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Setz‘ dich zu uns, nimm einen Krug und deine Gwintkarten in die Hand. Es sind schwere Zeiten, in denen du zu uns gestoßen bist. Wir schreiben das Jahr 1273 und das Feuer der Hexenjagd hat schon viele Menschenleben verschlungen. Egal ob Mensch, Mutant oder Anderling: Es wird Zeit, dich für eine Seite zu entscheiden. Schmiede mit uns das Schwert des Schicksals neu und verändere mit uns die Politik, um Geschichte zu schreiben.
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The Square › Silver & Steel › Redanien
[closed] Dragonslayer & Dragonexplorer

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[closed] Dragonslayer & Dragonexplorer
Drazan
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#11
23.10.2021, 20:17
Nachdem er sein Drachenproblem gelöst hatte, trat er zunächst den verzweifelten Versuch an das Blut der Gefallenen von seiner Gewandung zu lösen. Mit herkömmlichen Mitteln war dies alles andere als eine leichte Aufgabe, weswegen er sich kurzerhand dazu entschloss diese einfach zu wechseln. Er würde schon einen unglücklichen Adjutanten finden, der ihm das abnahm. Der Wechsel der Kleidung war allerdings nicht unbedingt eine modische Verbesserung, ein anderes Muster hier, mehr Verzierungen da aber im Großen und Ganzen: Immer noch dieses typische Schwarz. Anschließend trat er aus seinem eigenen Zelt und ging eher leichten Schrittes durch das Lager, peilte ungefähr an in Richtung Vergen zu gehen. Er wurde oft angesprochen, mit allerlei Problemen und Belangen die eigentlich überhaupt nichts mit ihm zu tun hatten, aber da er nun einmal Magier war und diese als besonders schlau galten, wurde er eben zu allem konsultiert. In Vergen selbst war mittlerweile nilfgaardische Ordnung eingekehrt. Die, die sich nicht beugen wollten hingen von diversen Bäumen, Torbögen oder was sich sonst gerade so anbot. Schmiede durften der Armee wertvolle Dienste leisten, Gasthäuser die Offiziere bewirten und der Rest beim Aufbau helfen. Eines musste man der Armee lassen, auch wenn es immer noch ein Haufen Adrenalingetriebener Männer war, sie waren deutlich disziplinierter als die Nordlinge. Natürlich hatten sie bestimmt auch die ein oder andere Frau mit Gewalt genommen, Geschäfte geplündert oder Leute die blöd dreingeschaut haben hingerichtet. Allerdings hatte sich das schnell gelegt und die Offiziere brachten Ordnung in die Sache. Es war nämlich absolut nichts Wichtigeres in diesem Imperium als die natürliche Ordnung, welche vom Kaiser festgelegt wurde und in die Welt getragen werden musste. Eine Qualität die er neben all dem Negativen durchaus am Süden schätzte. Das schöne war, im Gegensatz zu Saskia, wusste hier jeder was passierte, wenn sie nicht mit den Offizieren der Schwarzen kooperierten. Sie landeten am nächsten Mast.

Daher waren viele ausgesprochen kooperativ ihm einige Nachfragen zu beantworten. Er ließ sich einige Gerüchte zu der Sache mit Sabrina Glevissigs Fluch vortragen, einige zu Saskia und zu Vergen generell. Wobei ihn bei den Erzählungen die zwergische ruppige Art durchaus zu amüsieren mochte. Einer konnte ihm sogar mitteilen, wo der Ort war, an dem der Fluch angeblich ausgesprochen wurde. Nach einem vollen Rundgang durch die kleine Stadt suchte er anschließend den vom Zwerg genannten Ort auf, an dem die Zaubererin ans Rad geschlagen wurde. Trotz der Kämpfe war der Platz weitestgehend unberührt und man konnte trotzdem noch spüren, was hier einmal geschehen war. Das leichte Knistern in der Luft, die Anspannung die sich für sensitive ganz automatisch einstellte. Faszinierend. Er hatte über den Fluch nur in einigen lokalen Zusammenfassungen gelesen, selbst hatte er ihn nicht gesehen. Aber es war durchaus interessant, was die doch sehr unangenehme Kollegin hier losgetreten hatte. Normalerweise müsste man ihr dazu ja gratulieren, war es schließlich ein ordentliches Stück Arbeit einen solch potenten Fluch zu kreieren, andererseits war es schlicht und ergreifend eine Katastrophe gewesen, an der es nichts Schönes gab. Einige simple Analysezauber gaben ihm jedoch auch keinen weiteren Aufschluss, außer dass sie den Eindruck bestätigen das die magischen Spuren eines solchen Zaubers noch immer vorhanden waren.

Nachdem er den Platz verlassen hatte, nahm er eine simple (und magische) Abkürzung zurück ins Zelt. Es war durchaus einige Zeit ins Land gegangen und er musste ja sehen ob er die Jungfrau von Aedirn nicht ausversehen zu sehr beschädigt hatte. Er tauchte also wieder im Zelt auf, sein Blick richtete sich sogleich stoisch auf Saskia. Den vorwurfsvollen Blick behandelte er ebenso desinteressiert, wie die vielen Fragen die er eben im Lager gestellt bekommen hatte. „Habe ich.“, sagte er dann trocken und kam ungefragt näher. Schaute sich interessiert die Stellen an, in welchem sein Zauber bei ihr eingeschlagen war. Beobachte kurz ihr Verhalten und nickte anschließend zufrieden. Er hatte sie nicht getötet, was positiv war. Er hatte es zwar etwas übertrieben, allerdings schien sie es ganz gut wegzustecken. Alles in allem eine recht solide Ausführung des Zaubers. Sie hatte ja auch, wenn man einmal ehrlich war, schlimmeres erlebt. Beispielsweise in einer Schlucht halbtot anzulanden und es dann noch irgendwie hinbekommen einen halbwegs gesunden Eindruck zu machen. Von daher würde sie es wohl definitiv überleben, ausgezeichnet. „Ich musste lediglich sicherstellen, dass ihr kein sabbernder Fall für die Gottesanbeter werdet.“ Er lächelte wie immer charmant und machte ansonsten auch keinerlei anstalten, das Gespräch weiter zu vertiefen und würde nach einem prüfenden Blick durch die Zelle wohl auch nicht mehr allzu lange in dieser verbleiben.
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Saskia
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#12
23.10.2021, 20:18
Sie bildete sich ein, seinen Blick in ihrem Nacken spüren zu können und zog daraufhin mit stummem Groll die Augenbrauen zusammen, weiter an die Wand starrend. Seiner Antwort auf ihre Frage vermochte sie keinen Glauben zu schenken, denn er war immer noch anwesend und würde wohl kaum den Mund halten können. Die Stille, die sich wieder Erwarten nun doch einstellte, ließ sie misstrauisch werden und sich nun doch auf den Rücken wenden, um ihn weniger umständlich und unbequem ins Sichtfeld zu bekommen. „Ich musste lediglich sicherstellen, dass ihr kein sabbernder Fall für die Gottesanbeter werdet.“ Sein zufriedener Gesichtsausdruck und seine Erklärung über das erneute Auftauchen ließen sie fast schon amüsiert Schnauben. „Da müsstet Ihr wohl schon noch ein wenig mehr Aufwand für betreiben.“, antwortete sie dann bissig und fühlte sich durchaus persönlich getroffen davon, dass er sie offenbar immer noch so unterschätzte. Sicher, der Zauber war schmerzhaft und effektiv gewesen, doch weitreichende Folgeschäden hatte sie wohl kaum davon zu befürchten. Albträume, allerhöchstens. Sein Lächeln brachte sie dazu, sich mit einem fast schon angewiderten Blick wieder von ihm abzuwenden und nun stoisch an die Decke des Zeltes zu blicken. Nun, offenbar hatte der Zauber auch ihre Wut ein wenig gezügelt, denn ihre Gedanken waren nicht sogleich wieder mit dem Wunsch nach seinem gebrochenen Genick gefüllt, sondern mit der Erinnerung an Philippas Liebeszauber, der durchaus Folgeschäden mit sich gebracht hatte. Sie verzog in schmerzlicher Erkenntnis das Gesicht und traute dem Nilfgaarder dennoch nicht zu, dass er zu solchen weitgreifenden Zaubern in der Lage war. Sonst würde er wohl kaum an der Front seine Bestimmung suchen. Amateur. Pah.

An einem anderen Tag hätte sie wohl über ihre Gedanken gelacht, weil sie absurd waren. Sie konnte und wollte den Zauberer nicht einschätzen, ihn nicht Philippa vergleichen. Weil es ihr nicht zustand, weil sie aller eigenen Fähigkeiten zum Trotz offensichtlich unterlegen war und damit den eigenen Spott verdient hätte. Sie war nicht in der Position, ihn abzuwerten, hätte ihn wahrscheinlich sogar beglückwünschen sollen, wenn das letzte bisschen Stolz, das sie gerade noch finden konnte, standhaft davon abriet. Ja, vielleicht war sie einfach zu stur, um sich mit der Situation abzufinden. Aber sie wollte, nein, musste sich wenigstens einen Tag des puren Grolls gestatten über ihre Niederlage, ihre Verluste – alles andere hätte sich wie ein tiefer Verrat angefühlt, auch wenn es wahrscheinlich nur noch wenig Personen in der Niedermark gab, die ihr einen Vorwurf hätten machen können. Wieder zogen sich ihre Augenbrauen zusammen, ehe sie sich erneut auf die Seite rollte – von ihm weg, natürlich. Morgen vielleicht würde sie weiter mit ihm reden. Für heute wollte sie kein Wort mehr verlieren. „Morgen.“, meinte sie dann leise und senkte die Lider. „Lasst uns Morgen reden.“ Man hätte den Tonfall ihrer Kapitulation fast schon versöhnlich nennen können.


Schon weit vor den ersten Geräuschen, die darauf hindeuteten, dass das Lager langsam erwachte, hatte Saskia die Augen wieder geöffnet. Wirklichen Schlaf hatte sie nicht gefunden, zu viele Gedanken hatten sie wachgehalten. Sie hatte sich ausgemalt, wie die Vergener ihre Flucht durch die Minen geschafft hatten und hatte im nächsten Moment die leblosen Körper ihrer Freunde vor ihrem inneren Auge gesehen. Sie hatte sich eingebildet, dass sie den Geruch der verbrannten Leichen wahrnehmen konnte, als hätte sie direkt neben den schwelenden Knochen gestanden. Da sie wusste, dass es durchaus Geister gab, hatte sie sogar kurz die Furcht gepackt, für immer von ihren Kameraden verfolgt zu werden, weil sie aller Wahrscheinlichkeit nach kaum ein vernünftiges Begräbnis erhalten würden. Hätte man sie nur gelassen, hätte sie für jeden einzelnen Gefallenen ein Grab eigenhändig ausgehoben. Und vielleicht hatte sie sogar in die Nacht gelauscht und gehofft, dass ein Aufruhr im Lager losbrechen würde, weil jemand kam, um sie zu retten. Wie in den Geschichten, die ihr Vater ihr damals erzählt hatte – die Rettung der ungerecht Gefangenen. Die Rettung der Prinzessin. Aber nichts dergleichen geschah, wahrscheinlich weil sie weder eine hübsche Prinzessin geschweige denn zu Unrecht eingesperrt war. Und in den Geschichten wurden die Menschen auch vor Drachen gerettet – nicht umgekehrt.

Ihr Körper fühlte sich endlich wieder an, als würde er zu ihr gehören, sah sie vom unterschwelligen Kribbeln der Haut unter den Dimeritiumfesseln ab. In der Dunkelheit des Zeltes hatte sie sich leise zum Tisch bewegt und eindeutig zu lange in Gedanken versunken auf den Überwurf gestarrt, den der Zauberer dort abgelegt hatte. Mit einem stummen Seufzen – immerhin wollte sie die Ruhe noch so lange wie möglich ausnutzen – griff sie nach dem einfachen Stoff und warf ihn sich über die Schultern. Wenn sie doch wenigstens ihre Hände unabhängig voneinander bewegen könnte. Sie schnalzte leise mit der Zunge, als sie sich wieder auf dem Bett niederließ und hob die Kette, die eben dies verhinderte vor ihre zusammengekniffenen Augen. Das mittlere Kettenglied hatte sich bei ihrem gestrigen Aufstand bereits deutlich verformt. Sie warf einen kurzen Blick durch die Zelle, die selbstverständlich nicht mit irgendeinem für ihr Vorhaben nützlichem Gerät ausgestattet war. Dann musste sie wohl doch rohe Gewalt anwenden. Mit einem tiefen Atemzug bereitete sie sich seelisch und moralisch auf den kommenden Schmerz vor. Sie machte es so kurz und schmerzlos wie möglich – nur für einen Augenblick erlaubte sie ihrer inneren Bestie ein kurzes Aufbegehren, gerade genug, um mit einem einzigen Ruck der Handgelenke in entgegengesetzte Richtungen das Kettenglied endgültig aufzubiegen. Das goldene Schimmern unter ihrer Haut verschwand so schnell, wie es gekommen war. Sie atmete keuchend aus, ließ die Hände in den Schoß sinken und verharrte einen Moment, in den Schmerz in ihren Armen hineinlauschend, ehe sie mit der rechten Hand das verdrehte Stück Dimeritium mühsam mit zitternden Fingern aus den benachbarten Gliedern löste und mit einem präzisen Schwung aus dem Handgelenk auf den Tisch warf.

Ein leichter Anflug von Zufriedenheit breitete sich in ihr aus. Nicht, dass ihr damit jetzt geholfen wäre, aber es war ein erster Schritt, den sie auch beliebig oft wiederholen würde, würde der Zauberer auf die Idee kommen, die Fesseln auszutauschen – sofern er einen Vorrat haben sollte, was sie ihm durchaus zutraute. Das größte Übel konnten die Fesseln aber auch so verhindern – zumindest ahnte Saskia dies und machte keinerlei Anstalten, es gleich einmal auszuprobieren. Sie räkelte die Schultern, die sich über die zurückgewonnene Bewegungsfreiheit ebenso freuten, wie sie selbst, streckte sich und ließ sich dann auf die Seite auf das Bett fallen – abwartend. Aufmerksam lauschte sie ins Dunkel hinein. Wieder der kurze Anflug der Hoffnung – doch es kam keine Hilfe. Keine Scoia’Tael, keine Zwerge, keine Hexer, keine Einhörner und keine Drachen. Noch nie in ihrem kurzen Leben hatte sie so allein so tief in der Scheiße gesessen.
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Drazan
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#13
23.10.2021, 20:18
Er hatte doch zugegeben ein, für ihn, unnatürliches Maß an Wut über die Sturheit von Saskia verspürt. Wut welche die Nacht zweifelsohne wegfegen würde. Er war nicht gerader emotionalste und jegliche Ausbrüche in die ein oder andere Richtung sollten als unvergesslicher Fehler in irgendeinem Buch niedergeschrieben werden, das andere daraus lernen sollten! Jedenfalls strich er für den Abend die Segel, verließ die Zelle – und auch wenn der spannende Teil des Tages sich damit auf Morgen verschoben hat. Nach einigen sehr langweiligen und kaum erwähnenswerten Tätigkeiten, fand er schließlich Ruhe in seinem Zelt. Wie üblich mit einem Buch in der Hand bis spät in die Nacht, als ihn endlich die Ruhe des Schlafes überkam. Es war doch etwas unangenehm neben einem Drachen zu schlafen, jedenfalls drehte er sich des ein oder anderen Males unangenehm zu in die ungefähre Richtung von Saskias Zelle blickend herum. Nein, es schlief sich nicht gut. Es schlief sich ganz und gar, wie es einer dieser armseligen Bauern sagen würde, beschissen.

Der nächste Morgen enthielt wenig neue Offenbarungen. Nach der üblichen, kurzen Wäsche hatte er für alles Zeit – nur für seine Gefangene nicht. Er musste mit dem Kommandanten reden, magische Fallen aufstellen. In Vergen nach Zauberern suchen, die es vielleicht geschafft hatten sich zu verstecken, waren sie ja schließlich unbeobachtet stehts eine Bedrohung. Magische Artefakte mussten gesucht werden, Vorkehrungen gegen die Leichenfresser unternommen werden, Gefangene verhört…es war ein stressiger Job den man so als Berater hatte. Dabei hatte er das Meiste schon an seine Kollegen delegiert, aber manche Sachen machte er lieber selbst. Getreu dem Motto, was man will das es richtig gemacht wird, macht man am besten selbst. Es dauerte also eine ganze Weile, in der er sich nicht blicken ließ. Nicht in seinem eigenen Zelt, nicht bei Saskia. Bis zu den späten Nachmittagsstunden war der gute Herr Zauberer beschäftigt, alle Zeit der Welt um sonst für einen Unfug anzustellen, ehe er endlich zurückkehrte. Mit galanten Schritten betrat er jene Stoffhülle, die um einen recht tristen Käfig gespannt war, zog sich einen Stuhl heran und setzte sich vor die Gitterstäbe, irgendein Stück Obst mit einem Messer auf seinem überschlagenen Bein zerteilend. Wie immer war der Zauberer völlig in schwarz gekleidet, wie es eben der gute Ton in Nilfgaard war.

„Also…“, sagte er dann mehr oder minder mit dem Essen seiner Frucht beschäftigt, „Ich bin stets für Gespräche offen.“ Begrüßungen und Höflichkeiten durfte man von ihm nicht erwarten. Als Zauberer hatte man das offenbar nicht nötig, vielleicht lag es ja auch an ihrem Status als Gefangene, das er derlei Annehmlichkeiten der Gesellschaft bewusst wegließ. Vielleicht lag es auch einfach an ihm, seine Art, stets zur Sache zu kommen. „Insbesondere, wenn sie dem großen Themengebiet der Erforschung von Monstern dienen. Oder Drachen.“, er machte eine künstlerische Pause, „Hm, es ist eigentlich recht interessant das kaum Unterschieden wird. Zwischen idiotischen Höhlentrollen und intelligenteren Wesen. Wesen, die durchaus in der Lage sind sich zu verständigen…aber es liegt nun einmal in der Natur der Sache des gemeinen Volkes das es, nun, gemein ist. Idiotisch möchte ich beinahe sagen. Alles was nicht gekannt wird, soll vernichtet werden. Es sei denn das Kalb ist krank und niemand kann Helfen – dann vielleicht sind die Zauberer zu etwas gebrauchen. Selbst das geschätzte Kapitel hat sich zur Aufgabe gemacht, bestimmte Magiearten schlicht zu verfolgen obwohl es keine Kenntnis noch Grund dazu hat. Müssten doch gerade sie wissen, dass der klügste Kopf noch mit den unkontrollierbarsten Kräften zurechtgekommen ist.“ Er seufzt kurz. „Aber ich schweife ab. Es gibt bestimmt andere Dinge, die dich interessieren, als mein Gefasel, richtig? Vorausgesetzt natürlich, der Gemütszustand hat sich etwas abgekühlt. Ich vermute die Fesseln abzulegen war so ein symbolischer Akt der Gleichstellung oder so etwas in der Richtung, hm?“
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Saskia
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#14
23.10.2021, 20:19
Es gab nicht viel, mit dem sie sich effektiv die Zeit hätte vertreiben können und so hatte Saskia gezwungen tatenlos die Stunden mal sitzend, mal liegend, mal stehend und mal langsam durch die Zelle streifend verbracht, die Gitterstäbe gezählt, sich die Maserung des kleinen Tisches eingeprägt und den Wortfetzen gelauscht, die die Soldaten in der Nähe verloren. Aufschlussreich war nichts davon gewesen, offenbar war die Lage noch nicht übersichtlich genug, um den nächsten Zug der Truppe vorherzusagen aber offenbar geordnet genug, dass es mit jeder Stunde ruhiger und geordneter im Lager wurde – das zumindest bildete sie sich ein. Dass man sie warten ließ, überraschte sie kaum, unterstellte sogar Absicht und hätte sich auch nicht gewundert, wenn ihr persönlicher Wächter gar nicht mehr aufgetaucht wäre. Eine Strafe wäre es kaum für sie gewesen, denn eigentlich war sie wenig erpicht darauf, ihm Frage und Antwort zu stehen oder sich erneut von ihm vorführen zu lassen. Dennoch lauerte sie auf sein Erscheinen, denn ob sie wollte oder nicht – er war ihre einzige Möglichkeit, an einen Hauch Information über das Geschehen außerhalb des Zeltes zu kommen, auch wenn ihm danach sicherlich kaum der Sinn stand oder es ihm seine Position – oder sein verdammter Stolz - überhaupt erlauben würde.

Sein Auftritt war wiederum unspektakulär und riss Saskia nur langsam aus ihren Gedanken, denen sie, wieder auf dem Boden mit dem Rücken an das Bett gelehnt, nachhing. Sie beobachtete ihn dabei, wie er Platz nahm und hatte für seine übertriebene Gleichgültigkeit, die er ausstrahlte, nur ein müdes Lächeln über, das in einem kurzen Schnauben gipfelte. Sie streckte die angewinkelten Beine durch, überschlug sie ebenso wie er und verschränkte die Arme locker vor dem Körper, während ihre Augen den Bewegungen seiner Hände folgten und sie seine vermeintliche Begrüßung mit einem kurzen, tiefen durchatmen kommentierte. Seine Bereitschaft für Gespräche schien genau diese Worte lang anzuhalten, ehe er sich erneut in einem Monolog verlor, dem Saskia mit leicht schief gelegtem Kopf aufmerksam lauschte. Ihre Augenbrauen zogen sich derweil mehr und mehr zusammen und mit einem deutlich angespannten Augenaufschlag über sein Lamentieren über die Dummheit der Menschen löste sie nun den Blick von seinen Händen, schaute sie hinauf zu seinem Gesicht, in der Hoffnung dort zu erkennen, dass er seine Worte selbst nicht ernst meinte. Seine Rede entlockte ihr keinerlei Mitgefühl für die armen, unverstandenen magisch Begabten, deren Hang, sich über die normalen Menschen zu stellen, sie kein Stück als eben jenes angesprochene ‚gemeine Volk‘ machte und den sie durchaus als einen der Gründe für all das Misstrauen und die Missgunst, die man ihnen entgegenbrachte, ansah. Im Gegenteil – es führte ihr nur wieder vor Augen, dass das, wofür sie in den letzten Monaten, Jahren, eingestanden und gekämpft hatte, richtig und wichtig gewesen war. In der Niedermark hätte sie jemanden wie ihn eigenhändig auf die andere Seite der Grenzen befördert und ihm inniglich ans Herz gelegt, nie wieder mit solchen Gedanken in das freie Königreich zu kommen, hätte es keinen Platz für solche Ansichten gegeben. Aber da von dieser Niedermark nichts mehr übrig war und es derzeit keine Grenze gab, für deren Sicherheit sie sich verantwortlich zeigen konnte, senkte sie nur enttäuscht den Blick, bis er sie wieder direkt ansprach, auch wenn seine Frage nach Dingen, die sie interessierten, wahrscheinlich nur rhetorisch gestellt war und seine folgenden Worte ihren Puls deutlich beschleunigten. Sein Sticheln traf Saskia nicht dermaßen unvorbereitet wie am Vortag, dennoch ballten sich ihre Hände für einen kurzen Augenblick zu Fäusten, ehe sie sich um ein falsches Lächeln bemühte und seine vermeintlich gute Absicht damit zur Kenntnis nahm. „Für eine Gleichstellung sind noch zu viele Gitterstäbe zwischen uns, fürchte ich.“, antwortete sie dann mit leicht verengten Augen, während sie sich erhob. Sie zog sich nun selbst einen Stuhl heran und ließ sich ihm gegenüber auf diesem nieder, um ihm nun ohne drohende Nackenschmerzen in die Augen blicken zu können.

Sie hatte hunderte Fragen im Kopf, die sie ihm stellen wollte, fürchtete jedoch, dass er auf kaum eine davon halbwegs ehrlich oder überhaupt antworten würde. „Keine Frage.“, hob sie dann die Stimme, „Eine Bitte, stattdessen.“ Sie fürchtete, direkt von ihm unterbrochen zu werden und blickte ihn einen Moment lang abwartend und zweifelnd zugleich an, ehe sie weitersprach und sich das unangenehme Gefühl an den Handgelenken mit jedem Wort verstärkte. „Die Gefangenen, die ihr gemacht habt…“, sie sprach zögerlich, ahnte, dass alle Worte umsonst waren, „…sind gute, ehrenhafte Leute. Nicht alle von ihnen haben meine Entscheidung, sich Nilfgaard entgegenzustellen und Vergen bis zum bitteren Ende zu verteidigen, geteilt, dennoch sind sie mir loyal gefolgt.“ Sie senkte den Blick, auch wenn es eindeutig zu spät war, Entscheidungen anzuzweifeln. „Gönnt Ihnen einen gerechten Prozess, unter Ihnen sind einige der fähigsten Hände, die ihr in den Nordlanden finden könnt.“ Hoffentlich, fügte sie in Gedanken hinzu und während sich ihr Magen schmerzlich zusammenzog dachte sie an die Scoia’Tael, die, falls sie überlebt hatten, wohl kaum auf eine derartige faire Behandlung hoffen konnten, überragende Fähigkeiten und Loyalität ihr gegenüber hin oder her. Insgeheim zweifelte sie daran, dass der Zauberer die letzte Entscheidung über den Umgang mit den Gefangen tatsächlich selbst fällen würde, doch letztendlich wollte sie sich nicht den Vorwurf machen lassen, es nicht versucht zu haben. Sie hob schon fast beschwichtigend die Hände, um dann auf ihr eigenes Schicksal zurück zu kommen. „Für mein bisheriges Verhalten bitte ich indes um Verzeihung, insbesondere in Hinblick auf das weitere Vorgehen gegen meine Leute.“ Auch wenn dieses Eingeständnis nicht der ganzen Wahrheit entsprach kam es ihr durchaus glaubwürdig über die Lippen, auch wenn sie den Blickkontakt zum Zauberer in diesem Moment nicht wagte. Die Worte schmeckten bitter nach Verrat und nicht nur die Erkenntnis, in diesem Moment widerstandslos aufgegeben zu haben sorgte dafür, dass es tief in ihr wieder zu kochen begann – auch der erneut ausstrahlende Schmerz von den Dimeritirumfesseln ließ sie schmerzerfüllt für einen Moment die Kiefer aufeinanderpressen. „Als intelligenteres unter den Monstern werde ich Euch gern an meinem spärlichen Wissen über meine Art teilhaben lassen.“ Ihr fast schon drohender Tonfall der angestrengt gesagten Worte strafte sie sofort Lüge, doch für mehr ehrliche Zugeständnisse war es noch nicht an der Zeit.
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Drazan
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#15
23.10.2021, 20:19
Wie beiläufig zerteilte der Zauberer sein Obst, während seine Augen auf Saskia gerichtet waren. Seine Gefangene. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er zum ersten Mal in ein Gefangenenlager an der Front gekommen war. Es war ein derart scheußlicher Anblick, dass bei dem Gedanken daran ihm spontan der Appetit verging. Leicht zuckten die Mundwinkel des Mannes herunter, als sich die Bilder von Aasvögeln welche auf toten Augen herumpikten wieder in sein Kopf einbrannten. Nein, so würde er niemanden behandeln wollen. Es war auch furchtbar unpragmatisch, war einer der Gründe warum er in das Lager gehen musste ein Seuchenausbruch und eine Plage von leichenfressenden Monstern. Fürchterlich. Es war allerdings zu einem Zeitpunkt, als der Krieg schon so gut wie verloren war – die rebellischen Soldaten sich nicht mehr anpassen wollten und dementsprechend hingerichtet wurden. Schade eigentlich, waren sie so kurz davor nach Hause zu gelangen. Saskia hatte, nach offizieller Planung des nilfgaardischen Militärs, eine Zelle für etwa 20 Kriegsgefangene. Eigentlich ein Luxus.

Bei ihren Worten hob er eine Braue. „Keine Frage…hmh.“, er nickte lediglich. Tatsächlich hörte er sich aufmerksam an, und ausnahmsweise mit einer ernsten Mine, was Saskia wohl auf dem Herzen lag. Kurz kratzte er sich am Kinn und nickte schließlich. „Eine logische Bitte.“, erklärte er, „In Nilfgaard ist es so. Zivile Gefangene werden grundsätzlich nicht gemacht. Außer sie sind nobler Herkunft, Zauberer, Bürgerräte, eben…sagen wir mal…taktisch wertvoll. Was Soldaten angeht…und Milizen. Behandeln wir zunächst die Milizen. Im Regelfall werden sie zurück auf die Felder oder zum Aufbau geschickt, Berufssoldaten werden mit dem Aufbau ihrer Stadt beauftragt und nach Befriedigung des Gebietes in der Regel nach Hause gelassen, vorausgesetzt sie stellen sich nicht rebellisch an. Der Norden hat ein interessantes Bild der Nilfgaarder. Zweifelsohne sind wir Aggressoren, aber nicht unbedingt…unnötig brutal. Ordnung schätzt man im Reich über alles. Wenn es also tatsächlich ordentliche Männer sind, werden sie wohl keine Probleme bekommen.“ Er legte eine kurze Pause ein und schaut nochmal etwas angewidert auf sein mittlerweile akkurat entkerntes, geschältes und kleingeschnittenes Obst. Eine Schande es wegzuwerfen. „Ich könnte allerdings.“, sagte er dann nachdenklich, „Euch einen kleinen Gefallen tun. Vergen ist eine ausgesprochen hübsche Stadt – und eine Stadt mit einigen Geheimnissen magischer Natur, auch die eindeutig zwergischen Einflüsse haben ihre Vorteile. Ihr kennt die Stadt, nicht? Ich hatte den Eindruck, einige zwergische Minen zu sehen und auch…den ein oder anderen Zwerg. Wir sind weit vom nächsten vorgelagerten Stützpunkt entfernt und der Nachschub ist durchaus…eine schwierige Frage. Wenn wir unsere Ambitionen in diesen Gefilden weiter voranbringen wollen, oder sie später garnisonieren, ist eine Kriegsschmiede unabdingbar. Ich könnte den Offizieren durchaus vorschlagen für unseren weiteren Vormarsch Vergen zu einem Stützpunkt zu machen. Mit ihren Mauern ist die Stadt dafür einfach ideal. Das hieße vor allem für die Zwerge für die große Sonne Stahl zu schmieden, für die Bäcker für Nilfgaarder Brot zu backen…die Siedlung müsste vorher befriedet werden. Normalerweise ist die Lernkurve bei der Bevölkerung immer recht…steil, im blutigen Sinne. Wenn allerdings…ihr dazu überredet werden könntet eure Leute zu motivieren…angemessen folgsam unter unserer Besatzung zu sein, könnten wir uns das Kriegsrecht sparen.“ Er lachte leicht. „Vielleicht kriegt ihr eines Tages sogar eure freie Provinz der Niedermark, nach temerischem Vorbild.“

Er lehnte sich leicht vor und tippte sich nachdenklich auf dem Schoß herum. Ein ambitionierter Plan, zweifelsohne. Aber er würde Vergen voranbringen und ihm zusätzlich einige Bonuspunkte bei Saskia einbringen von der er nach wie vor nichts lieber wöllte, als Geschichten über Drachen und Verwandlungen zu hören – ein wenig wie ein kleiner Junge vor einem spannenden Buch. „Bevor wir aber dazu kommen…“, sagte er dann und steckte seinen Arm durch die Gitterstäbe hindurch, reichte Saskia quasi die akkuraten Fruchtstücke, „Es würde mich wirklich sehr interessieren, was es nun mit Drachen auf sich hat.“ Er überließ der Blonden die Hand voll und setzte sich dann wieder auf seinen Stuhl. „Es ist der eigentliche Grund warum ihr hier seid, habe ich euch das schon erzählt.? Sicherlich…nicht das was man gerne hören möchte, aber wieso lügen. Unsere gemeinsame Freundin hat mich lediglich auf die Gelegenheit aufmerksam gemacht. Ich teile übrigens nicht das Problem, Dinge, die mich nicht mehr neugierig machen einfach zu entsorgen.“
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Saskia
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#16
23.10.2021, 20:19
Zum ersten Mal konnte sie den Worten des Zauberers aufmerksam zuhören, ohne direkt in den nächsten Anfall zu geraten. Anders als vorher beruhigten sie seine Aussagen sogar ein wenig – sie kannte die Menschen der Niedermark gut genug, dass sie ihnen durchaus zutraute, vernünftig zu handeln und sich den Eroberern fügen würden. Dennoch zeigte ihr Blick eine gewisse Besorgtheit und Zweifel, immerhin wollte sie dem Mann, der dort vor ihrer Zelle saß, nicht blind vertrauen. Erzählen konnte er ihr Vieles. Mit einem leichten Nicken und Senken des Blickes deutete sie an, dass sie verstanden und soweit keine Einwände hatte. Wahrscheinlich erging es ihren Leuten besser mit der Niederlage gegen Nilfgaard, als es ihnen bei einer Niederlage gegen Kaedwen ergangen wäre.

Der angesprochene Gefallen ließ sie aufblicken – misstrauisch lehnte sie sich ein Stück auf dem Stuhl zurück. Natürlich kannte sie ihre Stadt – Vergen war immerhin der Ort auf der Welt, an dem sie sich die meiste Zeit ihres Lebens aufgehalten hatte. Und sicher wusste sie um die günstige Lage, die festen Mauern, an denen sich viele Königreiche ihre Zähne ausgebissen hatten und um die Schätze, die in den Minen in den Ausläufern der mahakamschen Berge lagen. Doch sie hatte Vergen nicht deshalb zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht. Es waren die Menschen, Zwerge, Elfen und Gnome gewesen, die die Stadt zu einem außergewöhnlichen, für sie fast schon liebreizenden Ort gemacht hatten, für den sie bereit war, jede Schlacht zu schlagen. Und so musste sie sich eingestehen, dass es der Stadt nur gerecht gegenüber gewesen wäre, sie wieder aufbauen zu lassen und ihre Vorzüge nicht in Trümmern verkommen zu lassen – auch wenn es unter der schwarzen Flagge mit der goldenen Sonne geschehen würde. Sie wandte den Blick von ihm ab, als er ihr den Vorschlag machte, sich selbst an die Überlebenden zu wenden und sie zur Vernunft zu rufen. Die Vorstellung, als geschlagenes Idol vor sie zu treten und sie trotz der Niederlage um einen weiteren Gefallen zu bitten, lag ihr wie ein schwerer Stein im Magen. Ja, sie würde die Gelegenheit wohl oder übel nutzen um ein letztes Mal vor ihre persönlichen Schätze zu treten und ihnen den Rat, sich zu fügen, auf den Weg mitgeben, das war sie ihnen irgendwie schuldig. Und selbst wenn man sie mit Spott und Hohn vom Platz jagen würde – irgendwie hätte sie es sogar verdient. Die wohl nett gemeinte Aussicht, die Niedermark unter Umständen zur freien Provinz zu machen, klang im Vergleich höhnisch und in ihren Ohren so absurd, dass sie nur mit einem schwachen Kopfschütteln reagieren konnte. Sie war nicht dafür gemacht, einem König oder Kaiser zu folgen und daran konnte nicht einmal die Aussicht auf eine Rückkehr in ihre Niedermark etwas ändern. Sie hätte abschließend gern etwas gesagt, doch der Berg an weiteren Herausforderungen, der sich mit seinen Worten nun vor ihr aufgetan hatte, verschlug ihr wortwörtlich die Sprache. Selbst wenn sie Worte gefunden hätte, hätte der Kloß im Hals sie daran gehindert, sie auszusprechen. Und so schwieg sie, nachdenklich ins Leere blickend, bis er das Thema wechselte und seine Bewegung sie aus den Gedanken riss.

Es war viel mehr ein Reflex als eine geplante Bewegung, die sie machte, um ihm das dargereichte Obst abzunehmen. Sie hielt die Stücke jedoch ohne Anstalten zu machen, sie zu Essen, sorgsam in den Handflächen, die Hände auf die Oberschenkel gebettet, als hätte er sie darum gebeten, auf sie Acht zu geben. Dass sie seine Stimme nun wieder als durchaus anstrengend empfand machte sie mit einem angestrengten Blinzeln und einem leisen Seufzen deutlich. Sie konnte die Faszination an ihrer eigenen Person seit jeher nicht nachvollziehen – so, wie sich jeder normale Mensch selbst nicht sonderlich interessant fand, fand sie sich auch nicht interessanter als den Schmied vom anderen Ende der Straße. Sie blickte stoisch auf das Fruchtfleisch in ihren Händen hinab, und schlug bei seinen letzten Worten die Lider nieder. „Es ist Philippa, nicht wahr?“, fragte sie dann, vermeintlich zusammenhangslos. Ihre Stimme klang rau und deutlich bewegt. Sie presste die Lippen für einen Moment aufeinander. Es brauchte keinen überaus scharfen Verstand, um die passenden Rückschlüsse zu ziehen. „Ich hoffe ihr wisst, worauf ihr Euch da eingelassen habt.“ Das Lächeln, dass sie ihm schenkte war überaus ehrlich: voller Mitleid. Nun war es an ihr, ein kurzes Lachen über die Lippen zu bringen. „Sie kennt mich gut, in jeglicher Gestalt. Welche Lücken in eurem Wissen, die sie nicht schließen kann, sollte ich füllen können?“ Sie blickte ihn offen an, lehnte sich wieder an die Stuhllehne, darauf die Gabe in den Händen weiter sicher zu halten. „Es gibt viele Sachen auf der Welt, die ich mir nicht erklären kann und ich möchte ehrlich sein: ich gehöre da irgendwie auch dazu.“ Nicht, dass sie sich nächtelang mit der Frage nach ihrem eigenen Sein um die Ohren geschlagen hätte – doch wer stellte schon die eigene Natur in Frage? Saskia selbst sah sich selbst als anders an, durchaus. Doch nicht als etwas Besonderes, dass haarklein erklärt und auseinandergenommen werden musste.
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Drazan
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#17
23.10.2021, 20:19
Er schlug Saskia die Befriedung von Vergen nicht nur aus Herzensgüte vor. Wenn er es schaffte, mit Saskia das Gebiet zu ordnen und sie gleichzeitig als wichtige Kriegsressource an ihn zu binden, würde er wesentlich mehr Zeit haben sich einen Plan zu überlegen wie er am Besten mit Saskia verfahren würde. Philippas Gefallen hatte er insofern erfüllt, als das er Saskia vor den anderen Nilfgaardern gerettet hatte, sie überlebt hat und vermutlich am Ende des Krieges eine Chance besteht, sie irgendwie in Philippas Hände zu spielen. Auch wenn es sehr lange dauern würde, bis es soweit war. Genug Zeit für ihn, den wahren Grund weswegen er sie gefangen genommen hatte zu erfüllen: Nämlich seine Monsterforschung. Wobei er sehr davon absehen würde, Saskia so zu bezeichnen – auch wenn es natürlich rational der am häufig benutzte Überbegriff für Wesen wie sie ist. Am Ende war er kein böswilliger Verhörmeister, sondern lediglich ein interessierter Forscher. Jemand der fasziniert von der Welt war und lediglich Chancen nutzte, diese Neugier zu befriedigen. Es lag auch eigentlich überhaupt nicht in seinem Interesse, Saskia in dieser Zelle eingesperrt zu sein. Er hatte sich, wie es eben seine Natur war, durchaus über sie informiert. Sie war zwar keineswegs eine Persönlichkeit, die normalerweise in seinem Umfeld herumlungerte, allerdings keineswegs eine verachtenswerte Person.

Er wurde hellhörig, als die blonde Drachendame Philippa ansprach. Ein leichtes Grinsen zeigte sich auf seinen Lippen, die Art, die einen anderen scharfen Verstand wertschätzte. „Ja.“, sagte er dann, „Ich vermute…gelinde gesagt, sie hofft auf ein weiteres Machtinstrument.“ Natürlich war es keinesfalls ein Trost welcher er brachte, insbesondere nicht, wenn ein Magier aus Nilfgaard es sagte. Ein Magier, welcher sie gefangen genommen hatte. „Das weiß ich durchaus.“, bestätigte er. Auf eine Schlange, darauf hatte er sich eingelassen. Er bewunderte Philippa durchaus für ihre politischen Ambitionen und ihre Weitsicht, teilten sie und er doch die gleiche Weltanschauung, jedoch machte er sich keine Illusionen hinsichtlich ihres Charakters. Machthungrige Persönlichkeiten waren stets wertvolle Verbündete, wenn man selbst nach Macht strebte – sie erledigten die Mühen, an welchen man selbst nicht interessiert war. Das war Drazan keinesfalls. Ihn nervten die Kriege, der Tod – die Verzweiflung und die unnötige Gewalt. Sollte er jemals seine utopischen Ziele verwirklichen, würde er an die nilfgaardische Akademie zurückkehren und der Forschung frönen, bis das er tot umfiel. Oder aber ein Leben als wandernder Magier, stets forschend, führen. Aber daran konnte er Tagträume verlieren, wenn es denn soweit war. Fürs erste musste er dem Pragmatismus frönen, konnte er die Welt doch nicht sich selbst überlassen.

„Ihr überschätzt den Kontakt, welchen ich mit ihr habe.“, sagte er dann, „Tatsächlich mag es durchaus sein das sie alles über euch weiß. Ich jedoch nichts, außer dem offensichtlichen. Es interessiert mich übrigens deshalb, weil ich einen großen Teil meiner Forschungen auf…Wesen spezialisiert habe. Einige Abhandlungen über die lebenden Toten finden sich bereits an der Akademie in Nilfgaard, daher ist es…berufliches Interesse welches mich in erster Linie an Wesen wie Drachen bindet. Woher sie kommen, wo sie leben – wie ihre Kultur ist, ihr Sozialverhalten? Wurdet ihr, nun, als Drache geboren oder…hat man euch als Mensch zunächst an eure Form gewöhnen müssen? Seid ihr im…Vermehrungsprozess eines Menschen zu Tage befördert worden oder in jenem eines Drachen? Es gibt so viele Fragen, welche ungeklärt sind und welche furchtbar faszinierend sind.“ Er lächelte sacht. „Ich vermute es ist genauso wie als würden mich Kinder auf der Straße nach einem Zauber fragen…es ist schwer so etwas zu erklären, wenn man sein ganzes Leben damit verbracht hat. Aber das macht es für andere nicht weniger interessant.“ Ein entschuldigendes Lächeln trat auf sein Gesicht. „Ich weiß die Umstände sind nicht die Besten, und ohne Philippa wärt ihr wirklich nicht hier, das stimmt. Allerdings denke ich nicht daran, euch wie eine gewöhnliche Kriegsgefangene zu behandeln – dafür spricht alleine diese Zelle. Es war tatsächlich ehrliche Neugier welche mich dazu bewogen hat, euch hier…festzuhalten. Und ehrlich gesagt denke ich, es gibt keinen Ort an dem ihr derzeit besser aufgehoben wärt – jedenfalls keinen der nicht utopisch ist.“
[Bild: drazan_sig.png]
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Saskia
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#18
23.10.2021, 20:20
Saskia hatte seit dem eklatanten Vorfall in Loc Muinne einige Zeit damit verbracht, ihren eigenen Groll auf Philippa Eilhart zu schüren. Nicht einmal der Rest des nicht vollständigen Liebeszaubers, der immer noch in ihr wohnte, sich über die Monate hinweg nahezu häuslich eingerichtet aber immerhin nicht mehr für sie allgegenwärtig war, konnte daran etwas ändern. Sicher, Saskia war schon immer ein Charakter gewesen, der sich dankbar dafür zeigte, wenn man ihr eine Richtung wies, ihr einen Fingerzeig gab – denn auch wenn sie in ihrer menschlichen Gestalt nicht so aussehen mochte, war sie immer noch blutjung und empfänglich dafür, sich einer Aufgabe anzunehmen, sofern sie diese moralisch vertreten konnte. Auch wenn sie selbst anfangs über die Idee der Scoia’Tael gelacht hatte und anfangs selbst größte Zweifel an ihrer Rolle als Drachentöterin hatte, hatte sie sich leiten lassen und ihre Fähigkeiten, die nicht primär das Feuerspeien und Fliegen waren, angeboten, um ein großes Ziel zu verfolgen. Doch im Gegensatz zu der Zauberin hatten ihr die Elfen und Zwerge und nicht zuletzt auch die Menschen an ihrer Seite ihr stets die Wahl gelassen, sie selbst Entscheidungen treffen lassen. Für Philippa hingegen war sie ein bloßes Werkzeug, dass mit einem Wink der Finger oder einem bloßen Gedanken gesteuert werden konnte. Kein eigenständiger Geist mehr, nur ein stummes, dienendes Symbol, hinter dem man sich als Fädenzieher unauffällig verstecken konnte. Und auch wenn Saskia ihr wohl wieder das eigene Leben verdankte und offenbar vom Werkzeug zum Forschungsobjekt degradiert worden war, würde sie auf der Hut bleiben – sie konnte sich vorstellen, dass es kein großer Aufwand für die Zauberer war, den Liebeszauber wieder komplett herzustellen und das Band wieder enger zu knüpfen und Saskia wieder die Herrschaft über die eigenen Gedanken und Taten zu rauben.

Dass ihr Gegenüber ihre Vermutungen bestätigte, ließ sie erneut sacht den Kopf schütteln. Sie zweifelte insgeheim an der Wahrheit seiner Worte, auch wenn sie zugeben musste, dass Philippa Saskia selbst nur beiläufig und selten direkt ins Verhör genommen hatte. Ihr hatte wenig an ihrer Vergangenheit und dem reinen Wesen an sich gelegen – nur an der Macht, die ein gezähmter Drache in ihren Händen bedeutete. Darin schienen sich die beiden magisch Begabten nun zu unterscheiden, immerhin. Es machte ihn jedoch nicht vertrauenserweckender. Sie folgte seinen Fragen, die nun auf sie einprasselten, ohne, dass sie Gelegenheit bekam, mit mehr als Blicken und leisen Gesten zu antworten. Hier und da hob sie amüsiert eine Augenbraue, tat eine Frage mit einer skeptischen Falte zwischen den Augenbrauen als Schwachsinn ab und neigte leicht den Kopf, wenn sie sich selbst noch nie über das Angesprochene Gedanken gemacht hatte. Dennoch fand sie seine Euphorie weiterhin äußerst eigenartig und konnte sich nicht vorstellen, dass ihre Antworten ihm genug Stoff bieten würden, um ein weiteres, dickes Buch, auf dem sein Name stand, in die Bibliotheken der Welt zu bringen. „Also bleibe ich in dieser Zelle, bis ich jede Eurer Fragen zufriedenstellend beantwortet habe?“, fragte sie schließlich und beugte sich wieder etwas vor. Die Aussicht, möglichst schnell wieder ins Tageslicht zu kommen, war verlockend – dennoch ahnte sie, dass es so einfach nicht werden würde. „Und dann?“ Seine vor wenigen Augenblicken noch getätigte Aussage, dass der Hauch einer Chance bestand, in die Niedermark zurück zu kehren, hatte er bereits selbst damit dementiert, dass die Zauberin ihre Finger im Spiel hatte, die wohl keinesfalls ein Interesse daran hatte, Saskia erst zu retten und dann zum Aufbau des zerstörten Hortes wieder unbehelligt ihr altes Leben wieder aufnehmen zu lassen. Die Frage lief nun tatsächlich darauf hinaus, ob sie sich tatsächlich als Gefangene Nilfgaards oder Philippas ansehen durfte, wobei sie glaubte, mit letzterer Option weitaus ungünstiger davon zu kommen. Für den Moment ging es ihr aber tatsächlich hauptsächlich darum, aus den Gittern herauszukommen und sich damit zumindest von der Aufbewahrung her ein Stück weit vom gefangenen Monster zu entfernen.
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