas regte – was sich definitiv nicht regen sollte. „Scheiße…“, entfuhr es ihr fast laut- und ziemlich tonlos, als sie wirklich erkannte, was wirklich um sie herum passierte. Ihre Hände hatten sich derweil kraftlos gesenkt, weniger aus tatsächlicher Erschöpfung als auch schierer Hilflosigkeit der Situation gegenüber, die sie verwirrte und anekelte gleichermaßen. Schier gefangen in der Verarbeitung des Anblicks der Leichen hätte sie Drazan kaum bemerkt, wenn er sie nicht angesprochen hätte. Sie brauchte einen Moment, ehe ihr Blick ihn wirklich erfasste, bevor der plötzliche Angriff der Leichen sie abrupt zusammenfahren ließ. Instinktiv entfleuchte ihr die Beschwörung eines Schutzzaubers, während sie sich mit hochgezogenen Schultern vom Schlachtfeld abwandte. Sie wollte hier weg. Sofort. Auf der Stelle. Ein Golem mochte ein furchteinflößender Anblick sein, doch das, was sich nun dort abspielte, war weit mehr als das. Das war falsch. Und neben der puren Angst, die noch in ihr wallte, gesellte sich direkt eine sehr große Portion Wut und Unverständnis.
Genau diese explosive Mischung lag deutlich in ihren Augen, als Drazan neben ihr auftauchte und sie ihm einen kurzen Blick zuwarf. Lang genug, um seinen Zustand zu registrieren und den Anflug einer Sorgenfalte auf ihrer Stirn zu zeichnen, kurz genug, um ihm zu verdeutlichen, dass sie mit alledem so. gar. nicht. einverstanden war. Um irgendwie die Fassung zu bewahren hätte sie gern tief Luft geholt, doch die Umstände ließen sie nur kurz hörbar nach Luft schnappen, während sie gegen die magische Barriere starrte, die ihren Fluchtweg weiterhin versperrte. Diese Aufgabe schnellstmöglich zu lösen war nicht nur eine gute Ablenkung von den Geräuschen und Geschehnissen in ihrem Rücken, sondern auch von Drazan. Gerade hatte sie ihre Hand ausgestreckt und vorsichtig an die Barriere gelegt, als Drazan ihr vorschlug, doch genau jetzt abzuhauen. Statt irgendetwas zu antworten entschied sie sich, einfach die Klappe zu halten, die Kiefer fest aufeinanderzupressen und jetzt nicht direkt eine Diskussion vom Zaun zu brechen, dafür wäre an anderer Stelle genug Zeit. Doch ihre Fassung hielt nur ein paar Sekunden an, bis ihr die verhängnisvollen Worte „Faszinierend, nicht?“, an die Ohren gelangten. Sie reagierte schneller, als sie denken konnte. Während ihre linke Faust mit einem heftigen Ausbruch gegen die Barriere knallte – und glücklicherweise nicht in Drazans Gesicht – schnellte ihre Rechte in seine Richtung und krallte sich grob in seinen Kragen. Ob es seine körperliche Verfassung war oder die Wut, die ihre Kräfte befeuerte, war schwer zu sagen, doch der Ruck in ihre Richtung ließ Drazan wehrlos unsittlich nahe an sie herantaumeln. Der drohende Blick, mit dem sie ihn bedeutungsschwer für eine für die Situation unangemessen lange Zeit bedachte, sollte Warnung genug sein, um jetzt einfach den Mund zu halten. Wie gern hätte sie ihm direkt die Leviten gelesen, doch sie hatte genug Verstand, sich der obersten Priorität – dem Entkommen aus dem Keller – zu widmen. Dennoch löste sie ihren Griff um seinen Kragen nicht. Während sie Drazan mit der rechten Hand weiter festhielt fuhr die Linke prüfend über das Feld, dass ihnen den Weg versperrte und nun doch wieder ihre ganze Aufmerksamkeit einnahm. Suchend, prüfend fuhr ihr Blick hinauf, hinab, nach links und rechts. Nach einem kurzen Räuspern und einem gezwungenen tiefen durchatmen begann sie schließlich, konzentriert auf den Zauber einzureden, ihre Gedanken und Kraft auf die Suche nach seinem Ursprung und dem Ursprung zu schicken. Es fiel ihr nicht leicht, sich nicht von dem Tosen im Hintergrund ablenken zu lassen und dem wankenden Drazan nun gleichzeitig mit ihrem Griff irgendwie Halt zu geben. Obwohl ihre volle Konzentration dem Zauber galt, ließ ihre rechte Hand nun doch von seinem Kragen ab und wanderte an seinem Rücken entlang zur ihr abgewandten Hüfte, um ihm mehr Halt zu geben. Ihre Worte wurden leiser, die Abfolge der Silben schneller, ungeduldiger, bis sie endlich das erlösende Kribbeln in den Fingerspitzen fühlte, ehe sich die Barriere unter ihnen auflöste, wie ein flüchtiger Gedanke. Sogleich gab sie Drazan einen deutlichen Schubs nach vorn Richtung Treppe, folgte seinem Stolpern, ehe sie ihn losließ und sich noch einmal umwandte. Sie erlaubte es sich, noch einen fassungslosen Blick über den Tumult zu werfen, während sie eine neue Barriere erschaffte, die hoffentlich verhinderte, das ihnen IRGENDETWAS aus diesem Keller in den nächsten Minuten folgen konnte. Das bläuliche Schimmern des neuen Schutzzaubers beruhigte sie zumindest ein wenig, als sie sie ihren Blick von den schauderlichen Gestalten riss und sich wieder Drazan widmete. Wieder packte sie ihn, schob ihn wenig rücksichtsvoll den Gang entlang und zwang sich dazu, vorerst selbst nichts zu sagen, bis sie zumindest wieder das Tageslicht erreicht hatten. Glücklicherweise war Drazan erschöpft genug, um keine Gegenwehr zu leisten, auch dann nicht, als sie ihn unsanft die Treppe hinauf bugsierte. Als sie nach schier endloser Zeit endlich wieder im Turm ankamen, übermannte es sie schließlich doch und noch ehe sie tatsächlich zurück an der frischen Luft waren, fanden ihre Hände noch einmal den Weg an seinen Kragen. Ihr unerwarteter Überfall ließ den Zauberer erneut gefährlich wanken und ein paar Schritte zurücktaumeln, ehe das alte Mauerwerk verhinderte, dass er gänzlich den Halt verlor und Beide einfach umkippten. Elsbeth gönnte sich und auch ihm einen einzigen Moment zum durchatmen, ehe sie ihre Fäuste, ohne sie vom Stoff seines Mantels zu lösen, einmal anhob, um sie direkt wieder unsanft auf seinen Schlüsselbeine aufkommen zu lassen. „Was glaubst du, wer du bist?“, entfuhr es ihr schließlich, obwohl sie gar keine Antwort auf diese Frage wollte. Für einen Moment hielt sie noch den direkten Blick in seine Augen aufrecht, aus dem nun neben der Wut auch noch eine deutliche Enttäuschung sprach, die sie schließlich dazu brachte, den Griff von seinem Kragen zu lösen. Sie hob noch einmal ihre rechte Hand, doch statt dem ersten Instinkt, ihm eine Ohrfeige zu verpassen, zu folgen, deutete sie stattdessen nur vorwurfsvoll mit dem Zeigefinger zum Keller zurück. „Wenn jemand DAS DA herausbekommt…“ Und mit dem Aussprechen dieser Worte wurde ihr bewusst, dass sie nun etwas über Drazan wusste, dass mehr als nur pikant war. Eher… lebensgefährlich. In vielerlei Hinsicht. Und obwohl er ihr gerade irgendwie das Leben gerettet hatte, war sie sich in diesem Moment und mit diesem Bewusstsein plötzlich nicht mehr so sicher, wie es um ihre eigene Sicherheit stand, nun, dass sie Zeugin der Abartigkeit geworden war. Mochte in diesem Moment nur wenig Gefahr von Drazan ausgehen, konnte dies in wenigen Tagen schon wieder ganz anders aussehen. Sie trat einen Schritt zurück, ließ die Hand sinken, ehe sie sich mit einem verständnislosen Kopfschütteln abwandte. „Wir müssen hier weg.“, meinte sie dann nur noch tonlos, ehe sie sich in Bewegung setzte und nun keine Anstalten mehr machte, ihrem einstigen Lehrer weiter zu helfen.
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